GLEICHKLANG ermöglicht asexuellen Menschen eine effektive Suche nach platonischen Beziehungen. Doch was ist unter dem Begriff der Asexualität zu verstehen?

Asexualität ist im strengen Sinne keine sexuelle Orientierung im engeren Sinne. Denn der Begriff der sexuellen Orientierung bezieht sich auf die Richtung vorhandener sexueller Wünsche und Bedürfnisse auf bestimmte „Sexualobjekte“ oder Tätigkeiten. Demgegenüber kennzeichnet sich ein asexueller Mensch dadurch, dass er über kein Bedürfnis nach Sexualkontakt verfügt (Abwesenheit von sexuellem Verlangen). Allerdings kann Asexualität als eine Orientierung zur Sexualität verstanden werden. Eine ausführliche Begriffsbestimmung von Asexualität aus psychologischer Sicht können Sie hier in unserem Informations-Portal asexuell.info nachlesen.

Eine rein kategoriale Sichtweise, die zwischen asexuellen und nicht asexuellen Menschen unterscheidet, dürfte eine Vereinfachung eines tatsächlich quantitativen Kontinuums sein: Asexualität ist dabei gemäß der quantitativen Betrachtungsweise der äußerste „Rand“ im Bereich des geringen sexuellen Verlangens, während der Gegenpol durch Hypersexualität (umgangssprachlich: Sexsucht, Nymphomanie) gebildet wird. Bei asexuellen Menschen ist insofern das sexuelle Verlangen so gering ausgeprägt, dass es als solches nicht mehr wahrgenommen wird. Mithilfe unseres Sexualitäts-Erlebens-Test wie auch des Tests “Bin ich asexuell?” können Sie für sich selbst besser klären, ob Asexualität für Sie zutrifft oder nicht.

Zu unterscheiden ist der Begriff der Asexualität von der im ICD-10 klassifizierten psychischen Störung des Mangels an sexuellen Verlangen. Diese Störung charakterisiert sich – nur scheinbar ähnlich wie Asexualität – durch eine starke Herunterregulation der sexuellen Bedürfnisse bis hin zu einer sexuellen Lustlosigkeit. Im Unterschied zu Asexualität bedingt diese Störung aber seelisches Leid und Unzufriedenheit, wird von den Betroffenen als zu überwindende Beeinträchtigung ihrer Sexualität erlebt. Eine psychische Beeinträchtigung im Sinne eines seelischen Leidensdrucks ist Voraussetzung für eine Störungsdiagnose, es sei denn ein Verhaltensmuster führt zu sozialen Schädigungen, was aber bei Asexualität nicht der Fall ist. Asexualität ist also keine psychische Störung.

Ebenso ist Asexualität zu differenzieren von der im ICD-10 klassifizierten psychischen Störung mit sexueller Aversion, die sich auf eine intensive Abneigung gegenüber oder einen Ekel vor Sexualität bezieht. Asexualität definiert sich als Abwesenheit sexuellen Verlangens, nicht als eine sexuelle Aversion, wobei letztere als krankheitswertig zu betrachten ist, wenn sie in subjektiven Leidensdruck oder Einschränkungen der Lebensführung resultiert. Es ist durchaus möglich, dass Asexuelle Aversion gegenüber Sexualität erleben. Das entscheidende ist jedoch, dass sie völlig unabhängig von dieser Aversion einfach keine Sexualität wünschen.

Weiterhin zu unterscheiden, ist der Begriff der Asexualität von Selbstunsicherheit, sozialen Hemmungen und daraus resultierenden mangelnden Beziehungserfahrungen, die zu einer Lebensweise ohne in der zwischenmenschlichen Interaktion gelebte Sexualität führen können. Hier handelt es sich um behandlungsbedürftige psychische Problematiken, die mit einer tatsächlichen Asexualität nicht zu verwechseln sind.

Asexuellualität ist ebenfalls von den sogenannten Absolute Beginners unterscheiden; Menschen, die über noch keine Beziehung-Erfahrung verfügen. Ein Großteil der Absolute Beginners ist nicht asexuell, sondern hat sexuelle Interessen, die sie jedoch noch nicht umsetzen konnten. Asexuelle können durchaus Absolute Beginners sein, die große Mehrheit der Absolute Beginners ist aber nicht asexuell.

Es folgt aus dem Begriff der Asexualität in keiner Weise, dass keine Bedürfnisse nach tiefer gehenderen zwischenmenschlichen Beziehungen bestünden, sondern Asexualität bezieht sich ausschließlich auf eine gegebene Abwesenheit von sexuellem Verlangen.

Eine darüber hinausgehende Begriffsdefinition beinhaltet die Gefahr, den Begriff zu überdehnen und dabei dann auch erkennbare psychische Störungsbilder, wie beispielsweise die schizoide Persönlichkeitsstörung, die sich durch soziale Isolation kennzeichnet, mit in den Asexualitäts-Begriff hineinzunehmen. Hieraus könnte aber eine bei stringenter Begriffsdefinition unnötige Psychopathologisierung der Asexualität erfolgen.

Notwendig erscheint daher eine enge Auslegung des Asexualität-Begriffes mit Orientierung der Definition an einer (weitgehenden) Abwesenheit von sexuellem Verlangen. Wie immer in menschlichen Erlebensbereichen, ist allerdings nicht alles nur schwarz oder weiß, sondern Graustufen existieren. Hierfür wurde der Begriff der Gray-Asexualität. Reine Assexualität bezieht sich insofern auf die vollständige Abwesenheit von sexuellem Verlangen und sexuellem Interesse, während bei Gray-Asexualität sehr geringe sexuelle Interessen bestehen mögen.

Ebenfalls zu unterscheiden ist der Begriff der Asexualität von zölibatären Lebensweisen, wie sie beispielsweise von katholischen Priestern, aber teilweise auch von Würdenträgern anderer Religionen verlangt werden. Die Problematik des Zölibat ist, dass die betreffenden Menschen nicht asexuell sind und dennoch auf den grundlegenden biologisch determinierten Primärverstärker der sexuellen Befriedigung verzichten sollen. Dies führt im Regelfall zu Leidensdruck und oft zu nach dem Zölibat unerlaubten sexuellen Aktivitäten, was dann wiederum bei den Betroffenen in Schuldgefühlen und innerer Dissonanz resultiert.

Das Zölibat ist insofern – im Gegensatz zur Sexualitäts-Losigkeit bei Asexualität – als eine psychisch ungesunde Lebensart zu betrachten, die dem Menschen in seiner sexuellen Verankerung nicht gerecht wird. Kritisch zu diskutieren ist sogar, ob das Zolibat zu den in der katholischen Kirche weltweit grassierenden sexuellen Übergriffen durch Priester auf Kinder und Jugendliche beiträgt.

Zu unterscheiden ist aber Sexualität ebenfalls von den sogenannten Absolut Beginners. Absolut Beginners verfügen über keine oder nur triviale Beziehung-Erfahrungen. Im Regelfall sind absolut Beginners aber nicht asexuell. Auch für Absolute Beginnes bietet Gleichklang übrigens  eine besondere Unterstützung im Rahmen unserer Partnervermittlung an. Dies geschieht im Rahmen der emanzipatorischen Grundausrichtung unserer Dating-Plattform, die Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierung und Besonderheiten eine effektive Partnersuche ermöglicht. Mit diesem Ansatz unterscheidet sich Gleichklang übrigens von nahezu allen Dating-Apps, Partnerbörsen, Singblebörsen, Partneragenturen oder Partnervermittlungen im deutschsprachigen Internet.

Die Häufigkeit von Asexualität in der Allgemeinbevölkerung ist unbekannt. In einer Umfrage gaben gut 1% der Bevölkerung an, sich noch zu keinem Zeitpunkt zu einem anderen Menschen sexuell hingezogen gefühlt zu haben (siehe Bogaert, 2004). Bei Gleichklang beobachten wir seit vielen Jahren, dass ca. ein Prozents unserer Mitglieder asexuell sind, was gut mit dieser Studie übereinstimmt.

Bogaert (2004) betrachtet dabei in Anlehnung an Storm (1990) Asexualität als eine Frage der sexuellen Orientierung, indem er sie negativ als nicht gegebene sexuelle Anziehung durch Mann und Frau definiert. Diese Definition ist aber höchst zweifelhaft, zum einen weil dadurch diverse paraphile Ausrichtungen als asexuell definiert würden (z.B. Fetischismus), zum anderen weil es begrifflich als nicht plausibel erscheint, bei vorhandener sexueller Erregung und Aktivität (z.B. Masturbation) von einer Asexualität, also einer Abwesenheit von Sexualität, zu sprechen. Insofern ist davon auszugehen, dass die Befragung von Bogaert die Maximalgrenze des Anteils von asexuellen Menschen an der Allgemeinbevölkerung grob abzuschätzen hilft, wobei sie aber bei Berücksichtigung einer engen Begriffsauslegung auf einen Asexuellen-Anteil von geringer als 1% hinweist.

Obwohl GLEICHKLANG sehr deutlich seine Vermittlungsoption für Asexuelle herausstellt und hierüber auch eine nicht unerhebliche Bekanntheit erworben hat, zudem bei entsprechenden Suchwortkombinationen im Suchmaschinen schnell aufgefunden wird, beträgt der Anteil von Personen mit Asexualität bei GLEICHKLANG nur wenig über 1 % (Stand: Apüril 2018).

Während es in der Anfangsphase noch einen größeren Prozentsatz gab, hat sich dieser mit dem Wachstum unserer Mitgliedschaft reduziert, obwohl die Bekanntheit der asexuellen Option nicht gesunken, sondern gestiegen ist. Offenbar sind wir repräsentativer geworden und je repräsentativer wir wurden, desto mehr hat der Anteil von Mitgliedern, die ausschließlich platonische Beziehungen suchen, abgenommen. Asexualität ist insofern sicher kein “Massenphänomen”, sondern eine Seltenheit, was aber in keiner Weise bedeutet, dass Anstrengungen für eine verstärkte Vernetzung und Anerkennung asexueller Lebens- und Liebesweisen unnötig wären.

Darauf hinzuweisen ist des weiteren, dass der Begriff der Asexualität derzeit noch keine wissenschaftlich anerkannte Bezeichnung ist, sondern es sich zum großen Teil um eine Selbstzuschreibung von Individuen handelt, die sich durch durchaus divergierende Besonderheiten ihres Sexual- und teilweise auch Beziehungsverhaltens charakterisieren.

Bei stringenter Begriffsauslegung im Sinne einer (weitgehenden) Abwesenheit eines wahrgenommenen sexuellen Verlangens ist der Begriff aber für einen wissenschaftlichen Diskurs geeignet und seine wissenschaftliche Adoption könnte gleichzeitig verstärkt Forschungen zu Verbreitung, Ursachen und Auswirkungen von Asexualität anregen.

Informationen zur Partnersuche für Asexuelle bei GLEICHKLANG:

https://www.gleichklang.de/besonderheiten/sexuelle-orientierungen/asexuell/

https://www.gleichklang.de/asexuelle-partnersuche/

https://www.gleichklang.de/anbieter-fuer-eine-asexuelle-partnersuche/

https://www.gleichklang.de/besonderheiten/sexuelle-orientierungen/

Externe Informationen zu Asexualität:

http://www.asex-wiki.de/index.php/Hauptseite

http://www.asexuality.org/home/

http://asexuality.org/de/