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Von der Partnerwahl zum Beziehungsaufbau
Wie geht es nach dem ersten Treffen weiter? Wie können Sie erkennen, dass der Mensch, den Sie getroffen haben, die richtige Person für Sie ist? Wie gestalten Sie die Erprobung und den Aufbau der Beziehung? Wie kann eine neue Beziehung erhalten und weiterentwickelt werden? Dieser abschließende Abschnitt wird Ihnen noch Antworten auf diese Fragen geben.
Nach dem ersten Treffen ist es wichtig, die emotionale Basis der Begegnung weiter zu vertiefen. Auch hier – wie in allen Phasen der Partnersuche – sind offene Kommunikation und Ehrlichkeit von größter Bedeutung.
Wenn Sie sich zu der anderen Person hingezogen fühlen und diese das Gleiche erlebt, gibt es bereits eine wichtige Basis für Ihre Beziehung. Ist die Bereitschaft zu Bindung und Veränderung auf beiden Seiten vorhanden und gibt es gemeinsame Lebensziele, ist der Zeitpunkt gekommen, in die Phase des Beziehungsaufbaus einzusteigen, in der Sie Ihre Verbundenheit erproben und Schritte in Richtung einer Partnerschaft tun können.
Läuft diese Phase positiv, spricht alles dafür, sich bald für die Beziehung zu entscheiden. Zeigen sich Bedenken oder Probleme, die nach Probezeit und Bedenkzeit fortbestehen, sind eine Abgrenzung von der anderen Person und eine Fortsetzung der Partnersuche zu empfehlen.
Die folgenden Kapitel erklären Ihnen, wie Sie dies am besten angehen und wie Sie die neuentstandene Beziehung erhalten und fortentwickeln können.
Der Weg zur Beziehung
Was können Sie, wenn das erste Treffen positiv verlaufen ist, tun, damit eine glückliche Partnerschaft entsteht?
Intensiv kommunizieren und verabreden
Weder nach dem ersten noch nach dem zweiten Kennenlernen ist Wartezeit angesagt. Wenn es allen Beteiligten möglich ist, ist es ratsam, sich so oft wie möglich zu treffen und Zeit miteinander zu verbringen.
Durch gemeinsame Wochenenden oder Urlaube können Sie sich im Alltag besser kennenlernen, gemeinsam Positives erleben, über Lebensziele sprechen, Ihre Beziehung thematisieren, aber auch erste Probleme und Konflikte lösen.
Reisen erweitert den Horizont. Je vielfältiger die Begegnung ist, desto mehr kann die Verbundenheit wachsen. Treffen Sie sich an verschiedenen Orten und wagen Sie es, gemeinsame Reisen zu unternehmen. Bleibt die Verbundenheit erhalten, ist das Beziehungsglück schon fast gewiss.
Allerdings mag es nicht immer möglich sein, sich häufig oder für längere Zeit zu treffen. Es gibt Lebenssituationen, die solches nicht zulassen.
Setzen Sie in diesem Fall auf Multimedia und lassen Sie sich über Textnachrichten, Foto-Austausch und gemeinsame Video-Gespräche wechselseitig an Ihrem Alltag teilnehmen.
Auch Sexualität und Erotik können über moderne Multimedia-Kanäle als intim und befriedigend erlebt werden.
Andere Kontakte aussetzen
Sie sind bereits weit gekommen und eine mögliche partnerschaftliche Beziehung liegt zum Greifen nahe. Erlauben Sie dem Prozess des weiteren Kennenlernens und des Beziehungsaufbaus die Exklusivität, die er benötigt.
Lassen Sie sich nicht durch andere oder neue Kontakte ablenken. Setzen Sie neue Vorschläge bei Partnervermittlungen aus und lassen Sie die Dating-App liegen, sofern Sie eine solche nutzen.
Gibt es bereits andere Kontakte, können Sie diesen freundlich und verbindlich mitteilen, dass Sie sich gerade in einer Phase der Kontaktvertiefung befinden und nicht mehrere Kontakte gleichzeitig pflegen wollen. Dies wird typischerweise auf Verständnis und Sympathie stoßen. Sollte der Beziehungsaufbau scheitern, wird es oftmals möglich sein, einen vorherigen Kontakt neu aufzunehmen.
Machen Sie sich klar, dass Mehrgleisigkeit in der Phase der Beziehungsanbahnung schädlich ist. Verwenden Sie jetzt vielmehr Ihre Energie darauf, eine Beziehung aufzubauen, anstatt auf einen immer noch besseren Kontakt zu hoffen.
Wenn Sie demgegenüber damit fortfahren, auch andere Kontakte zu schließen, sich zu treffen oder gar mehrere Beziehungen gleichzeitig anzubahnen, blockieren Sie Ihre Beziehungsbereitschaft und werden auch der anderen Person nicht gerecht. Schnell mag eine Haltung entstehen, bei der es weniger um Partnerschaft als um kurzfristige Treffen, Thrill und die Suche nach immer noch etwas Besserem geht. Wer so sucht, wird jedoch meistens nicht finden.
Selbst bei einer polyamorösen Suche sollten Sie, wenn Sie einen Menschen gerade kennenlernen, die weitere Suche zunächst aussetzen. Kommen Sie zusammen, können Sie sich nämlich wesentlich effektiver gemeinsam nach einer weiteren Person auf die Suche begeben, die in Ihre Beziehungskonstellation passt.
Der Wunsch, mehrere Eisen im Feuer haben zu wollen, kann bei der Partnersuche schnell zum Beziehungs-Aus führen. Wenn Sie es sich zur Gewohnheit machen, mehrere Kontakte gleichzeitig zu vertiefen, werden Sie sich in einem permanenten Abwägungsprozess wiederfinden, der eine Entscheidung erschwert. Auch mag Ihnen so die Hoffnung, dass noch jemand Besseres kommen werde, den Blick auf die Person und die Beziehungsoption mit der Person verstellen, die Sie bereits gefunden haben.
Schließlich sollten Sie ebenfalls bedenken, dass die Person, mit der Sie aktuell den Kontakt vertiefen oder eine Beziehung erproben, durchaus nachvollziehbar enttäuscht und verletzt sein mag, wenn ihr bewusst wird, dass Sie weitere Kontakte pflegen.
So kann schnell der Eindruck entstehen, nur das fünfte Rad am Wagen zu sein, oder es entstehen Zweifel, ob Sie überhaupt ernsthaft an einer Beziehungserprobung interessiert sind.
Für den Erfolg Ihrer Partnersuche ist es daher dringend zu empfehlen, in dem Moment, wo Sie sich vorstellen können, die passende Person gefunden zu haben, alle anderen Alternativen ruhen zu lassen.
Wenn Sie bereits so weit zueinander gefunden haben, sollte es ebenfalls möglich sein, dieses Thema offen gemeinsam zu besprechen. So wird gleichzeitig deutlich werden, wie viel Gewicht und Ernsthaftigkeit beide Seiten dem weiteren Kennenlernen und einem möglichen Beziehungsaufbau tatsächlich zukommen lassen.
Spätestens wenn Sie feststellen, dass die Person, mit der Sie sich eine Zukunft vorstellen können, weiterhin anderweitig Kontakte sucht und pflegt, ist der Zeitpunkt gekommen, wo ein klärendes Gespräch ein wichtiger Wendepunkt sein kann:
Es mag deutlich werden, dass die andere Person sehr ambivalent ist oder einer gemeinsamen Beziehung sogar eher kritisch oder ablehnend gegenübersteht.
In diesem Fall sollten Sie den Kontakt unterbrechen, um sich ganz abzugrenzen oder der anderen Person eine ausreichende Zeit zum Bedenken zu geben.
Ebenso mag sich aber zeigen, dass die andere Person den Beziehungsversuch ernst nimmt und von sich aus gerne bereit ist, das Online-Dating erst einmal auf Eis zu legen. Ihr Wunsch, das Online-Dating auszusetzen, mag sogar auf positive Resonanz und Freude stoßen, da Sie dadurch Ihre Bereitschaft verdeutlichen, sich für die Beziehung zu entscheiden.
Ergebnisoffene Haltung einnehmen
Gehen Sie an das weitere Kennenlernen und die Erprobung der Beziehung nicht mit einer ausgesprochen prüfenden oder abfragenden Haltung heran. Auch sollte Ihnen weder eine naiv optimistische noch eine kritisch pessimistische Haltung den Blick auf die sich aufbauende Beziehung und Ihr Erleben in ihr verstellen.
Versuchen Sie, die andere Person bewusst zu erleben. Üben Sie aber auch, sich einmal fallen zu lassen. Welche Gefühle nehmen Sie bei sich wahr? Freuen Sie sich auf die nächste Begegnung? Spüren Sie eine wachsende innere Verbundenheit?
Achten Sie auf Ihre Gefühle und blockieren Sie sich nicht durch Übervorsicht und Angst, sondern lassen Sie sich auf den Prozess des Kennenlernens ein.
Probleme und Hindernisse ansprechen
Irgendetwas stört Sie? Zweifel tauchen auf? Probleme und Konfliktlinien werden sichtbar? Nehmen Sie bei sich Enttäuschung, Frustration, Ablehnung, Ärger oder Angst wahr?
Sie sollten diese Signale nicht ignorieren, sondern ernst nehmen. Machen Sie sich klar, worauf sich diese Signale beziehen. Was tut die andere Person, was bei Ihnen diese Reaktionen auslöst? Was könnte sie anders machen? Wie stark sind Ihre eigenen Anteile? Liegen womöglich Missverständnisse vor? Oder gäbe es Möglichkeiten, das Problem abzustellen beziehungsweise einen Kompromiss zu schließen?
Machen Sie sich klar, dass jeder Begegnungsprozess auch mit Schwierigkeiten verbunden ist. Es ist eine Rarität, dass Menschen in Beziehungen für immer auf Wolke 7 schweben. Bleiben Sie also gelassen und gehen Sie alles ruhig, freundlich, zugewandt und offen an.
Benennen Sie Ihre eigenen Wahrnehmungen und Gefühle. Fragen Sie die andere Person aber auch nach deren Wahrnehmung und Bewertung. Es ist wichtig, die verschiedenen Perspektiven auszutauschen und zu verstehen, um so zu einer Lösung zu gelangen.
Je tiefer die emotionale, geistige und kommunikative Basis zwischen Ihnen bereits ist, desto besser wird es Ihnen gelingen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Manchmal sind nicht einmal Änderungen notwendig, sondern alles klärt sich als Missverständnis auf, wenn darüber gesprochen wird.
Geben Sie nicht vorschnell auf. Sollten sich aber doch trotz Gespräch und Reflexion unüberwindbare Hindernisse zwischen Ihnen zeigen, scheuen Sie sich nicht, den Kontakt zu beenden und sich wieder in die vorherige Stufe der Partnersuche zurückzubegeben.
Geben Sie also nicht vorschnell auf, aber schieben Sie Entscheidungen auch nicht allzu lange vor sich her. Ist eine Beziehung perspektivlos, führt eine Verschiebung nur zu mehr seelischem Schmerz.
Radikale Ehrlichkeit üben
Bestimmt wollen Sie nicht eines der Paare werden, die nach Jahrzehnten feststellen, dass sie sich nicht kennen und wohl auch nie gekannt haben. Nutzen Sie die Möglichkeiten zur direkten sprachlichen Kommunikation, damit Sie diese Entwicklung vermeiden können.
Dies sind die vier zentralen Merkmale von radikal ehrlicher Kommunikation für die Phase von Kennenlernen und Erprobung:
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Zeigen Sie Ihre Gefühle so, wie Sie sie erleben: Sie sollten Ihre Gefühle nicht verbergen und ihren Ausdruck nicht strategisch einsetzen. Zeigen Sie Ihre Gefühle nicht, wächst das Risiko, dass die andere Person sie nicht oder falsch wahrnimmt oder dass die andere Person ihre Gefühle ebenfalls nicht zeigt. So entsteht ein Irrgarten, aus dem es schwierig werden kann, wieder herauszukommen. Auch können zahlreiche Missverständnisse eintreten. So mögen Hemmungen oder die Zurückhaltung von Gefühlen schnell als Eindruck von Desinteresse interpretiert werden. Daran kann der oftmals noch zaghafte Beginn einer partnerschaftlichen Beziehung sogar scheitern. Umgekehrt mag eine Beziehung entstehen, in der die emotionale Resonanz nicht vorhanden ist, weil die Gefühle bei den Beteiligten verborgen oder vorgespielt wurden, anstatt sie authentisch auszudrücken.
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Sagen Sie, was Sie partnerschaftlich wollen: Sie nehmen am Online-Dating teil und es geht Ihnen beiden darum, eine partnerschaftliche Beziehung zu finden. Sie brauchen nichts zu verstecken und nichts zu schauspielern. Sagen Sie direkt, was Sie denken, und sagen Sie es, wenn Sie eine Partnerschaft mit der anderen Person wollen. Dies wird die Aufmerksamkeit der anderen Person auf Sie verstärken und mögliche, aber unbegründete Zweifel senken.
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Fragen Sie die andere Person, was diese partnerschaftlich will: Sie möchten eine Partnerschaft beginnen, aber die Signale Ihres Gegenübers sind Ihnen unklar. Ist Ihr Gegenüber zu distanziert, kühl, rational oder unverbindlich? Lassen Sie dies nicht im Raume stehen, sondern fragen Sie direkt nach. Kommt eine negative Antwort, betrachten Sie es als Glück, dass Sie sich noch rechtzeitig umorientieren können. Ist die andere Person unsicher, können Sie Ihrer Beziehung noch eine Chance geben, indem Sie eine Probezeit mit Treffen und eine nachfolgende Bedenkzeit mit klarem Termin vereinbaren. Zeigt sich, dass die andere Person zwar eine Beziehung mit Ihnen möchte, aber eine Beziehung anderer Art, beispielsweise mit getrenntem Wohnen, können Sie dies miteinander besprechen und prüfen, ob dies für beide ein guter Weg wäre. Verharren Sie niemals aus Angst im Unklaren, sondern stellen Sie die richtigen Fragen, für die Sie die richtigen Antworten brauchen.
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Stellen Sie Offenheit her: Vereinbaren und üben Sie es, sich auf beiden Seiten jeder Lüge und Unehrlichkeit zu enthalten. Scheinbare oder tatsächliche Notlügen und selektive Wahrheiten prägen einen Großteil der menschlichen Kommunikation. Aber in einer Partnerschaft muss dies nicht sein. Eine Notlüge in einer Beziehung bedeutet, dass Ängste bestehen (Angst vor Bestrafung oder negativer Reaktion), dass Konflikte vermieden werden sollen, die aber geklärt werden sollten, oder dass die andere Person hintergangen werden soll, obwohl es doch eigentlich um Gemeinsamkeit geht. Die gesellschaftliche Normalisierung der Lüge lässt diese nahezu unbemerkt und unhinterfragt auch in viele Beziehungen eintreten. Dem können Sie aber entgegensteuern, indem Sie von vornherein mit angehenden Beziehungspartner:innen radikale Ehrlichkeit vereinbaren und diese konsequent einüben.
Manchmal mag es durchaus wehtun oder Angst erzeugen, die ganze Wahrheit zu hören und genau zu wissen, was eine andere Person denkt, fühlt und erlebt. Schließlich sind wir alle voller Zweifel und Ambivalenzen, die wir jedoch im Regelfall auflösen oder bewältigen können, wenn wir sie nicht zurückdrängen, sondern sie offen benennen und angehen.
Machen Sie erst die Erfahrung, dass offene Kommunikation in angstfreier Atmosphäre möglich ist, wird sich ein Kennenlernen zu einer partnerschaftlichen Beziehung vertiefen. Sollte sich aber durch die radikale ehrliche Kommunikation zeigen, dass eine Beziehung tatsächlich nicht möglich ist, ist auch dies ein positives Ergebnis, welches Ihnen eine Entscheidung und die Verlagerung Ihrer Ressourcen ermöglicht.
Befriedigende Sexualität entwickeln
Radikale Ehrlichkeit ist ebenfalls der beste Weg zu einer befriedigenden Sexualität.
Bleiben sexuelle Wünsche, Sehnsüchte, Ängste, Hemmungen, Schmerzen bei der Sexualität, Verkrampfungen, Erektionsstörungen oder andere sexuelle Funktionsstörungen unbenannt, werden die gemeinsame Sexualität und die eigene sexuelle Zufriedenheit notwendigerweise darunter leiden.
Eine geringe sexuelle Zufriedenheit kann ebenfalls die allgemeinere Beziehungszufriedenheit und die eigene Lebenszufriedenheit senken.
Menschen unterscheiden sich in ihren sexuellen Erlebnisweisen, ihren sexuellen Bedürfnissen, Befürchtungen und Wünschen. Sexuelle Appetenzen und Aversionen sind keineswegs gleich verteilt. Oft ist man auch offen gegenüber sexuellen Variationen, die jedoch nie zum Tragen kommen werden, wenn diese sexuellen Wünschen nicht angesprochen werden und unbekannt bleiben.
Äußern Sie Ihre eigenen sexuellen Wünsche und Bedürfnisse, fragen Sie aber auch nach und hören Sie gut zu. Überwinden Sie die Scheu. Denn in der Sexualität zwischen zwei erwachsenen, zustimmungsfähigen Menschen ist alles erlaubt und alles möglich, was gegenseitig gewollt ist. Voraussetzung, um zueinander zu finden, ist jedoch, zu wissen, was der anderen Person gefällt und wie Sie selbst dies erleben.
Eine perfekte Übereinstimmung der wechselseitigen sexuellen Wünsche, Bedürfnisse und Erlebnisweisen wird es selten geben. Lassen Sie sich dadurch nicht irritieren. Nicht alles, was Ihnen gefällt, wird der anderen Person gefallen. Nicht alles, was der anderen Person gefällt, wird Ihrer Vorliebe entsprechen.
Auf der Grundlage von Sympathie, Zuneigung und Vertrauen ist es möglich, sexuell zu experimentieren und so zu einer Sexualität zu gelangen, die beiden Seiten gerecht wird. Hierzu gehört auch die direkte Klärung möglicher besonderer Wünsche oder Probleme, aber auch die Besprechung des Beziehungmodells. Geht es um eine monogame Beziehung oder soll eine konsensuelle Nicht-Monogamie vereinbart werden?
Sexuelle Funktionsstörungen sollten von Anfang an offengelegt werden. Je offener darüber gesprochen wird, desto mehr wird oft – wenn sie teilweise oder vorwiegend psychisch bedingt sind – ihre Intensität abnehmen. Vor allem aber gibt es so viele Möglichkeiten zur sexuellen Stimulation, dass keine befriedigende Sexualität an einer sexuellen Funktionsstörung zu scheitern braucht.
Hilfreich kann es auch sein, gemeinsam erotische Literatur zu lesen, um die eigenen Fantasien und das Gespräch miteinander anzuregen.
Auch im Bereich der Sexualität sind – wie überall – Kompromisse möglich, achten Sie aber auch auf Ihre Grenzen, wo es Ihre körperlich-seelische Integrität betrifft.
Radikale sexuelle Ehrlichkeit bedeutet nicht, dass Sex in einer Beziehung ein Muss ist. Es gibt Menschen, die asexuell sind oder aus anderen Gründen keine Sexualität möchten. Radikale sexuelle Ehrlichkeit bedeutet, auch hierüber offen zu sprechen.
Familie und Freundeskreis kennenlernen
So wichtig eine Partnerschaft ist, so gibt es auch noch andere bedeutsame soziale Bezüge – Bekannte, Arbeitskollegen, Freunde und Familie.
Tauschen Sie sich miteinander aus, wie intensiv Ihre Beziehung in das vorhandene soziale Bezugsfeld integriert werden soll. Eine völlige Trennung von Partnerschaft und dem sonstigen sozialen Bezugsfeld wird im Regelfall weder wünschenswert noch sinnvoll sein.
Zu Beziehungspartner:innen gehören auch ihre sozialen Bezüge. Eifersucht und Besitzergreifung sind hier fehl am Platz und der Versuch, Beziehungspartner:innen von ihrem sozialen Umfeld zu isolieren, wird der Partnerschaft meistens nicht guttun.
Am besten verlaufen Beziehungsaufbau und Beziehungsentwicklung vielmehr, wenn es gelingt, die eigenen Freunde zu gemeinsamen Freunden und die eigene Familie zur gemeinsamen Familie zu machen.
Zur Vertiefung von Aufbau und Erprobung einer Beziehung gehört daher typischerweise ebenfalls das Kennenlernen der Freunde und Familienangehörigen der Beziehungspartner:innen. Zögern Sie nicht, Ihre werdende Beziehung Bekannten, Freunden und Familienangehörigen vorzustellen. Dies kann zu einer weiteren Vertiefung und zum Übergang von der Beziehungserprobung zur Bindung führen.
Zeigen sich hier Barrieren und Konfliktlinien, sollten Sie erneut das Gespräch hierüber suchen, um herauszufinden, inwiefern Konfliktlinien lösbar sind oder von einer Einbettung der Partnerschaft in diese Bezüge zumindest temporär Abstand genommen werden kann und sollte.
Die Haltung gegenüber eigenen Freunden und Familienangehörigen und der Wunsch nach der Integration einer Partnerschaft in das eigene soziale Umfeld sind wichtige partnerschaftliche Grundeinstellungen, die im Grundsatz übereinstimmen sollten.
Finden Sie hier keine Basis miteinander, könnten dauerhaft Konflikte oder Vorwürfe entstehen und die Beziehungszufriedenheit leiden. Dies mag daher durchaus ein Grund sein, von einer gemeinsamen Beziehung Abstand zu nehmen. In aller Regel wird es aber möglich sein, zu einem guten gemeinsamen Umgang mit dem wechselseitigen sozialen Umfeld zu finden.
Mut zur Veränderung
Mit einer neuen Beziehung werden Veränderungen in Ihr Leben treten. Seien Sie zu Veränderungen bereit und pochen Sie nicht auf der exakten Beibehaltung Ihres bisherigen Alltags.
Sie brauchen nicht Ihr gesamtes vorheriges Leben über Bord zu werfen, aber ebenfalls sollten Sie nicht erwarten, dass alles beim Alten bleibt.
Nutzen Sie die Zeit von Beziehungsaufbau und Beziehungserprobung, um über das künftige gemeinsame Leben zu sprechen, Ziele zu entwickeln, Pläne zu machen und wenigstens einige kleinere Veränderungen bereits möglichst zeitnah umzusetzen.
Sind gemeinsame Veränderungen möglich, stärkt dies die Zuversicht in die beginnende Beziehung.
Wenn Sie feststellen, dass Liebe, Verständnis und Kompatibilität vorhanden sind, spricht übrigens auch nichts dagegen, schon bald zusammenzuziehen, wobei Sie aber in einer Beziehung mit getrennten Wohnungen am gleichen Ort oder in einer Fernbeziehung ebenfalls glücklich werden können.
Ist es die richtige Person?
Gewinnen Sie Klarheit, indem Sie sich die folgenden vier Fragen beantworten:
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Ist Zuneigung bei beiden Personen gegeben?
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Lassen sich gemeinsame Beziehungs- und Lebensziele erkennen?
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Sind beide Personen bindungsbereit?
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Sind beide Personen bereit für die Veränderungen, die mit einer gemeinsamen Beziehung einhergehen würden?
Beantworten Sie diese Fragen für sich selbst, suchen Sie aber auch das offene Gespräch, sodass Sie gemeinsam diese Fragen beantworten können.
Für eine tragfähige Beziehung sollten alle Beteiligten alle vier Fragen mit einem klaren Ja beantworten. Ist dies der Fall, bestehen sehr gute Aussichten für eine tragfähige Beziehung.
Stellen Sie andererseits fest, dass die emotionale Basis zweifelhaft oder nicht wechselseitig ist, dass es keine eindeutige Bindungsbereitschaft gibt, dass keine gemeinsamen Lebensziele gefunden werden oder ein Unwille gegenüber Veränderung besteht, sind die Aussichten für eine Beziehung miteinander nur gering.
Entscheiden Sie sich in diesem Fall für eine Trennung oder – wenn Ambivalenzen sich möglicherweise noch auflösen lassen – zumindest für eine Probezeit. In dieser Probezeit können alle Beteiligten in sich gehen, über die eigenen Wünsche und Möglichkeiten nachdenken und bei gemeinsamen Begegnungen herausfinden, ob miteinander ein Alltagsglück entsteht.
Lassen Sie dies aber nicht endlos so weitergehen. Terminieren Sie die Probezeit lieber beispielsweise auf zwei bis drei Monate oder auch kürzer und treffen Sie dann eine Entscheidung für oder gegen eine gemeinsame Beziehung. Die Probezeit zeitlich zu begrenzen verhindert, dass Sie in eine zeitliche Endlosschleife hineinkommen, die psychisch belastend sein kann und zudem dazu führen kann, dass Sie andere aussichtsreiche Kontakte nicht wahrnehmen.
Ohne zeitliche Begrenzung mag bei Ihnen oder der anderen Person zudem eine gewisse Bequemlichkeit einsetzen, keine Entscheidung treffen zu müssen oder aber alle Eisen im Feuer behalten zu wollen, während tatsächlich bereits nach Alternativen gesucht wird.
Gegebenenfalls kann am Ende der Probezeit eine Bedenkzeit ohne weitere Treffen vereinbart werden, um zu einer Entscheidung zu gelangen. Auch diese sollte klar terminiert sein.
Warum sind emotionale Zuneigung, Bindungsbereitschaft, gemeinsame Beziehungs- und Lebensziele sowie Veränderungsbereitschaft erforderlich, um in eine Beziehung einzusteigen?
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Zuneigung ist die emotionale Basis und wesentliche Triebkraft einer Partnerschaft. Gründe wie Torschlusspanik oder rationale Erwägungen zu Vorteilen wie den finanziellen Aspekten einer Beziehung führen selten zu einem späteren echten Beziehungsglück. Gefühle brauchen nicht riesenhaft oder umwerfend zu sein, aber eine sich zur Liebe vertiefende Sympathie ist für den Einstieg in eine Beziehung eine absolute Voraussetzung. Und mag es in der Kennenlernphase noch Sympathie sein, sollte in der Phase des Beziehungsaufbaus daraus bereits Liebe werden.
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Gemeinsame Ziele verbinden Menschen, energetisieren sie und richten ihre Handlung auf eine gemeinsame Basis aus. Ziele motivieren und geben Hoffnung. Zudem macht der Prozess der Zielerreichung auch oft Freude. Überdies helfen gemeinsame Ziele, Rückschläge zu bewältigen. Wer Ziele hat, gibt nicht sofort auf, sondern bemüht sich, Hindernisse auszuräumen. Für eine tragfähige Partnerschaft sind gemeinsame Ziele ein guter Startpunkt, an denen freilich auch während der Beziehung immer wieder zu arbeiten sein wird.
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Bindungsbereitschaft richtet die Aufmerksamkeit auf eine bestehende Beziehung und deren Bewahrung. Sie reduziert damit die Wahrscheinlichkeit, sich durch mögliche Alternativen ablenken zu lassen und die Beziehung vorschnell in Frage zu stellen. Bindungsbereitschaft bedeutet, es miteinander ernst zu meinen und nicht jederzeit die Augen offen zu haben für einen vielleicht noch passenderen Menschen. Wer bindungsbereit ist, versucht, eine Beziehung zu verbessern, anstatt sich bei den ersten Problemen oder einer vermeintlichen attraktiveren anderen Wahl rasch zu trennen. Beidseitige Bindungsbereitschaft kann daher eine Beziehung über die Zeit stabilisieren.
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Veränderungsbereitschaft ist notwendig, wenn Menschen miteinander eine Beziehung beginnen. Aber auch im Verlauf einer Beziehung ist eine Flexibilität des wechselseitigen Verhaltens für die Beziehungszufriedenheit wichtig. Es geht darum, sich miteinander auf wechselnde Situationen und Ereignisse einzustellen. So können immer wieder neue Möglichkeiten für die Aufrechterhaltung und Verbesserung des Beziehungsglücks erschlossen werden. Wer rastet, der rostet. Wenn nur eine Seite sich verändert, fehlt die Wechselseitigkeit, was auf Dauer zu Unzufriedenheit führt. Gemeinsame Veränderungsbereitschaft wirkt Prozessen von negativer Gewohnheitsbildung, Langeweile und Unzufriedenheit entgegen. Gemeinsame Veränderungsbereitschaft dynamisiert eine Beziehung und hält sie lebendig.
Ja zur Bindung sagen
Wenn Sie sich mit der Entwicklung der Beziehung wohlfühlen, sollten Sie keine Angst haben, auch die Entscheidung für die Bindung zu treffen. Denn Liebe ist nicht nur Gefühl und Leidenschaft, sondern auch die rationale Entscheidung, mit einem Menschen zusammen sein und zusammen bleiben zu wollen – in guten wie in schlechten Zeiten.
Sprechen Sie miteinander über Ihren Wunsch, zusammen zu sein. Wenn beide Seiten in der Lage sind, sich die Sicherheit zu geben, füreinander da zu sein, hat Ihre Beziehung bereits begonnen. Sagen Sie jetzt einfach nur noch Ja.
Online-Partnersuche beenden
Bisher hatten Sie bereits neue Vorschläge und bestehende Kontakte ausgesetzt und Ihre Finger von den Dating-Apps gelassen. Sie haben sich für einen Menschen entschieden. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, um sich von der Online-Partnersuche endgültig zu verabschieden.
So setzen Sie für sich und Ihre Beziehung das klare Zeichen, dass die Entscheidung gefallen ist. Sprechen Sie gemeinsam darüber oder klicken Sie zusammen den Kündigungs-Button – es sei denn, Sie suchen gemeinsam eine polyamoröse Beziehung.
Für Sie geht es jetzt nicht mehr um Partnersuche, sondern darum, sich ganz auf den weiteren Aufbau und die Entwicklung der neuen Beziehung zu konzentrieren.
Beziehung offiziell machen
Was öffentlich gesagt wird, entfaltet Bindewirkung. Machen Sie daher Ihre Partnerschaft offiziell. Indem spätestens jetzt die Bekannten, Freunde und Familienangehörigen von der neuen Beziehung erfahren, wird die Bindung weiter gestärkt und die Partnerschaft auch offiziell in den Alltag integriert.
Und wenn es anders kommt?
Im besten Fall ist die Online-Partnersuche nun für Sie Geschichte und mit einer neuen Partnerschaft beginnt ein neuer Lebensabschnitt mit all seinen Herausforderungen.
Aber nicht immer laufen die Dinge im Leben so, wie wir es uns wünschen. Oftmals bedarf es mehrerer Anläufe, bis wir unsere Ziele erreichen.
Auf jedem Abschnitt der Partnersuche und auch während aller Abschnitte von Beziehungserprobung und Beziehungsaufbau können sich Hindernisse in den Weg stellen, die eine Umkehr erforderlich machen. Auch wenn Sie schon dachten, Sie hätten die richtige Person gefunden, mag sich später noch herausstellen, dass dies ein Irrtum war.
Gerade in den Anfängen einer erst beginnenden Beziehung kann es, ähnlich wie beim ersten Treffen, erneut zu einer Desillusionierung kommen. Womöglich zeigt sich, dass Alltag, Beziehungsmodelle oder Lebensziele doch nicht zueinander passen.
Akzeptieren Sie, was Sie nicht ändern können, und seien Sie nicht enttäuscht. Lassen Sie sich von temporären Rückschlägen nicht entmutigen, sondern bleiben Sie weiterhin aktiv bei der Online-Partnersuche dabei.
Wenn es noch nicht das Richtige gewesen sein sollte, gehen Sie jetzt ein Kapitel mit Ihrer Partnersuche zurück und machen Sie dort weiter, wo Sie aufgehört hatten, als Sie sich zur Vertiefung des aktuellen Kontaktes entschieden hatten.
Denken Sie aber auch noch einmal darüber nach, ob Sie aus der neuen Erfahrung etwas lernen und womöglich Ihre Suchkriterien oder Ihr Dating-Verhalten verbessern können. Oft sind nämlich temporäre Rückschläge unsere besten Lehrer.
Womöglich werden Sie im Verlauf Ihrer Partnersuche sogar mehrfach an diese Stelle zurückkommen, um sodann nicht mit Ernüchterung, sondern mit Optimismus und Initiative noch einmal erneut mit der Partnersuche durchzustarten.
Wenn Sie aber bereits jetzt an dem Punkt sind, wo die Hindernisse ausgeräumt sind, herzlichen Glückwünsch!
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