Slow Dating – ein Gegenentwurf zu modernen Dating-Systemen
Autor: Dr. Guido F. Gebauer, Psychologe und Mitgründer von Gleichklang
Slow Dating bezeichnet einen bewussten Gegenentwurf zu den heute dominierenden, auf Schnelligkeit und Belohnungsreize ausgerichteten Dating-Systemen. Um zu verstehen, warum Slow Dating notwendig ist, lohnt sich zunächst ein genauer Blick auf die Speed-Strukturen moderner Dating-Angebote.
Speed-Dating als Grundprinzip moderner Dating-Systeme
Wenn wir es genau betrachten, sind heute fast alle modernen Dating-Systeme und auch die Dating-Apps Beispiele für Speed-Dating: schnelle, viele Kontakte, Durchscrollen, sekundenschnelles Swipen, Kurznachrichten versenden, schon wieder zum nächsten Kontakt. Immer in der Hoffnung, dass noch ein besseres Profil sichtbar wird. Dating ist gamifiziert, und bei vielen verschiebt sich irgendwann, ohne dass sie es merken, das frühere Beziehungsziel zu einem Dating-Ziel.
Ursache ist, dass kurzfristige Belohnungsreize anderer Art bei diesen Speed-Dating-Systemen ausgelöst werden, die die Ziele ihrer Nutzer:innen verschieben können. Im Ergebnis entsteht ewiges Dating und selten eine Beziehungsfindung. Auch wenn eine Beziehung eintritt, hören viele nicht auf zu daten. Bei einigen kann dadurch auch die Bindungsbereitschaft leiden.
Klassisches Speed-Dating und seine begrenzte Wirksamkeit
Bekannt sind die Speed-Dating-Arrangements, bei denen innerhalb kurzer Zeit Teilnehmende eine Reihe von Menschen kennenlernen, mit denen sie sodann Kontaktdaten austauschen können. Es können durchaus Beziehungen entstehen, aber Studien zeigen, dass dies nur sehr selten der Fall ist.
Slow Dating bei Gleichklang seit 2006
Bei Gleichklang setzen wir seit 2006 konsequent auf das Gegenteil: Slow Dating.
Beim Slow Dating geht es nicht um hochfrequente kurzfristige Belohnungen, deshalb auch nicht um Unterhaltung, Spiel, Abwechslung, Ablenkung von Langeweile, Erlebnishunger oder Suchtstrukturen. Denn all dies kann nur entstehen, wenn Spielelemente in das Dating eingebaut sind. Genau hierauf verzichten wir jedoch konsequent.
Partnerfindung als seltenes, singuläres Ereignis
Die Philosophie des Slow Dating ist, dass Partnerfindung kein Ereignis ist, was sich sukzessive aus kurzfristigen Belohnungen und langen Dating-Sitzungen aufbaut, sondern ein singuläres, seltenes Ereignis, was in unserem Leben meist selten eintritt und dennoch für die meisten eines Tages Realität wird.
Beim Slow Dating geht es also einfach darum, die Voraussetzungen zu schaffen, dass der Moment der Partnerfindung eines Tages eintritt.
Die drei Momente der Partnerfindung
Dieser Gesamt-Moment der Partnerfindung teilt sich in drei Momente:
- der Moment, wo eine passende Person in unser Blickfeld tritt,
- der Moment, wo wir dies erkennen,
- und der Moment, wo wir die Chance zum Beziehungsaufbau nutzen.
Genau hier setzt das Slow Dating an und maximiert die Aussichten, dass genau diese drei Momente tatsächlich eintreten.
Strukturen moderner Dating-Angebote
Betrachten wir die Strukturen der Dating-Apps, aber auch die Struktur einer beliebigen Singlebörse und sogar einer Mainstream-Partnervermittlung:
- Alles ist darauf ausgerichtet, den Nutzer:innen möglichst viele Profile zu präsentieren und dass sie schnell von dem einen wieder weg zum nächsten wechseln
Bei den Dating-Apps geht es in rasanter Geschwindigkeit los. Reichen die Profile oder Matches nicht, können neue hinzugekauft werden:
- Super-Likes, Profil-Boosts, Klick, Buchung – und es geht los.
Bei einer Singlebörse kann gescrollt werden, alle, die in der Datenbank sind, können gesehen werden. Bei einer Partnervermittlung geht es eigentlich um Beziehungsfindung. Aber die Mainstream-Partnervermittlungen im Internet haben sich dem Speed-Dating-Charakter der modernen Dating-Apps längst angepasst. Der Unterschied ist teilweise marginal.
Warum schnelle Dating-Systeme Partnerfindung behindern
Was ist die Gefahr dieser schnellen Dating-Systeme? Wir nehmen die zwei zentralen Momente nicht wahr, die uns zur Partnerfindung führen. Wir erkennen nicht, wenn eine passende Person in unser Blickfeld tritt. Es gibt zu viele andere, und wir reduzieren unsere Auswahl auf Fotos und andere oberflächliche Reize.
Wir nutzen die Chance nicht, weil wir abgelenkt sind, mehrgleisig fahren, uns zu sehr an den Spielcharakter gewöhnt haben, Angst vor Courage bekommen, aus dem Spiel leicht auszusteigen und uns in den echten Beziehungsaufbau zu begeben.
Ergebnis:
- Wir bleiben Single und daten weiter.
Analogie aus der Lebensmittelindustrie
Auch im Bereich dessen, was wir essen, hat sich längst ein Speed-Trend durchgesetzt. Hier wird von Fast Food gesprochen. Bei der Kreation von Produkten setzen Lebensmittelkonzerne gezielt genau die richtige Menge Fett, Zucker und Salz ein, damit Menschen möglichst viel essen und die Produkte erneut kaufen. Dies wird im Labor ausgeklügelt und mit Versuchspersonen abgesichert.
Beim Dating ist es nicht anders. Dies hat uns der Gründer von Tinder Jonathan Badeen sinngemäß selbst verraten:
- Er orientierte seinen Algorithmus nicht daran, dass Menschen Partnerschaft finden, sondern sein Vorbild waren Experimente zum operanten Konditionieren des US-amerikanischen Psychologen B. F. Skinner mit Tauben. Diese pickten immer weiter, endlos, selbst dann, wenn sie ihre Ziele – das Futter – dadurch nicht einmal erreichten.
Der Swipe-Mechanismus bei Tinder entspricht genau diesem Spiel. Im irrigen Glauben, es habe etwas mit Partnersuche zu tun, beginnen Menschen mit dem Dating. Gesteuert werden sie jedoch durch ganz andere Formen von Belohnung:
- Attraktive Profile, Matches, kleine Treffer.
Diese übernehmen sodann die Kontrolle, und das Spiel ersetzt das ursprüngliche Ziel.
In diesem Video „Gewollte Einsamkeit – die Masche der Dating-Apps“ werden die Mechanismen ausführlich erläutert:
Wie Slow Dating diese Probleme reduziert
Mit unserem Slow Dating lösen wir diese Probleme:
- Bei Gleichklang sind nur Singles, die ernsthaft nach Partnerschaft suchen und nicht vorwiegend nach Spaß, Unterhaltung, virtuellem Chat, Fotobetrachtung etc. Damit reduziert sich die Interferenz.
Wir erreichen dies durch eine ausnahmslose, moderate und faire Jahresgebühr. Das trennt die Spreu vom Weizen. All die, die nur spielen wollen, fallen weg. Weniger Vorschläge, längere Wartezeiten – und genau deshalb höhere Chancen.
Erkennen statt Weiterswipen
Eines Tages kommt die passende Person vorbei, mit der du glücklich werden kannst. Und nun kommt der entscheidende Punkt:
- Du hast eine echte Chance, sie zu erkennen, weil du nicht denkst, in einer Minute kommt bereits etwas Neues.
Auch unser Algorithmus greift hier ein: Bei den Dating-Apps werden attraktive Profile besonders oft verschickt, als Belohnungsreiz. Es gibt Ranglisten der weltweit beliebtesten Profile. Die werden Millionen Menschen als potenzielle Partner:innen vorgestellt. So verschieben sich Attraktivitäts- und Anziehungswahrnehmungen. Wir lehnen Menschen ab, mit denen wir glücklich werden könnten.
Bei Gleichklang gibt es keinerlei Einfluss der Attraktivität auf den Matching-Algorithmus. Wir vermitteln nach Passung der Wertehaltungen, Lebensprinzipien, Lebensziele und Beziehungsmodelle.
Weniger Vorschläge, mehr Beziehungschancen
Weniger Vorschläge, längere Wartezeiten und passende Menschen. So kann es gelingen, den Moment zu erkennen und ihn sodann auch zu nutzen, um zu einer Beziehung zu gelangen.
Genau dies sehen wir auch in unseren Auswertungen: Die meisten Mitglieder von Gleichklang finden eine Partnerschaft, wenn sie sich auf das Slow Dating einlassen und dabei bleiben.
Speed-Dating, Erschöpfung und Dating-Burnout
Slow Dating ist auf den ersten Blick eintönig und langweilig. Der zweite Blick zeigt etwas anderes. Die schnellen Dating-Apps sind spannend, abenteuerlich, sie führen zu Adrenalinschüben und sexueller Erregung. Das ist alles richtig.
Aber viele Nutzer:innen der Dating-Apps berichten irgendwann von einem Burnout, einer inneren Leere, sie sind des ewigen Datings überdrüssig. Die schnellen, kurzfristigen Belohnungen, die permanente Hoffnung, ermüden, wenn wir in der Gesamtbilanz schauen, wie viel Zeit, Energie und Hoffnung wir verspielt haben.
So werden Dating-Apps so oft gelöscht wie keine anderen Apps – nur um wieder installiert zu werden. Warum? Das Speed-Dating der Dating-Apps kann süchtig machen, und die Apps erscheinen alternativlos. So leer die Sache auch ist: Ist die App weg, wird es noch leerer.
Suchtmechanismen im Dating
Nunmehr werden die Menschen aber nicht mehr in der App gehalten, weil sie sie spannend finden, sondern weil sie mithilfe der Dating-App die Langeweile reduzieren wollen, die in Wirklichkeit durch die Dating-App entstanden ist.
Ein klassischer Suchmechanismus, der Menschen an Dating-Systeme fesselt, aber eben nicht ihre Beziehungsfindung fördert.
Slow Dating als ruhige, tragfähige Alternative
Beim Slow Dating treten Spannung, Euphorie und sexuelle Erregung nicht so auf wie bei den Dating-Apps, aber dafür gibt es auch nicht den Absturz in Langeweile, Leere und Sucht.
Beim Slow Dating sind wir nicht täglich und schon gar nicht stündlich im Dating-System. Vielmehr ist beim Slow Dating die Dating-Plattform, z. B. Gleichklang, nur eine stille Option im Hintergrund. Sie schläft an, wenn eine passende Person ins Blickfeld tritt.
Nun geht eine Benachrichtigung ein. Wir können uns heute, morgen oder übermorgen einloggen, die Nachricht lesen und antworten. Danach haben wir keinen Grund, stundenlang im System zu verbleiben. Wir bleiben dabei, bis eine Beziehung entsteht.
Slow Dating im gesellschaftlichen Kontext
Das Speed-Dating der Dating-Apps hat weltweit den Dating-Markt erobert. Milliarden werden umgesetzt, genau wie beim Gaming oder auch bei Suchtmitteln. Aber wie in allen Bereichen unserer auf Schnelligkeit, Konsum und Oberflächlichkeit ausgelegten Gesellschaft gibt es abseits des Mainstreams eine andere Sicht, die Nachhaltigkeit und Echtheit in den Vordergrund stellt.
Seit unserer Gründung 2006 stehen wir bei Gleichklang für diese Sicht und bringen durch unser Slow Dating die Partnersuche unserer Mitglieder voran:
Überzeugen Sie sich selbst und machen Sie mit: ➨ JETZT ANMELDEN!
