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Psychologie der Liebe: Formen von Liebesbeziehungen

Die Psychologie der Liebe hat diese unterschiedlichen Formen von Liebesbeziehungen umfassend untersucht. Wir denken oft wenig darüber nach, dass es verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten von Leben und Beziehung gibt. Häufig glauben Menschen viemehr, schnell zu wissen, wer sie sind, wie eine andere Person sein sollte und wie sie sich eine Beziehung vorstellen. 

Täten wir es, würden sicherlich manche zu dem Schluss gelangen, dass sie zu schnell ein Standard-Modell voraussetzten, obgleich sie mit einem alternativen Modell genauso glücklich oder gar glücklicher geworden wären.

Viele unserer Überzeugungen, wie eine Beziehung gelebt werden sollte, haben kein festes Fundament. Sie beruhen oft auf ungeprüften Grundannahmen, der Übernahme gesellschaftlicher Normen oder einem Mangel an Fantasie, Selbstreflexion und Offenheit. Auch Ängste und Hemmungen können Ursache für vorschnelle Festlegungen und den Ausschluss alternativer Möglichkeiten sein.

Über den Horizont hinauszudenken, kann uns vor vorschnellen Festlegungen und selbstauferlegten Fesseln schützen.

Deshalb geht es jetzt darum, Ihr Brainstorming noch einmal zu reflektieren, zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Bitte lesen Sie die folgenden ausführlichen Informationen und Anregungen aufmerksam durch, um für den abschließenden Überprüfungsprozess neue Erkenntnisse zu erwerben.

Stellen Sie sich dabei beim Lesen kontinuierlich die Frage, ob das, was Sie gelesen haben, auch auf Sie zutrifft und ob es auch für Sie eine Möglichkeit für eine glückliche Lebens- und Beziehungsgestaltung sein könnte.

Achten Sie sowohl auf Ihr Gefühl wie auf Ihren Verstand, ohne vorschnell Möglichkeiten zu verwerfen. Versuchen Sie, Offenheit zu entwickeln und gegebenenfalls sogar verschiedene Konstellationen für sich zu identifizieren, in denen Sie glücklich werden könnten.

Manchmal mag der Verstand Dinge verbieten oder als unmöglich erscheinen lassen, die sich jedoch bei genauerem Nachdenken als möglich und erstrebenswert entpuppen. Oder es mögen Ablehnungsgefühle auftreten, die sich ändern, wenn Sie zu einer neuen geistig-kognitiven Bewertung gelangen.

Umgekehrt mögen sich anfänglich positive Gefühle verändern, wenn Sie die Grundlagen, auf die diese sich beziehen, in einem Prozess der Selbstreflexion neu bewerten.

Hilfreich können Imaginationsübungen sein, in deren Verlauf Sie die Augen schließen, sich entspannen und sich in diesem entspannten Zustand die jeweiligen Konstellationen vorstellen und sich sodann selbst fragen, ob diese für Sie denkbar wären.

Solche Imaginationsübungen können dazu verhelfen, Denk-Blockaden aufzulösen, Gefühle zu überprüfen oder zu verändern und neue Erlebnismöglichkeiten für sich zu entdecken. Ebenso mag es aber natürlich vorkommen, dass Ihnen auf diese Weise deutlich wird, dass eine bestimmte Konstellation für Sie ganz sicher nicht in Frage kommt.

Menschen sind vielschichtig und können oft auf verschiedene Art und Weise glücklich werden.

Ein Beispiel: Vielleicht denken Sie gerade, zu Ihrem Glück gehören berufliche Anerkennung, Prestige und ein hohes Einkommen.

Sind Sie sich aber sicher, dass Sie nicht ebenso glücklich sein können, wenn Sie einfach, bescheiden und naturnah leben würden?

Tatsächlich wird immer wieder beschrieben, dass Menschen, die sich nach den Prinzipien von Einfachheit, Selbstgenügsamkeit und Minimalismus ausrichten und sich so von Ballast befreien, zu größerer Leichtigkeit und zu einem Mehr an Lebensglück finden (Lloyd und Pennington, 2020). Hätten Sie das gedacht?

Manche Menschen finden nach dramatischen biografischen Brüchen zu einem ungekannten Lebensglück. Andere setzen einen wenig ausfüllenden Alltag unverändert fort, ohne ihn zu hinterfragen, sodass sie sich am Ende fragen mögen, wofür sie überhaupt gelebt haben.

Mit anderen Worten: Mit der Partnersuche beginnen und eine Beziehung eingehen zu wollen, ist auch ein guter Zeitpunkt, um noch einmal über die eigenen Werte nachzudenken und Veränderungsmöglichkeiten zu erwägen.

Findet diese Reflexion nämlich nicht statt, besteht die Gefahr, dass Sie vorschnell und automatisch Erwartungen an Beziehungspartner:innen und Beziehungen herantragen, die zu einer Konservierung eines unbefriedigenden Status quo führen können.

Erkennen Sie daher Ihre derzeitige Partnerlosigkeit als Chance und nutzen Sie die Zeit der Partnersuche als eine bedeutsame Phase in Ihrer Entwicklung, die Veränderungspotenziale sichtbar machen kann.

Als Sie gerade Ihre Stichworte zu sich selbst, der anderen Person und der gesuchten Beziehung festhielten, hatten Sie da bereits an alle diese Sachverhalte gedacht und mögliche Alternativen erwogen?

Im folgenden Abschnitt wird es darum gehen, dass es die eine einzig wahre Liebe gar nicht gibt. Achten Sie auch hier darauf, ob Sie beim Lesen Aspekte und Themen erkennen, auf die Sie in der Vergangenheit wenig oder gar nicht geachtet haben und die Sie nun in einer neuen Beziehung mehr in den Vordergrund rücken möchten.

Verschiedene Varianten der Liebe

Die eine einzig mögliche wahre Liebe gibt es nicht. Denn: So wie sich Menschen von anderen Menschen darin unterscheiden, was sie sich von einer Partnerschaft wünschen und wie sie sie gestalten möchten, so gibt es diese Unterschiede auch innerhalb des eigenen Selbst. Deshalb können auch Sie auf ganz unterschiedliche Art und Weise glücklich werden.

Ein Partnerglück kann möglich sein, selbst wenn die potenziellen Partner völlig verschiedene Eigenarten haben. Auch sehr verschiedene Arten, eine Beziehung zu gestalten, mögen zum Beziehungsglück führen.

Lassen Sie sich im Folgenden von drei verschiedenen psychologischen Modellen der Liebe anregen:

  • Sechs Liebesstile nach Lee (1976)

  • 33 Dimensionen der Liebe nach Karandashev und Clapp (2014, 2016)

  • Leidenschaftliche und kameradschaftliche Liebe nach Hatfield und Rapson (1993, 1996)

Fragen Sie sich beim Lesen immer, wie sehr die dargestellten Aspekte der Liebe ihre vergangenen Beziehungen zum Guten oder zum Schlechten prägten. Fragen Sie sich ebenfalls, welche Modelle und Merkmale Sie künftig in einer neuen Liebesbeziehung entwickeln wollen, aber auch, worauf Sie künftig verzichten möchten und was für Sie ganz sicher nicht (mehr) in Frage kommt.

Betrachten Sie die folgenden ausführlichen Darstellungen zur Liebe nicht als eine reine Informationsvermittlung, sondern halten Sie immer wieder inne und beziehen Sie das Geschilderte auf Ihre eigenen partnerschaftlichen Erfahrungen, Wünsche und Planungen.

Liebesstile nach Lee

Der kanadische Soziologe John Alan Lee unterschied bereits 1976 zwischen den sechs Liebesstilen der romantischen Liebe, freundschaftlichen Liebe, besitzergreifenden Liebe, pragmatischen Liebe, spielerischen Liebe und der aufopferungsbereiten Liebe.

Sechs Stile können in ihrer im zeitlichen Verlauf schwankenden Kombination bereits zu großer individueller Vielfalt führen:

  • Wenn wir vereinfacht annehmen, dass ein Liebesstil nur gegeben oder nicht gegeben sein kann, ergeben sich aus der reinen Kombination von sechs Stilen bereits 720 unterschiedliche Möglichkeiten. So groß ist also die theoretische Vielfalt möglicher Partnerschafts-Formen, die sich aus einem scheinbar so einfachen Modell ergeben.

Folgendermaßen definieren sich die sechs Liebesstile nach Lee:

  • Romantische Liebe: Dies ist die Liebe, wie sie oft in Romanen beschrieben wird. Eine intensive sexuell-erotische und seelische Anziehung ist kennzeichnend. Die romantische Liebe ist geprägt durch Zärtlichkeit, Erotik und Innigkeit.

  • Freundschaftliche Liebe: Einander sehr gut kennen, sich verstehen, gemeinsam das Leben gestalten, sich wertschätzen und wirklich mögen, fürsorglich miteinander umgehen, dies sind die Komponenten der freundschaftlichen oder auch kameradschaftlichen Liebe.

  • Besitzergreifende Liebe: Himmelhochjauchzend, wenn die Liebe sicher ist, zu Tode betrübt, wenn Beziehungspartner:innen nicht da sind oder Konflikte entstehen. Hohe Gefühle auf der einen Seite, keine Langeweile, aber auch viel Leid, Eifersucht und Liebesschmerz. Irrationalität bis hin zu Besessenheit kann diese Liebesform prägen.

  • Pragmatische Liebe: Beziehung als Kosten-Nutzen-Abwägung. Die Gefühle sind wenig intensiv und die erotische Leidenschaft ist nicht oder nur eingeschränkt gegeben. Wenn die Vorteile die Nachteile einer Beziehung überwiegen, kann eine Partnerschaft dennoch fortgesetzt und sogar als wertvoll erlebt werden. Sicherheit, Finanzen, Kinder, aber auch die grundsätzliche Zufriedenheit mit der Alltagsroutine sind Faktoren, die zu einer pragmatischen Beziehungsentscheidung führen können.

  • Spielerische Liebe: Die Liebe genießen wie ein gutes Essen und nicht traurig sein, wenn sie vorbei ist – das ist die spielerische Liebe. Flirten, Spaß und Sex, aber möglichst ohne Drama und Liebesqualen. Wenn beide es so sehen, kann die spielerische Liebe funktionieren. Kommen weitere Komponenten hinzu, mag sie sogar bestehen bleiben, meistens löst sie sich aber irgendwann auf.

  • Aufopferungsbereite Liebe: Alles für Beziehungspartner:innen tun und das eigene Glück vom Glück der anderen Person abhängig machen. Beziehungspartner:innen beistehen und zusammenbleiben, nicht nur in guten und schweren, sondern sogar in schwersten Zeiten.

Freudenfeld (2002) gelangte in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass insbesondere die romantische Liebe, aber auch die aufopferungsbereite Liebe mit einer erhöhten Beziehungszufriedenheit einherging. Demgegenüber war die spielerische Liebe mit einer geminderten Beziehungszufriedenheit assoziiert. Die besitzergreifende Liebe ging ebenfalls in geringerem Ausmaß und nur in Teilkomponenten mit einer geringeren Beziehungszufriedenheit einher. Keine Zusammenhänge bezüglich einer Beziehungszufriedenheit gab es für die pragmatische und die freundschaftliche Liebe.

Allerdings fanden in einer umfangreichen Metastudie Acevedo und Aron (2009) heraus, dass nicht nur die romantische Liebe, sondern auch die freundschaftliche Liebe positiv mit der Beziehungszufriedenheit zusammenhängt, und zwar in längeren Beziehungen noch stärker als in kürzeren Beziehungen.

Wie erklären sich diese Befunde?

Romantische Liebe ist mit tiefer Zuneigung und Zärtlichkeit verbunden, welche von Menschen positiv erlebt werden.

Aufopferungsbereite Liebe vermittelt das Gefühl, sich aufeinander verlassen zu können.

Freundschaftliche Liebe ermöglicht eine friedliche gemeinsame Lebensführung mit gemeinsamen Aktivitäten.

Spielerische Liebe ist kurzfristig fraglos schön, es mangelt ihr aber an der Bindungskomponente, sodass sie gerade bei langfristigen Beziehungen, wo eben auch Krisen und Stress hinzutreten, meist wenig tragfähig ist.

Besitzergreifende Liebe mag als leidenschaftlich wahrgenommen werden, kann aber auch mit negativen Gefühlen, Eifersucht und Konflikten einhergehen.

Pragmatische Liebe ist emotional eher neutral, was erklären mag, dass sie weder einen ausgeprägt negativen noch einen ausgeprägt positiven Effekt auf die Beziehungszufriedenheit erzielt.

Bei unterschiedlichen Personen und Beziehungen kann der gleiche Stil zu verschiedenen Ergebnissen führen:

  • Bei einigen Beziehungen mag besitzergreifende Liebe keine oder nur begrenzt negative Auswirkungen auf die Beziehungsqualität haben oder die Beziehung sogar leidenschaftlicher machen. Bei anderen Beziehungen mag die besitzergreifende Liebe jedoch zur Zerrüttung der Liebe bis hin zu Mord und Totschlag führen.

  • Und manche Menschen mögen bereits so viele aufrüttelnde Krisen in Beziehungen erlebt haben, dass sie ein stärker auf Sicherheit setzendes, im Allgemeinen ja eher emotional neutrales pragmatisches Beziehungsmodell deutlich präferieren und damit sehr zufrieden werden. Andere Menschen werden wiederum mit einer pragmatischen Liebe unerfüllt bleiben und die Intensität der Gefühle vermissen.

Zudem mag ein Stil zwar insgesamt eher ungünstig sein, aber doch temporär oder in Teilaspekten zu positiven Ergebnissen führen:

  • So mögen Paare durch spielerische Komponenten in ihrer Beziehung aus einer Schwere herauskommen, selbst wenn die spielerische Liebe allein in der Regel mit einer geringeren Dauerhaftigkeit einhergeht.

Wie ist Ihre Position zu den Liebesstilen?

Welche Liebesstile sind für Sie denkbar? Wie festgelegt sind Sie auf einen Stil oder eine bestimmte Kombination? Haben Sie bereits die Erfahrung verschiedener Stile in Ihrer Biografie gemacht? Gibt es Stile, die Sie bei sich oder Beziehungspartner:innen auf keinen Fall mehr dulden möchten? Gibt es umgekehrt Stile, die Sie vermisst haben? Können Sie von einzelnen Stilelementen profitieren, ohne dass diese die Beziehung prägen sollten?

Bei aller Individualität werden meistens folgende Daumenregeln zutreffen – wobei Sie die genannten Empfehlungen als Anregungen verstehen sollten, die nicht immer zu gelten brauchen:

Spielerisch bleibt oft ein Spiel

Je stärker Sie sich durch die spielerische Liebe angesprochen fühlen, desto sinnvoller mag es für Sie sein, von einer Suche nach einer festen Partnerschaft noch abzusehen und zunächst eher nach kürzeren Flirts oder unverbindlichen Erotik-Kontakten zu suchen. Wenn Sie damit offen umgehen, können Sie Menschen kennenlernen, die dies ebenso erleben.

Sie fühlen sich von spielerischer Liebe angezogen, haben aber ebenso das Bedürfnis nach einer festen Beziehung im romantischen Sinn?

Sie könnten nach einer Beziehung suchen, in der erotische Offenheit herrscht und Sie getrennt oder gemeinsam gelegentlich erotisch-spielerische Formen der Liebe mit anderen Personen erleben.

Tatsächlich mag der überdauernde Wunsch nach dem Spielerischen deutlich machen, dass eine traditionell-monogame Beziehung nicht das geeignete Beziehungsmodell für Sie ist.

Besitzergreifung kritisch reflektieren

Fühlen Sie sich durch die besitzergreifende Liebe positiv angesprochen?

Dies ist selten, aber es mag eintreten und auf eine besondere Bedürfniskonstellation hinweisen. Womöglich vermissen Sie etwas in Ihrem Leben, welches Sie durch den sehr starken Fokus auf eine andere Person kompensieren möchten. Nehmen Sie dies zum Ausgangspunkt, um über Veränderungen in Ihrem Alltag nachzudenken.

Oder war es in der Vergangenheit so gewesen, dass intensiv-beglückende Erfahrungen mehrfach in besitzergreifenden Konstellationen auftraten? So mag bei Ihnen zufällig eine Assoziation entstanden sein zwischen Besitzergreifung und Glück, die es nicht zu geben braucht, da Glück auch ohne Besitzergreifung möglich ist.

Verlernen können Sie diese Assoziation, indem Sie künftig nach beglückenden Erfahrungen ohne Besitzergreifung suchen.

Suchen Sie die besitzergreifende Liebe nicht, aber fürchten Sie sich vor sich selbst, weil Sie Ihre eigene Eifersucht kennen?

Arbeiten Sie an einem stabileren Selbstwert und der Bewältigung von Verlustängsten. Üben Sie in Gedanken und imaginativ, loszulassen. Nehmen Sie sich fest vor, von Kontrollen, Einschränkungen und Eifersuchtsszenen Abstand zu nehmen. Üben Sie dieses geistige Probehandeln ein und arbeiten Sie so an Ihrem Selbstmanagement.

Sie könnten, in Absprache mit Beziehungspartner:innen, sogar mit offenen Beziehungskonstellationen experimentieren, um die quälende Eifersucht zu überwinden.

Oder ist Ihre Neigung zur Eifersucht zu stark und hat bereits vorher Beziehungen zerstört? Suchen Sie sich in diesem Fall psychotherapeutische Hilfe, bevor Sie mit der Partnersuche beginnen.

Sorgen Sie sich umgekehrt, auf eine Person zu treffen, die besitzergreifend und eifersüchtig ist? Haben Sie womöglich bereits Erfahrungen mit Kontrolle, Einschränkungen, Stalking oder gar physischer Gewalt gemacht?

Erkennen Sie die Signale und grenzen Sie sich sofort ab, wenn sich eine ähnliche Konstellation anzubahnen beginnt.

Allzu oft lassen sich Menschen immer wieder auf die gleiche destruktive Beziehungskonstellation der Vergangenheit ein. Machen Sie sich dies bewusst und wehren Sie den Anfängen.

Aufopferung gehört zur Liebe

Haben Sie keine Angst vor aufopferungsbereiter Liebe, wenn diese wechselseitig ist. Hingabe und Aufopferung sind wichtige Komponenten von Liebe. Wir lassen diejenigen nicht im Stich, die wir lieben.

Manchmal müssen wir eigene Bedürfnisse zurückstecken, weil die Situation von Beziehungspartner:innen es verlangt. In einer durch Liebe getragenen Beziehung werden wir hierfür jedoch vielfach belohnt.

Achten Sie aber darauf, dass keine Einseitigkeit auftritt. Denn bei Einseitigkeit kann Aufopferung in Ausnutzung übergehen, sodass eine toxische Beziehungskonstellation entsteht.

Lassen Sie sich daher auf keine Beziehung ein, in der Sie bereits bald feststellen, dass alles von Ihnen, aber wenig von der anderen Person kommt. Doch wenn Sie auf Wechselseitigkeit achten, stärkt die aufopferungsbereite Liebe das Beziehungsglück.

Manchmal hilft Pragmatik

Wenige Menschen sehnen sich nach einer pragmatisch geprägten Liebesbeziehung. Aber diejenigen, die schon viele Verwerfungen, Aufruhr und Schmerzen in Beziehungen erlebt haben, mögen dies anders sehen.

Es kann hilfreich sein, pragmatische Überlegungen nicht zu kurz kommen zu lassen und die rationale Analyse von Beziehungschancen und -risiken in die Überlegungen mit einzubeziehen. Dies kann ergänzend geschehen und muss zu anderen Stilen der Liebe nicht im Widerspruch stehen.

Auch jenseits großer Gefühle kann es viele Gründe geben, zusammenzubleiben. Selbst Gewohnheiten oder die materielle Situation können legitime Gründe sein, die das Leben zusammen zufriedener machen als eine Trennung. Seien Sie ehrlich miteinander, benennen Sie die Situation so, wie sie ist, und geben Sie sich gegenseitig Freiräume für andere Erlebnismöglichkeiten.

Freundschaft und Kameradschaft sind zentral

Schätzen Sie die freundschaftliche Liebe nicht gering. Selbst wenn magieartige Anziehung und Leidenschaft abnehmen, können Freundschaft, Kameradschaft, Wertschätzung und Gemeinsamkeit weiter wachsen.

Nicht alle Beziehungen beginnen mit großen Anziehungsgefühlen, Verliebtheit oder sexueller Leidenschaft. Sympathie, Begegnung und Verstehen können sich schrittweise zu Liebe, Fürsorge und Geborgenheit vertiefen. Geben Sie diesem Prozess eine Chance.

Für die Partnersuche ist eine freundschaftliche Konstellation durchaus ein guter Startpunkt, aus dem mehr entstehen kann. Verbauen Sie sich Chancen nicht durch zu hohe Gefühls-Erwartungen, die gleichzeitig den Wert freundschaftlicher oder kameradschaftlicher Verbundenheit geringschätzen.

Sehnsucht nach Romantik

Starke Gefühle, Nähe, Verbundenheit, Intimität, Zärtlichkeit, Sexualität und Leidenschaft werden in der romantischen Liebe integriert. Romantische Liebe ist das, was die meisten suchen. Oft wird sie auch gefunden, was jedoch nicht bedeutet, dass ihr romantischer Charakter in voller Stärke immer erhalten bleiben wird.

Achten Sie von vornherein darauf, dass Aspekte von Freundschaft, Kameradschaft, Verstehen, gemeinsame Aktivitäten, Lebensziele und Kompatibilität nicht zu kurz kommen, sondern sich gemeinsam mit der romantischen Verbundenheit entwickeln.

Tritt die romantische Liebe ein, sind die Gefühle so stark, dass Sie es kaum übersehen können. Dies unterscheidet sie von der freundschaftlichen oder auch pragmatischen Liebe, die durchaus nicht sofort wahrgenommen werden müssen.

Machen Sie sich erneut klar, dass nicht jede Beziehung mit Romantik beginnt. Gerade im mittleren oder höheren Lebensalter nehmen freundschaftlich-kameradschaftliche oder auch pragmatische Aspekte stärkeren Raum ein.

Fixieren Sie sich daher nicht auf Ihre Vorstellung von Romantik, sondern seien Sie offen für einen anderen Beginn, der ebenso wertvoll sein mag.

33 Dimensionen der Liebe nach Karandashev und Clapp

Victor Karandashev und Stuart Clapp (2014) haben in umfangreichen sprachlichen und statistischen Analysen 33 Merkmale identifiziert, die sich in unterschiedlicher Ausprägung bei Liebenden und in ihren Beziehungen beobachten lassen.

Eine Reihe dieser Merkmale werden Sie aus der Darstellung der sechs Liebesstile nach Lee wiedererkennen, es finden sich aber zusätzlich viele weitere Einzelmerkmale und Spezifizierungen.

Legen wir zugrunde, dass sich Liebesbeziehungen in jedem dieser 33 Merkmale mehr oder weniger stark unterscheiden können, wird erneut deutlich, wie enorm groß die Anzahl möglicher Konfigurationen in unserem Liebeserleben und der Gestaltung unserer partnerschaftlichen Beziehungen ist.

Wenn Sie sich die Liste der Merkmale durchlesen, wird Ihnen auffallen, dass viele dieser Merkmale mit Chancen verbunden sind, manche aber auch Risiken und Gefahren beinhalten. Es kommt auf Ihre Achtsamkeit und die Offenheit der partnerschaftlichen Kommunikation an, ob sich eher die Chancen oder eher die Risiken durchsetzen.

Bei Ihrer Partnersuche sollten Sie darauf achten, dass eine Grundpassung in den für Sie zentralen Aspekten der Gestaltung Ihrer Liebesbeziehung gegeben ist. Selbst wenn dies der Fall ist, bedeutet es jedoch noch lange nicht, dass die Passung immer bestehen bleiben wird.

Keine Beziehung ist statisch. In jeder Beziehung werden im Verlauf Fluktuationen und Verschiebungen in der Ausprägung dieser Merkmale auftreten.

Es wird daher auch nach erfolgreichem Abschluss der Partnersuche weiterhin zur Beziehungsarbeit gehören, Passung und Kompatibilität in Ihrer Beziehung zu erhalten, wiederherzustellen oder weiterzuentwickeln.

So sehr wir geneigt sein mögen, im Sinne eines Schwarz-Weiß-Denkens die Merkmale sofort als gut oder schlecht zu klassifizieren, so sehr hängt es tatsächlich von der individuellen Lebenssituation und den beteiligten Personen ab, ob Chancen, Gefahren oder beides aus einem Merkmal oder einer Konfiguration entstehen.

Ebenso mag ein zutage tretender Mangel an Balance in einem oder mehreren Merkmalen durchaus durch wichtige Übereinstimmungen in anderen Merkmalen kompensiert werden.

Das Ziel von Partnersuche und Beziehungserhalt und -entwicklung liegt also nicht darin, eine perfekte Übereinstimmung in allen Merkmalen zu gewährleisten, sondern eine hohe Gesamtbalance zu erreichen.

Durch die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Gestaltungsarten der Liebe können Sie noch vor der Partnerfindung Ihre eigenen Bedürfnisse, aber auch Ängste klären und so leichter die richtigen Schritte für Partnerwahl und Beziehungsaufbau in die Wege leiten.

Wenn Sie gleich die Liste der 33 Dimensionen der Liebe nach Karandashev und Clapp durchlesen, lassen Sie doch Ihre Beziehungen Revue passieren und überlegen Sie immer, inwiefern diese Merkmale in ihren bisherigen Beziehungen vorhanden waren oder nicht.

Gab es zu viel oder zu wenig von einigen der Merkmale? Waren die Merkmale ausgeglichen zwischen Ihnen und Ihren Beziehungspartner:innen verteilt oder gab es einen Mangel an Balance? Wie wirkte sich dieser aus? Wie können Sie einen solchen Mangel an Balance rechtzeitig erkennen? Und auf welche Merkmale wollen Sie in einer künftigen Beziehung besonders achten?

Dies sind die 33 Merkmale oder Gestaltungsformen der Liebe nach Karandashev und Clapp:

  • Akzeptanz: Unterschiede und Störendes können angenommen werden.

  • Begehren: Körperlich-sexuelle Anziehung, Wunsch nach Zärtlichkeit und Berührung.

  • Besessenheit: Fixierung auf Person mit permanenter Fokussierung von Gedanken, Gefühlen und Fantasien.

  • Besitz: Eifersüchtige Überwachung, Einschränkung der Kontakte zu anderen Personen.

  • Bewunderung: Beeindruckt sein, Verzauberung und Faszination.

  • Bindung: Dauerhafte innere Verpflichtung, zusammenzubleiben und für die andere Person einzustehen.

  • Bindungsangst: Ständige Verlustangst mit klammerndem Verhalten.

  • Dankbarkeit: Dankbarkeit und Wertschätzung für Beziehung und gemeinsame Zeit.

  • Einfühlungsvermögen: Mitgefühl, emotional bedeutsame Erfahrungen der anderen Person werden miterlebt.

  • Einzigartigkeit: Die Person wird als einzigartig und bemerkenswert erlebt.

  • Gemeinsame Aktivitäten: Gemeinsame Interessen und Alltagsgestaltung.

  • Glaube: Überzeugung, mit der richtigen Person zusammen zu sein, Glaube an ihre Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.

  • Hingabe: Einsatz für die andere Person bis hin zur Aufopferung.

  • Hochgefühl: Euphorie und Leichtigkeit beim Zusammensein.

  • Idealisierung: Selektive positive Fokussierung der Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse, in allem nur das Gute sehen.

  • Interesse: Neugierig und interessiert sein an der anderen Person.

  • Intimität: Tiefe Gefühle von Verbundenheit und Vertrautheit gegenüber der anderen Person. Keine Angst vor eigener Verletzlichkeit, Selbst-Offenlegung, Austausch aller privaten Informationen und Gefühle.

  • Irrationalität: Lieben gegen den gesunden Menschenverstand.

  • Kommunion: Sich als symbiotische Einheit mit der Person erleben und ideelle und materielle Güter teilen wollen.

  • Kompatibilität: Person wird als passend wahrgenommen.

  • Reziprozität: Ein ausgeglichenes, gerechtes Geben und Nehmen für beidseitigen »Vorteil«. Gleichwertigkeit und Gerechtigkeit prägen die Beziehung.

  • Schützen wollen: Etwas tun, um das Wohlbefinden der Person zu erhalten. Verantwortung und Sorge bei allen körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen übernehmen. Für das Wohlbefinden der anderen Person eintreten und ihr keinen Schaden wünschen oder zufügen.

  • Sehnsucht: Starker Wunsch nach Nähe und enger Verbundenheit. Vermissen, wenn andere Person abwesend ist.

  • Selbst-Verbesserung: Erleben von Kraft, Sinn und Selbstoptimierung durch die andere Person.

  • Sorge für das Wohlergehen: Besorgt sein, wenn das Wohlergehen der anderen Person beeinträchtigt ist. Aufgebracht sein, wenn Person von anderen angegriffen oder bedroht wird.

  • Trost und Stärkung: Gefühl von Minderung körperlicher und seelischer Beschwerden durch die andere Person. Das Zusammensein mindert Ängste und die körperliche Nähe stärkt das Wohlbefinden.

  • Verantwortungs-Übernahme: Rat geben, Probleme lösen, Wünsche erfüllen und die andere Person in allen Bereichen unterstützen.

  • Verbunden-Sein: Ekstatisches Gefühl der Verbundenheit und Gemeinsamkeit.

  • Vergebung: Die andere Person mit ihren Fehlern akzeptieren. Hierzu gehört es, Schwächen annehmen zu können, keinen Groll zu hegen und auch echtes Unrecht zu verzeihen.

  • Verlassen können: Sich verlassen können, sich geschützt fühlen, sich verstanden fühlen.

  • Verstehen: Wertschätzendes Verständnis der Gefühle, Gedanken, Handlungen und Bedürfnisse der anderen Person.

  • Vertrauen: Vertrauen in die Person haben, ihr glauben, was sie berichtet, sie um Hilfe bitten können, die eigenen Gefühle offen und authentisch ausdrücken können, sich dabei sicher fühlen.

  • Zuneigung: Stabiles Gefühl der Zuneigung gegenüber der Person.

Wenn Sie diese 33 Dimensionen der Liebe in Bezug setzen zu den sechs Liebesstilen nach Lee, werden Sie eine Reihe von Überlappungen finden. Beide Modelle sind im Grunde mit unterschiedlichen Methoden zu ähnlichen Ergebnissen gelangt:

  • Besitz im Modell von Karandashev und Clapp entspricht am ehesten dem besitzergreifenden Liebesstil nach Lee, wobei bei diesem Stil aber zusätzlich Verlustangst, geringes Vertrauen, Sehnsucht, Irrationalität und womöglich Besessenheit hinzutreten. Bei Karandashev und Clapp werden die Liebesstile sozusagen noch einmal feingliedriger betrachtet.

  • Die romantische Liebe nach Lee zeigt sich bei Karandashev und Clapp beispielsweise in Begehren, Intimität, Zuneigung, Hochgefühlen, dem ekstatischen Eindruck des geteilten Lebens.

  • Die freundschaftliche Liebe manifestiert sich bei Karandashev und Clapp in Einfühlungsvermögen, gemeinsamen Aktivitäten, Interesse, Trost und Stärkung, Vertrauen, aber auch – gemeinsam mit dem romantischen Stil – in Intimität und Zuneigung.

  • Der pragmatische Liebesstil zeigt sich in Kompatibilität und Akzeptanz, wobei Kompatibilität jedoch auch weniger rational, sondern gefühlvoll ekstatisch wahrgenommen werden kann.

  • Der aufopferungsbereite Liebesstil konvergiert mit den Dimensionen der Hingabe, wobei Schützen wollen, Trost und Stärke, die Sorge um das Wohlergehen und Bindung hinzutreten.

Kaum vertreten ist demgegenüber in den Dimensionen von Karandashev und Clapp der spielerische Liebesstil. Im Grunde bezieht sich dieser Stil auch eher auf Flirten und Erotik und nicht auf eine partnerschaftliche Beziehung im engeren Sinne. Andererseits können spielerische Elemente in Beziehungen durchaus vorhanden sein. Im Modell von Karandashev und Clapp fehlen sie.

Umgekehrt sind eine Reihe von Dimensionen nach Karandashev und Clapp, wie Bewunderung, Einzigartigkeit, Glaube, Verzeihen oder Selbstverbesserung, im Modell der Liebesstile von Lee kaum oder höchstens ansatzweise repräsentiert.

Beiden Modellen gemeinsam ist die Vorstellung von Liebe als einem hochgradig komplexen Konstrukt, welches durch eine Vielzahl von Merkmalen zusammengesetzt ist und damit unzählige individuelle Ausdrucksmöglichkeiten hat.

Weil es also die eine Liebe nicht gibt, liegt es an Ihnen, herauszufinden, welche Art von Liebe Sie erstreben und bei Ihrer Partnersuche finden möchten.

Womöglich gibt es verschiedene Alternativen, mit denen Sie glücklich werden könnten. Es lohnt sich, zu wissen, was wir suchen, weil wir es sonst womöglich nicht erkennen, wenn wir es gefunden haben. So leiden viele Menschen noch lange daran, wenn sie eine sich ihnen bietende Chance auf Liebe und Beziehung in der Vergangenheit nicht wahrgenommen haben.

Leidenschaftliche und kameradschaftliche Liebe

Stehen im Zentrum des Modells von Lee sechs Liebesstile und im Zentrum des multidimensionalen Modells von Karandashev und Clapp 33 Dimensionen der Liebe, unterscheiden Hatfield und Rapson (1993, 1996) in ihrer Theorie der leidenschaftlichen und kameradschaftlichen Liebe zwei breite Grundtypen der Liebe.

Hatfield und Rapson erachten die leidenschaftliche Liebe und die kameradschaftliche Liebe als in allen Kulturen nachweisbare Makro-Gestaltungsformen der Liebe, die maßgeblich verantwortlich sind für die emotional-geistigen und verhaltensbezogenen Ausdrucksprozesse des menschlichen Liebeslebens.

Folgendermaßen sind leidenschaftliche und kameradschaftliche Liebe definiert:

  • Leidenschaftliche Liebe geht einher mit hoher Intensität der Gefühle und starker Aktivierung. Im Zentrum steht der intensive Wunsch nach ekstatisch erlebter Verbindung, Zusammensein, körperlicher Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität. Im Fall von Trennung oder mangelnder Erwiderung kann leidenschaftliche Liebe schnell umschlagen in quälende Sehnsucht, Eifersucht, Verlustangst und Verzweiflung. Es kann zu einem starken Auf und Ab der Gefühle kommen, wobei Hatfield und Rapson (1993) aber betonen, dass bei sicherer Bindung und Wechselseitigkeit die leidenschaftliche Liebe eine äußerst mächtige positive Erfahrung sein könne, die nur bei mangelnder Erwiderung und Trennung in extremem Stress resultiere.

  • Kameradschaftliche Liebe kennzeichnet sich nicht vorwiegend durch ein dranghaft-ekstatisches Moment, sondern durch eine wesentlich ruhigere, aber tiefe geistig-emotionale Zuneigung und Verbundenheit, die mit Vertrauen, erlebter innere Nähe, Gemeinschaftlichkeit und Füreinander-Einstehen einhergeht. Kameradschaftliche Liebe umfasst dabei auch Bindung und Stabilität sowie die Ausrichtung an dem langfristigen Wohlergehen von Beziehungspartner:innen.

Hatfield und Rapson (2013) haben Fragebögen zur Erfassung der leidenschaftlichen Liebe und der kameradschaftlichen Liebe entwickelt.

Dieser Auszug von jeweils zwei Fragen macht beide Typen der Liebe noch einmal gut in ihrem Kern verständlich:

Fragebogenauszug „Leidenschaftliche Liebe“

  • Ich würde tiefe Verzweiflung empfinden, wenn _____ mich verlassen würde.

  • Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich meine Gedanken nicht kontrollieren kann; sie sind zwanghaft auf _____ gerichtet.

Fragebogenauszug „Kameradschaftliche Liebe“

  • Ich erwarte, dass meine Liebe zu _____ für den Rest meines Lebens anhalten wird.

  • Ich fühle mich _____ emotional nahe.

Leidenschaft und Kameradschaft im Modell von Karandashev und Clapp

Wie lassen sich leidenschaftliche und kameradschaftliche Liebe mit den 33 Dimensionen der Liebe nach Karandashev und Clapp verbinden?

Hierzu haben Karandashev und Clapp (2016) die Zusammenhänge zwischen leidenschaftlicher und kameradschaftlicher Liebe in einer Stichprobe von 413 Personen untersucht, die sich alle in einer Liebesbeziehung befanden.

Mithilfe eines statistischen Klassifizierungsverfahrens (Clusteranalyse) konnten die Teilnehmenden in zwei Gruppen eingeteilt werden, die sich als leidenschaftlich Liebende und kameradschaftlich Liebende identifizieren ließen:

  • Die leidenschaftlich Liebenden kennzeichneten sich vorwiegend durch die Dimensionen der Sehnsucht, Bewunderung, Einzigartigkeit, unmittelbar erlebter Dankbarkeit und einer gefühlsmäßig, geradezu magisch erlebten Reziprozität und Passung. Stärker mit leidenschaftlicher Liebe gingen aber auch Irrationalität und Besessenheit einher.

  • Die kameradschaftlich Liebenden kennzeichneten sich umgekehrt vorwiegend durch eine stärkere Ausprägung in den Dimensionen der Gemeinsamkeit, Fürsorge, Schutz und des Interesses an der anderen Person. Komponenten der Bindung und Verlässlichkeit waren ebenfalls stärker ausgeprägt.

Das sehr hohe Gewicht, welches Einzigartigkeit und Passung bei den leidenschaftlich Liebenden zugewiesen wird, erklären die Autor:innen mit einer »phantastischen Wahrnehmung« der leidenschaftlich Liebenden.

Einzigartigkeit und Passung werden demnach bei der leidenschaftlichen Liebe weniger objektiv aus Beobachtungstatsachen abgeleitet, sondern ergeben sich quasi automatisch aus der Dominanz der Gefühle, die ohne weitergehende kognitive Verarbeitung den Eindruck von Einzigartigkeit, Passung und Reziprozität erzeugen.

In den statistischen Analysen der Autor:innen zeigte sich außerdem ein gegensätzliches Verhältnis von freundschaftlichem Interesse an der Person und romantischen Aspekten der freudigen Zuneigung und unmittelbaren Präsenz bei den leidenschaftlich Liebenden. Dies bedeutet, dass bei der leidenschaftlichen Liebe also eine erhöhte freudige, romantische Zuneigung im Durchschnitt mit einem reduzierten freundschaftlichen Interesse an der Person einherging. Bei der kameradschaftlichen Liebe gingen demgegenüber romantisch-freudige Zuneigung und freundschaftliches Interesse miteinander einher.

Die Autor:innen folgern hieraus, dass leidenschaftliche Liebende romantische und freundschaftliche Aspekte nicht gut miteinander integrieren könnten. Dies markiere einen weiteren Unterschied zu der kameradschaftlichen Liebe, die Freundschaft und Romantik, Gegenwart und Zukunft, Begehren und Bindung besser miteinander verknüpfen könne.

Während bei der leidenschaftlichen Liebe eine Dynamik und Widersprüchlichkeit erkennbar wird, wird bei der kameradschaftlichen Liebe eine sehr viel ausgeglichenere Beteiligung der 33 Dimensionen sichtbar. Die kameradschaftliche Liebe erscheint so wie ein geistig-emotionaler Ruhepol, während der leidenschaftlichen Liebe jederzeit Stürme bevorstehen.

Allerdings zeigt sich die kameradschaftliche Liebe in den Analysen von Karandashev und Clapp nicht nur in Beziehungsinvestment und Fürsorge, sondern beinhaltet auch einen prägnanten Faktor, der durch Hochgefühle, Zuneigung und Begehren geprägt wird.

Romantik ist also auch in der kameradschaftlichen Liebe sehr wohl eingeschlossen. Es fehlen lediglich die Besessenheit und die Irrationalität.

So entpuppt sich die kameradschaftliche Liebe tatsächlich als eine kameradschaftlich-romantische Liebe, in der Aspekte von Leidenschaft ihren Platz haben, auch wenn diese weniger dominieren und nicht durch Besessenheit und Irrationalität gekennzeichnet sind.

Wer liebt mehr?

Karandashev und Clapp (2016) baten alle Teilnehmenden, die Stärke ihrer Liebe anzugeben.

Das Ergebnis war eindeutig:

  • Die kameradschaftlich-romantisch Liebenden gaben höhere erlebte Liebe an als die leidenschaftlich Liebenden.

Die kameradschaftlich-romantische Liebe erscheint so als die letztlich vollständigere Liebe, die auf einem festen Fundament von Zuneigung, Bindung, Verlassen-Können, Gemeinsamkeit, Verstehen, Verzeihen und Kompatibilität beruht, zu dem – im individuell unterschiedlichen Ausmaß – Begehren, Ekstase und Leidenschaft hinzutreten können.

Hierzu passt auch das Ergebnis einer Metastudie von Acevedo und Aron (2009), die zwischen romantischer Liebe ohne zwanghaft-besessene Komponenten und leidenschaftlicher Liebe mit zwanghaft-besessenen Komponenten unterschieden. Es zeigte sich, dass die romantische Liebe ohne Besessenheit sowohl bei erst kürzer als auch bei bereits länger bestehenden Beziehungen mit einer erhöhten Beziehungszufriedenheit einherging. Für die leidenschaftliche Liebe mit zwanghaft-besessenen Komponenten zeigte sich demgegenüber zwar ebenfalls eine positive Wirkung bei erst kürzer bestehenden Beziehungen, aber eine negative Wirkung bei länger bestehenden Beziehungen.

Welche Liebe suchen Sie?

Viele Menschen denken bei der Partnersuche an Schmetterlinge im Bauch, Verliebtsein und große Gefühle. Manche denken an sich verzehrende Sehnsucht, euphorische Hochstimmung, Eifersucht und Besessenheit.

Mit Liebe verbinden wir vor allem den romantischen Liebesstil nach Lee (1976), die Komponente des Begehrens, der Einzigartigkeit oder der überwältigenden Passung bei Karandashev und Clapp (2014, 2016), die leidenschaftliche Liebe nach Hatfield und Rapson (1993, 1996) oder gar Eifersucht und Besitzergreifung.

Die Literatur ist voll von Geschichten zur sehnsuchtsvollen, leidenschaftlichen, romantischen, aber auch der eifersüchtigen, tragischen oder gar gewalttätigen Liebe.

Wesentlich weniger kommen uns demgegenüber kameradschaftliche Aspekte in den Sinn, wenn wir an Liebe denken. Dabei sind es gerade kameradschaftliche Aspekte in Verbindung mit romantischer Zuneigung, die Liebesbeziehungen stabil und glücklich machen.

Als Singles im mittleren oder höheren Alter erinnern sich Menschen nicht selten an die erste große Liebe, die meistens besonders leidenschaftlich war. Singles mittlerer und älterer Jahrgänge wollen implizit oft noch einmal die Jugend erneut erleben. Manche anderen Singles wollen womöglich etwas nachholen, weil sie auf eine Lebensgeschichte zurückblicken, bei der sie die Leidenschaft vermissten. Nicht selten langweilen sich Singles in einem durch Routine geprägten Alltag und wünschen sich von der Liebe Abwechslung und Abenteuer.

Viele denken also bei der Partnersuche intuitiv an Leidenschaft, intensives Glück, Glückseligkeit.

Tatsächlich überschneiden sich im Gehirn die Pfade der Verliebtheit und die Pfade euphorisierender Drogen:

  • So beobachteten Bartels und Zeki (2000) mit bildgebenden Verfahren, dass Liebesgefühle mit der Aktivierung der gleichen Gehirnregionen einhergingen wie der Konsum von Opiaten oder Kokain. Es ist also durchaus wörtlich zu verstehen, wenn Menschen sich an der Liebe berauschen wollen.

Es spricht nichts dagegen, sich das großartige Gefühl der leidenschaftlichen Liebe zu gönnen und dies zu genießen, wenn es entsteht.

Wichtig ist es aber, mögliche ungünstige Nebenwirkungen zu vermeiden und sich außerdem nicht durch eine Fixierung auf eine unbedingt angestrebte Leidenschaft andere Beziehungschancen zu verbauen, die eine hohe Tiefe und Tragfähigkeit erreichen können.

Glauben Sie daher nicht, dass es nur oder vorwiegend die Leidenschaft, das Begehren oder die Einzigartigkeit sind, die dauerhaft tragen.

Achten Sie auf die Entwicklung der tatsächlich die Liebe erhaltenen Komponenten des Verstehens, der Gemeinsamkeit, der Fürsorge, des Schutzes und der Bindung, damit auf ekstatisches Glück nicht Trauer, Verzweiflung und Schmerzen folgen.

Erlauben Sie sich auch pragmatische Überlegungen, damit die Liebe in gute Bahnen kommt und bleibt. Hierzu gehört die Akzeptanz für Unterschiede, Schwächen und Fehler von Beziehungspartner:innen, da es perfekte Menschen in der Wirklichkeit nicht gibt. Hierzu gehört auch, sich für eine Beziehung zu entscheiden, wenn diese insgesamt vorteilhaft ist, auch wenn sie einige Defizite wie beispielsweise einen Mangel an Leidenschaft hat.

Wenn Sie ein stark leidenschaftliches Modell von Liebe haben, ergänzen Sie es um andere wichtige Komponenten wie Verstehen, gemeinsame Aktivitäten, auch stärker rational definierte Kompatibilität, Interesse, Zukunftsplanung, Verlässlichkeit und Bindung. Erkennen Sie den Wert von Freundschaft und Kameradschaft, die auch in einer romantischen Beziehung eine wichtige Rolle spielen.

Bedenken Sie, dass Leidenschaft am Anfang einer Beziehung stehen kann, aber nicht muss. Beziehungen können ruhiger beginnen und dennoch im Verlauf zu großer Liebe, Stabilität und Glück führen.

Für die Partnersuche kann es daher hilfreich sein, das eigene Modell von Liebe so zu flexibilisieren, dass insbesondere auch der Freundschaft und der Kameradschaft ein größerer Raum zugewiesen wird. Ohne diese Erweiterung mag es passieren, dass Sie ausgerechnet diejenige Person abweisen, mit der Sie sehr glücklich geworden wären, auch wenn am Anfang die Leidenschaft nicht sofort entbrannte.

Räumliche Gestaltung von Beziehungen

Oft gehen wir mit einer sehr klaren Vorstellung an die Partnersuche heran. Dabei kann es jedoch passieren, dass wir andere Optionen für eine befriedigende Beziehungskonstellation womöglich übersehen.

Im Folgenden geht es um die Beziehungsmodelle gemeinsames Wohnen, getrennte Wohnungen am gleichen Ort und Fernbeziehung. Alle diese Beziehungsformen können zu einer ausgeglichenen und zufriedenen Beziehung führen.

Lesen Sie diesen Abschnitt daher unter dem Blickwinkel, für sich selbst neue Beziehungsmöglichkeiten zu entdecken, die Sie vielleicht ansonsten ausgeschlossen hätten. Bestätigen sich umgekehrt Ihre Beziehungsvorstellungen, ist diese Bekräftigung natürlich trotzdem ein gutes Ergebnis.

Traditionell möchten Menschen meistens als Beziehungspartner:innen zusammenleben. Aber ebenso gibt es Modelle mit getrennten Wohnungen, die von einigen Paaren als ein Kompromiss zwischen Alleinsein und Verlust an Freiheit erlebt werden. Außerdem gibt es Fernbeziehungen, die bis zu Interkontinental-Beziehungen gehen können, bei denen die Beziehungspartner:innen auf unterschiedlichen Kontinenten wohnen und sich in der Regel nur sehr selten außerhalb von Telefonaten und dem Internet begegnen.

Die meisten Fernbeziehungen sind aber keine Interkontinental-Beziehungen, sondern es liegen maximal einige hundert Kilometer zwischen den Beziehungspartner:innen. In der Regel treffen sich solche Paare an Wochenenden.

Viele Menschen stehen Fernbeziehungen negativ gegenüber. Sie vermuten, dass die Beziehungszufriedenheit und die Stabilität in Fernbeziehungen geringer sind.

Ist dies die Realität oder nur ein Vorurteil?

Auch gegen getrennte Wohnungen am gleichen Ort mag sich die Ansicht wenden, dass getrennte Wohnungen eher für die Anfangsphase einer Beziehung das geeignete Modell seien, wenn sich die Betreffenden noch nicht sicher seien, ob sie wirklich zusammenbleiben möchten.

Ist diese Ansicht schlüssig oder kann ein Modell mit getrennten Wohnungen auch dauerhaft glücklich machen?

Zusammenwohnen ist das Standard-Modell von Partnerschaft. Als Vorteile werden die Nähe und die Gemeinsamkeit gesehen. Aber gibt es auch mögliche Nachteile?

Der folgende Abschnitt wird Antworten auf diese Fragen geben.

Wie sehen Sie es selbst?

Nehmen Sie sich Zettel und Stift zur Hand und schreiben Sie es auf, bevor Sie weiterlesen.

Zufriedenheit in Fernbeziehungen

Die Psychologen Goldsmith und Byers (2018) verglichen die Zufriedenheit von Paaren, die zusammenlebten oder eine Fernbeziehungen führten:

  • Es ergab sich, dass sich Beziehungszufriedenheit und Beziehungsqualität nicht zwischen zusammenlebenden Paaren und Paaren in Fernbeziehungen unterschieden. Keinerlei Unterschiede wurden zwischen zusammenlebenden Paaren und Paaren in Fernbeziehungen auch in den Merkmalen Stress, emotionale Nähe, Bindung, Kommunikationsgüte, sexuelle Kommunikation und sexuelle Zufriedenheit beobachtet.

Eine Untersuchung von Dargie et al. (2014) kommt zu einem sehr ähnlichen Ergebnis:

  • Befragt wurden 474 Frauen und 243 Männer in Fernbeziehungen sowie 314 Frauen und 111 Männer, die mit ihren Beziehungspartner:innen zusammenwohnten. Beim Vergleich der beiden Beziehungsmodelle zeigten sich vergleichbare Ausmaße an Beziehungszufriedenheit, Bindung, Kommunikation und sexueller Zufriedenheit. Dieser Befund ließ sich bei Männern und bei Frauen beobachten.

Diese Ergebnisse mögen für viele dem ersten Anschein nach verblüffend sein, weil sich die meisten Menschen keine Fernbeziehung wünschen. Höchstens wird eine Fernbeziehung akzeptiert aus Mangel an Alternativen, das gewollte Modell ist sie jedoch nur selten.

Offensichtlich werden Fernbeziehungen also eher kritisch bewertet. Dem stehen aber die psychologischen Befunde gegenüber, die zeigen, dass Paare, die in Fernbeziehungen leben, mit ihren Beziehungen genauso zufrieden sind wie Paare, die zusammenleben.

Fernbeziehungen werden demnach nur in der Vorstellung der Nicht-Betroffenen als besonders stressreich erlebt. Die Lebenswirklichkeit der Paare, die Fernbeziehungen praktizieren, ist eine andere. Es gelingt vielen Paaren in Fernbeziehungen, die Entfernung zwischen ihnen auszugleichen und mit anderen Formen der Kommunikation und Beziehungspflege ihre Bindung zu stabilisieren.

Manche Paare in Fernbeziehungen können die Distanz zwischen ihnen sogar gezielt nutzen, um sich stärker auf das Wesentliche und Verbindende in ihren Beziehungen zu konzentrieren, anstatt sich über kleineren Alltagsstress zu ärgern.

Natürlich ist der Preis von Fernbeziehungen ein Weniger an gemeinsamer Zeit. Doch ist Beziehungszeit ja nicht allein quantitativ zu betrachten, sondern es kommt auf die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit an. Sicherlich entfällt bei Fernbeziehungen die Möglichkeit, die Gesamtheit des Alltags miteinander zu verbringen. Aber das muss ja nicht nur eine Belastung sein, sondern kann auch eine wertvolle Erfahrung sein.

So stehen sich also mögliche Gewinne und Verluste gegenüber, wobei die Netto-Summe offenbar null ist. Fernbeziehungen und gemeinsames Leben in einer Wohnung nehmen sich im Durchschnitt nichts im Hinblick auf die Beziehungsqualität.

Worauf gründet sich dann die weitverbreitete Skepsis gegenüber Fernbeziehungen?

Vermutlich liegen die Ursachen in unserer Tendenz, das, was am häufigsten auftritt, als selbstverständlich, normal und gut zu bewerten. Was wir häufiger sehen oder hören, erleben wir als sympathischer als das, was selten ist oder abweicht.

Ein anderer Faktor mag sein, dass vielen Menschen die direkte Erfahrung fehlt oder aber umgekehrt, dass für das Scheitern einer Fernbeziehung die Tatsache der Fernbeziehung verantwortlich gemacht wird, weil dieser besonders gut zu erkennen und eher ungewöhnlich ist. Demgegenüber machen die wenigsten für das Scheitern einer klassischen Beziehung mit gemeinsamem Wohnen die Wohnform verantwortlich.

Letztlich neigen also viele Menschen dazu, die möglichen positiven Seiten von Fernbeziehungen zu unterschätzen und ihre möglichen negativen Auswirkungen zu überschätzen, während sie gleichzeitig die möglichen Probleme von Beziehungen mit gemeinsamem Wohnen unterschätzen und ihre möglichen Vorteile überschätzen.

Vorteile und Nachteile des Zusammenlebens

  • Leben Paare zusammen, haben sie direkten täglichen Kontakt. Die Beziehungspartner:innen stehen einander im Alltag unmittelbar zur Verfügung. Häufige gemeinsame Unternehmungen, die Pflege gemeinsamer sozialer Kontakte und Interessen sowie körperlich-sexuelle Nähe sind ohne Weiteres und hochfrequent möglich.

  • Wenn ein Paar Kinder hat, sind beide Eltern in der Erziehung auch örtlich und im Zusammenleben präsent.

Der tägliche Kontakt ist aber auch mit Nachteilen verbunden:

  • Nicht selten klagen Paare über Routine und Langeweile. Auch treten häufig Konflikte im Alltag auf, die sich eigentlich nur auf Kleinigkeiten beziehen, die aber dennoch belastend sind und schnell eskalieren können.

  • Das Zusammenleben allein schützt nicht vor einem Verlust von Intimität, Zärtlichkeit und Sexualität im Beziehungsverlauf. Sättigung und Langeweile mögen im Gegenteil schneller eintreten, wenn Beziehungspartner:innen jeden Tag zusammen sind.

Paare in Fernbeziehungen

  • Paare in Fernbeziehungen schildern oft, dass die direkten Begegnungen etwas Besonderes bleiben, worauf sie sich freuten. Seltenere Begegnungen können als romantischer erlebt werden und zu einer Aufrechterhaltung der sexuellen Attraktivität beitragen.

  • Paare in Fernbeziehungen schildern zudem häufig, dass sie sich weniger über kleine Alltagsprobleme streiten und sich mehr auf das emotional und thematisch Wesentliche konzentrieren. Zudem werden gemeinsame Urlaube in Fernbeziehungen als besondere Highlights erlebt.

Es gibt jedoch ebenso Nachteile von Fernbeziehungen:

  • Viele Paare in Fernbeziehungen vermissen das tägliche Miteinander, die unmittelbare Unterstützung durch Beziehungspartner:innen und den gemeinsam geteilten Alltag.

  • Die häufigen Reisen, um Beziehungspartner:innen zu treffen, und die hierfür erforderlichen Planungen können als anstrengend und kostspielig erlebt werden. Ein Gewinn an Freiheit und Eigenständigkeit steht einem Verlust an direkt miteinander geteilter Gemeinsamkeit im Alltag gegenüber.

Beziehungen mit gemeinsamer Wohnung und Fernbeziehungen sind also beide jeweils mit möglichen Vor- und Nachteilen verbunden.

Letztlich liegt es an den Beziehungspartner:innen selbst, was sie aus ihren Beziehungen machen und was sie tun, um das Beziehungsglück zu erhalten. Dauerhaft glückliche Beziehungen sind sowohl möglich, wenn Paare zusammenleben, als auch in Fernbeziehungen.

Sicherlich spielen auch Persönlichkeitsmerkmale, geistige Flexibilität und die eigenen Einstellungen zu partnerschaftlichen Beziehungen eine wichtige Rolle dabei, ob eine Fernbeziehung in Frage kommt oder nicht.

Was aus Fernbeziehungen wird

Viele Paare in Fernbeziehungen ziehen letztlich zu einem späteren Zeitpunkt doch zusammen. Dies liegt fraglos auch daran, dass für die meisten Paare das Modell der Fernbeziehung keine Liebeswahl, sondern eher eine Wahl aus der Not oder der Macht der Fakten heraus gewesen ist.

Ausbildungen, Arbeitsplätze, familiäre Verpflichtungen und minderjährige Kinder aus vorherigen Beziehungen sind häufige Gründe, warum sich Paare dafür entscheiden, eine Fernbeziehung zu führen. Entfallen diese Faktoren, entscheiden sie sich dafür, zusammenzuziehen.

Das Zusammenziehen nach langer Fernbeziehung, selbst wenn sich Paare bereits lange darauf gefreut haben, kann dabei durchaus zur Herausforderung werden. Während die Nachteile der Fernbeziehung nun wegfallen und die Vorteile des gemeinsamen Lebens verfügbar werden, fallen ebenso Vorteile der Fernbeziehung weg und die Nachteile des gemeinsamen Wohnens treten hinzu.

Übrigens geht das auch umgekehrt: Sich verändernde Lebenssituationen, aber auch Beziehungsstress, Alltagsprobleme und eine erlebte Einengung können langjährig zusammenlebende Paare dazu bringen, sich in Richtung einer Fernbeziehung zu verändern.

Viele Paare können solche Veränderungen meistern und können die Vorteile des jeweiligen Beziehungs-Modells aktivieren und seine Nachteile begrenzen oder bewältigen. Manche Beziehungen zerbrechen allerdings auch an den Veränderungen. Doch selbst eine Trennung kann ein positives Ergebnis sein, wenn Beziehungen sich perspektivlos entwickeln und beiden Seiten die Motivation für neuen Schwung und Beziehungsarbeit fehlt.

Online-Dating und Fernbeziehungen

Es hat seinen Grund, dass in diesem Ratgeber zum Online-Dating dem Thema der Fernbeziehung so viel Raum gewidmet wird:

  • Über Online-Dating können sich Beziehungspartner:innen kennenlernen, die sich niemals außerhalb des Internets getroffen hätten. Selbst weite Entfernungen sind kein Hindernis für Menschen, einander zu begegnen und miteinander glücklich zu werden.

Durch das Online-Dating und die damit verbundene Ausdehnung des geografischen Suchraumes erhöhen sich die Chancen, die Partnersuche ganz auf die Passung von Werthaltungen und die wirklich wesentlichen Merkmale zu beziehen und dabei von oberflächlichen Merkmalen, wie der initialen räumlichen Entfernung, abzusehen.

Bedenken Sie, dass der passende Mensch für eine langfristige Beziehung nicht unbedingt in Ihrer direkten Wohnortnähe leben muss. Durch Online-Dating können Sie diese Person dennoch kennenlernen. Oft wird in so einem Fall aber eine Beziehung mindestens zunächst als Fernbeziehung beginnen.

Die Entscheidung liegt bei Ihnen, aber die psychologische Empfehlung lautet, sich für eine Fernbeziehung als Möglichkeit zu öffnen, weil Fernbeziehungen die gleichen Aussichten auf eine hohe Beziehungszufriedenheit haben wie Beziehungen, bei denen ein Paar zusammenlebt. Zudem braucht die Fernbeziehung nicht für alle Ewigkeit zu bestehen, da Paare aus Fernbeziehungen meistens später zusammenziehen.

Getrennte Wohnungen am gleichen Ort

Das Modell der getrennten Wohnung am gleichen Ort liegt im Hinblick auf die räumliche Nähe zwischen dem gemeinsamen Wohnen und der Fernbeziehung.

Die Zeiten sind vorbei, wo getrennte Wohnungen lediglich als Erprobungszeit und Übergangszeit vor dem Zusammenziehen praktiziert wurden. Soziologische Untersuchungen (Ayuso, 2018) zeigen, dass es zunehmend Paare im mittleren und höheren Lebensalter gibt, die sich für das Modell der getrennten Wohnungen am gleichen Wohnort entscheiden.

Hintergrund hierfür ist auch, dass das Thema der Familiengründung ab einem bestimmten Lebensalter typischerweise entfällt, was ansonsten oft einen starken Anreiz darstellt, um zusammenzuziehen.

Zwar ist nach den Befunden von Ayuso (2018) weiterhin die große Mehrheit der Paare, die in getrennten Wohnungen leben, im jüngeren Alter. Von diesen jungen Paaren wird dies jedoch nahezu immer nur als ein Übergangsmodell gesehen, während im höheren Lebensalter die Anzahl der Paare steigt, die dauerhaft in getrennten Wohnungen leben möchten.

Warum wollen Paare lieber in getrennten Wohnungen leben?

Ein psychologischer Hauptfaktor für den Wunsch nach getrennten Wohnungen ist, dass Nähe zu viel werden kann. Dies gilt besonders für Menschen, die einen großen Wert auf Unabhängigkeit und Eigenständigkeit legen.

Würden Sie sich durch das tägliche Zusammenleben in der gleichen Wohnung womöglich eingeengt fühlen?

In diesem Fall könnte das Modell mit getrennten Wohnungen für Sie eine gute Lösung sein.

Qualitative Studien (Funk und Kobayashi, 2014; Bawin-Legros und Gauthier, 2001) mit Paaren mit getrennten Wohnungen haben viel über das Erleben der Betreffenden herausgearbeitet:

  • Paare, die in getrennten Wohnungen leben, schildern als Vorteile, dass sie durch das getrennte Wohnen das Besondere der Beziehung besser aufrechterhalten und wertschätzen könnten – eine Erfahrung, die viele Menschen auch in Fernbeziehungen machen.

  • Paare berichten ebenfalls, dass sie durch getrennte Wohnungen den belastenden Aspekten der Routine des Alltags eher entkommen und ihre Beziehung für besondere Momente reservieren könnten.

  • Wird der Alltag punktuell gemeinsam geführt, geschieht dies bei Paaren, die in getrennten Wohnungen leben, nicht aus Zwang oder Notwendigkeit, sondern aus dem Wunsch heraus, den Alltag gemeinsam zu erleben. Dabei ist auch hohe emotionale Nähe möglich. Gleichzeitig stehen Rückzugsmöglichkeiten jederzeit zur Verfügung.

In der Untersuchung von Ayuso (2018) zeigte sich allerdings, dass manche Paare, die vorher in getrennten Wohnungen lebten, später zusammenzogen, weil sie dem sozialen Druck durch Familie und Freunde nicht standhielten.

Achten Sie deshalb darauf, sich von vornherein gegen normativen Druck von außerhalb der Beziehung zu immunisieren. Maßstab für das von Ihnen gewählte Beziehungsmodell sollten allein Ihre Lebenszufriedenheit und die wechselseitige Beziehungszufriedenheit sein.

Beziehungszufriedenheit bei getrenntem Wohnen

In welchem Beziehungsmodell werden Paare typischerweise glücklicher oder weniger glücklich?

Eine psychologische Studie von Hagemeyer et al. (2015) gelangt zu dem Schluss, dass es hierfür keine allgemeinverbindliche Antwort gibt. Vielmehr ergeben sich folgende Einordnungen:

Typischerweise berichten Paare, die zusammenleben, über eine höhere Beziehungszufriedenheit als Paare, die nicht zusammenleben. Das traditionelle Modell des gemeinsamen Wohnens ist also keineswegs ein Auslaufmodell. Nach wie vor geht dieses Modell bei vielen Paaren mit einer hohen Beziehungszufriedenheit einher.

Allerdings braucht es nicht unbedingt am gemeinsamen Wohnen zu liegen, dass die durchschnittliche Zufriedenheit dieser Paare höher ist. So wäre eine plausible Alternativerklärung, dass es sich hier bereits um eine positive Auswahl handelt, da unzufriedene Paare seltener zusammenziehen dürften als Paare, die mit ihrer Beziehung zufrieden sind.

Vermutlich sind beide Erklärungen richtig:

Das Zusammenleben kann demnach bei einzelnen Paaren die Zufriedenheit erhöhen, andererseits ziehen aber auch eher Paare zusammen, die bereits mit ihrer Beziehung zufrieden sind.

Vor allem aber zeigen die Befunde von Hagemeyer et al. (2015), dass der Einfluss des Zusammenlebens auf die Beziehungszufriedenheit von Persönlichkeitsmerkmalen abhängt:

  • Mit zunehmenden Eigenständigkeits-Motiven nimmt in der Studie von Hagemeyer et al. (2015) der positive Einfluss des Zusammenlebens auf die Beziehungszufriedenheit ab. Dies kann sogar so weit gehen, dass einzelne Paare das gemeinsame Zusammenleben als Belastung erleben und dadurch die Beziehungszufriedenheit sinkt.

Ob Paare gemeinsam oder getrennt voneinander leben, greift fraglos in starkem Ausmaß in den Alltag ein. Es lohnt sich daher, sich rechtzeitig Gedanken zu diesem Thema zu machen, um nicht in eine Konstellation hineinzuschlittern, die mit den eigenen Bedürfnissen womöglich nicht vereinbar ist.

Welches räumliche Beziehungsmodell kommt für mich in Frage?

Nutzen Sie die Imagination, um die für Sie richtige Form des Zusammenseins zu finden:

  • Stellen Sie sich imaginativ verschiedene Formen der Beziehungsgestaltung vor – gemeinsame Wohnung, getrennte Wohnungen am gleichen Wohnort, Fernbeziehung. Versuchen Sie, für jede Beziehungsform positive Aspekte zu finden, aber achten Sie auch auf negative Reaktionen, die Sie bei sich wahrnehmen.

Stellen Sie bei dieser Übung fest, dass für Sie mehrere Modelle denkbar sind, erhöht dies Ihre Flexibilität bei Partnersuche und Beziehungsaufbau und mag Ihnen so die Partnerfindung erleichtern.

Ist Ihnen aber umgekehrt völlig klar, dass für Sie nur ein gemeinsames Wohnen oder nur getrennte Wohnungen in Frage kommen, sollten Sie diese Klarheit zum Maßstab Ihrer Partnersuche machen, um von Anfang an gute Voraussetzungen für Ihr Beziehungsglück zu schaffen.

Klare Kommunikation zu Ihren Zielen ist hier bereits in frühen Phasen des Kennenlernens zu empfehlen, damit es erst gar nicht zu einer Konstellation kommt, in der die Gestaltungswünsche der Beziehung unvereinbar werden.

Allerdings sollten Sie, selbst wenn für Sie nur ein Modell in Frage kommt, sich doch überlegen, ob ein Kompromiss für eine Übergangszeit möglich ist. Die gewünschte Konstellation müsste bei einem Kompromiss nicht sofort vorhanden sein, sondern es würde eine Übereinstimmung des Ziels genügen: So mögen Sie eine Fernbeziehung, die Sie eigentlich ablehnen, als Übergang akzeptieren, sofern von vornherein Übereinstimmung herrscht, dass Sie später zusammenziehen werden.

Schauen Sie nun zum Abschluss dieses Abschnittes noch einmal auf den Zettel, auf dem Sie sich aufgeschrieben haben, was für Sie in Frage kommt – gemeinsames Wohnen, getrennte Wohnungen oder eine Fernbeziehung.

Haben sich nach all dem, was Sie seither gelesen haben, Veränderungen in Ihrer Sichtweise ergeben? Wenn ja, schreiben Sie sie auf den Zettel dazu.

Sexualität und Beziehung

Für die meisten Paare gehören Sexualität und Partnerschaft zusammen. Es ist wichtig, miteinander über dieses Thema zu sprechen:

  • So beobachteten Roels und Janssen (2020), dass bei jungen heterosexuellen Paaren ein enger Zusammenhang bestand zwischen offenen Gesprächen über Sexualität und der Beziehungszufriedenheit.

Schamhaftigkeit kann offene Gespräche zwischen Partnern über Sexualität allerdings blockieren und zu einer geringen sexuellen Zufriedenheit führen:

  • Marcinechová und Záhorcová (2020) beobachteten einen negativen Effekt von Schamgefühlen auf die sexuelle Zufriedenheit, wobei Schamgefühle in dieser Studie mit religiösen Überzeugungen einhergingen, die mit Verboten und sexualfeindlichen Einstellungen verbunden sind.

Sexualität von Paaren ist nicht nur auf die Befriedigung eigener Bedürfnisse ausgerichtet, sondern ist eingebettet in Romantik, Zuneigung und Gefühlsausdruck:

  • Pascoal et al. (2013) gelangten in einer Befragung mehrerer hundert Frauen und Männer zu dem Ergebnis, dass die wechselseitige Befriedigung im Zentrum partnerschaftlicher Sexualität steht. Sexualität in einer Partnerschaft ist also kein vorwiegend individuell-egozentrischer, sondern ein gemeinsamer Erlebnisprozess.

Sexualität kann sogar eine Rolle bei Versöhnungsprozessen spielen, wie eine Studie von Dailey et al. (2020) herausfand, die Paare in On-Off-Beziehungen (Beziehungen mit häufigen Trennungen und Wiederversöhnungen) und andere Paare direkt nach einer Trennung im Hinblick auf die Häufigkeit von nachfolgender Sexualität miteinander verglich. [1]  Paare aus solchen On-Off-Beziehungen hatten viermal häufiger nach einer Trennung erneut Sex miteinander als Paare, die keine On-Off-Beziehung geführt hatten. Zudem wurde diese Sexualität nach der Versöhnung als besonders befriedigend erlebt.

Dies lässt vermuten, dass es auch die sexuelle Begegnung ist, die Paare in On-Off-Beziehungen sich immer wieder zusammenfinden lässt. Gleichzeitig macht dieser Befund freilich deutlich, dass Sexualität allein als Basis für eine stabile Beziehung nicht genügt. Es besteht sogar die Gefahr eines sich selbst aufrechterhaltenden Teufelskreislaufes, bei dem Konflikte und Trennungen immer wieder durch Sex belohnt werden und so zu einem Muster werden.

Versöhnung mit Sex allein genügt also nicht, sondern sollte ergänzt werden um eine lösungsorientierte Klärung von Konflikten und die Herausarbeitung von für beide Seiten akzeptablen Kompromissen.

Grøntvedt et al. (2020) untersuchten bei 92 norwegischen Paaren den Zusammenhang zwischen Häufigkeit von Sexualität, Leidenschaft, dem Wunsch nach Sex außerhalb der Beziehung sowie der Beziehungsdauer.

Aus ihren Beobachtungen wurde deutlich, dass die Häufigkeit von sexueller Aktivität stark mit Leidenschaft korrelierte, wobei Leidenschaft, die mit Beziehungspartner:innen erfahren wird, wiederum den Wunsch nach Sex außerhalb der Beziehung reduzierte. Mit der Beziehungsdauer nahm die Häufigkeit von sexueller Aktivität allerdings typischerweise ab.

Die Bedeutung von Sexualität als einer wesentlichen Triebkraft macht es offensichtlich, dass man sich Gedanken darüber machen sollte, wie in einer Partnerschaft mit Sexualität umgegangen werden soll. Es ist empfehlenswert, sich mit dieser Frage zu beschäftigen – zumal viele Beziehungen an sexuellen Unstimmigkeiten und Fremdgehen scheitern:

  • So ergab eine Beobachtungsstudie von verheirateten Paaren über einen Zeitraum von 17 Jahren (Previti und Amato, 2004), dass außerehelicher Sex die Ehezufriedenheit senkte und die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung erhöhte, wobei allerdings zuvor bereits vorhandene Überlegungen, sich scheiden zu lassen, die Wahrscheinlichkeit für außerehelichen Sex erhöhten.

Wird dieses Ergebnis mit dem Befund von Grøntvedt et al. (2020) in Verbindung gebracht, wonach die Leidenschaft in einer Beziehung das Interesse an Sex außerhalb der Partnerschaft vermindert, ist zu vermuten, dass bei den betroffenen Paaren insbesondere auch die Leidenschaft bereits vor dem Fremdgehen gelitten hatte. Dies wiederum passt gut zu dem Befund der Abnahme von Sexualität im Verlauf einer Beziehung.

In vielen Beziehungen sinkt fraglos die sexuelle Leidenschaft im Verlauf ab. Hierdurch können Unzufriedenheit und ein Anreiz für Sex außerhalb der Beziehung entstehen, wodurch wiederum eine Beziehung in ihrem Bestand gefährdet werden kann.

Eine Strategie, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, könnte die Wahl eines nicht-traditionellen Beziehungsmodells jenseits der monogamen Zweierbeziehung sein.

So selbstverständlich und unhinterfragt die traditionelle monogame Zweierbeziehung für die meisten Partnersuchenden, Paare und überhaupt für die meisten Gesellschaften ist, so mag es dennoch sinnvoll sein, über Alternativen im Bereich von konsensueller Nicht-Monogamie und Polyamorie nachzudenken.

Monogame und nicht-monogame Beziehungen

Das traditionelle Beziehungsmodell ist das einer monogamen Beziehung von zwei Menschen mit vereinbarter sexueller Treue. Nach wie vor ist dies das Modell von romantischer Beziehung, nach dem eine große Mehrheit der Menschen sucht, die sich eine Beziehung wünschen.

Dies Modell wird auch von der großen Mehrheit von Paaren tatsächlich oder vorgeblich gelebt.

Die hohe Popularität der monogamen Zweierbeziehung ist trotz aller gesellschaftlicher Veränderungen und der 68er-Bewegung nach wie vor gegeben:

Bei den großen bekannten Online-Partnervermittlungen im deutschsprachigen Raum werden alternative Beziehungsmodelle für die Suche nicht einmal angeboten. Alles dreht sich um die monogame Zweierbeziehung.

Bei Gleichklang kann auch nach nicht-monogamen und polyamorösen Beziehungen gesucht werden. Hier zeigte eine Auswertung aus dem Jahr 2020, dass 86 % der bei Gleichklang teilnehmenden weiblichen Singles und 71 % der männlichen Singles nach einer monogamen Zweierbeziehung mit sexueller Treue suchten.

Deutlich anders fielen allerdings die Präferenzen von non-binären Singles aus, von denen lediglich 35 % eine monogame Beziehung präferierten. Bei non-binären Personen handelt es sich um Menschen, die sich in ihrer geschlechtlichen Identität weder eindeutig als Frau noch als Mann erleben.

Ersichtlich wird hieraus, dass die monogame Zweierbeziehung weiterhin das dominante Partnerschaftsmodell ist, dass es andererseits aber auch den Wunsch nach Alternativen zum Mehrheitsmodell der monogamen Zweierbeziehung gibt.

Aufgrund der menschlichen Tendenz, gesellschaftliche Erwartungen automatisch zu erfüllen, ist es möglich, dass einige Singles und Paare das Modell der sexuellen Treue nicht aus ihrem eigenen Bedürfnis heraus wählen, sondern ihm unreflektiert nachfolgen.

Lassen Sie sich deshalb nicht dazu verleiten, einfach sozial normativ zu handeln, sondern beobachten Sie Ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte, damit Sie diese bei Partnerwahl und Beziehungsgestaltung zum Tragen bringen können. Fragen Sie sich, während Sie den weiteren Text lesen, in welcher Beziehungskonstellation Sie am ehesten glücklich werden können.

Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es?

Hangen et al. (2019) haben sich umfassend mit der Thematik von sexueller Monogamie und sexueller Nicht-Monogamie befasst und konnten mithilfe statistischer Strukturanalysen fünf Beziehungsmodelle identifizieren, die sich im Hinblick auf Monogamie versus Öffnung, Konsens und Beziehungszufriedenheit unterscheiden lassen:

  • Konsensuelle stabile Monogamie: Diese Paare leben tatsächlich monogam, wobei diese Monogamie für beide Seiten so selbstverständlich ist, dass mögliche andere sexuelle Kontakte nahezu keine Rolle in der gemeinsamen Kommunikation spielen.

  • Konsensuelle dynamische Monogamie: Diese Paare leben weitgehend monogam, wobei die Selbstverständlichkeit und Stabilität der Monogamie aber etwas geringer ist. Entsprechend kam es in der Vorgeschichte häufiger zu, allerdings eher geringfügigen, sexuellen Kontakten außerhalb der monogamen Beziehung. Es wird daher über diese Thematik auch häufiger miteinander diskutiert.

  • Konsensuelle Nicht-Monogamie: Diese Paare berichten über offen konsensuelle sexuelle Kontakte zu anderen Personen außerhalb der Beziehung. Typischerweise bringen Beziehungspartner:innen keinen Wunsch nach Monogamie zum Ausdruck.

  • Ambivalent-Widersprüchliche Monogamie: Diese Paare zeigen eine oberflächlich-ambivalente Haltung zur Monogamie. Zwar wird typischerweise bejaht, in einer monogamen Beziehung zu leben, andererseits liegen untereinander weniger klare Ansprachen vor und bei den Analysen wird häufig über sexuelle Kontakte außerhalb der Beziehung berichtet. Untereinander kommunizieren die Beziehungspartner:innen nur eingeschränkt über diese sexuellen Außenkontakte.

  • Fremdgehen einer Person bei vereinbarter Monogamie: Diese Paare berichten, dass Beziehungspartner:innen sich nicht an die vereinbarte Monogamie halten und häufig sexuelle Kontakte zu anderen Personen außerhalb der Beziehung pflegen.

Bezüglich der Beziehungsqualität beobachteten die Autor:innen sehr klare Zusammenhänge in Abhängigkeit von der Transparenz und Ehrlichkeit, mit der die Paare untereinander mit ihrer Sexualität umgingen:

  • Sowohl Personen in konsensuell stabiler Monogamie als auch Personen in konsensueller Nicht-Monogamie berichteten von einer durchschnittlich hohen Beziehungsqualität mit einer hohen allgemeinen und sexuellen Zufriedenheit und einer geringen innerpsychischen Belastung.

  • Personen in dynamisch konsensuell-monogamen Beziehungen wiesen zwar eine ähnliche Beziehungszufriedenheit auf wie Personen in stabiler Monogamie, waren aber altersmäßig jünger und berichteten häufiger von Alkohol- oder Drogenkonsum an Wochenenden. Insofern handelte es sich hier um weniger gefestigte Beziehungen, die sich noch am Anfang ihrer Beziehungsentwicklung befanden.

  • Interessanterweise befanden sich unter den konsensuellen nicht-monogamen Beziehungen besonders viele langfristige Partnerschaften sowie ein höherer Anteil bisexueller und heteroflexibler Personen, also Personen, die sich grundsätzlich als heterosexuell verstehen, aber eine erhöhte Offenheit für Sexualität mit anderen Geschlechtern haben.

  • Die geringste Beziehungszufriedenheit, deutlich mehr Belastung und Instabilität sowie die kürzeste Beziehungsdauer wiesen Personen auf, die mehr oder weniger verdeckt nicht-monogam oder in Beziehungen mit einseitigem Fremdgehen lebten. Solche Personen zeigten auch häufiger Bindungsvermeidung und Einsamkeitserleben.

Unehrlichkeit und Intransparenz machen unglücklich

Ableitbar ist aus diesen Ergebnissen, dass sowohl monogame als auch nicht-monogame Beziehungen glücklich werden können.

Abträglich für das Beziehungsglück wirken sich dagegen mangelnde Transparenz und Unehrlichkeit aus. Beziehungen, die häufiges oder systematisches nicht-monogames Verhalten unter dem Mantel der Monogamie verdecken, erreichen typischerweise nur eine geringe Beziehungsqualität.

Zwischen Fremdgehen und nicht-monogamem Verhalten ist damit klar zu unterscheiden:

  • Fremdgehen untergräbt die Vertrauensbasis und schadet der Beziehungsqualität.

  • Konsensuelles nicht-monogames Verhalten ist kein Vertrauensbruch und führt zu keinen Einbußen der Beziehungsqualität.

Der Befund, dass sich unter den konsensuell nicht-monogamen Beziehungen besonders viele langjährige Beziehungen fanden, widerlegt zudem eine oftmals geäußerte Vermutung, dass sexuell offene Beziehungen zu geringerer Dauerhaftigkeit tendieren würden.

Arten konsensueller Nicht-Monogamie

Rubel und Bogaert (2014) befassten sich in einem Überblicksartikel mit unterschiedlichen Varianten konsensuell nicht-monogamer Beziehungen und deren Auswirkungen auf psychisches Wohlbefinden und Beziehungsqualität.

Der Artikel differenziert zwischen drei Arten von konsensuellen, nicht-monogamen Partnerschaften:

  • Swinger-Paare, die an festgelegten Orten (z. B. Swinger-Clubs) Sex mit anderen Paaren oder Einzelpersonen haben.

  • Offene Beziehungen, in denen Paare gemeinsam oder als Einzelpersonen wechselseitig sexuelle Kontakte zu anderen Personen haben, ohne dass dies an dafür vorgesehene Orte oder Veranstaltungen gebunden wäre.

  • Polyamorie, in der mehr als zwei Personen miteinander eine Liebesbeziehung führen, die insofern nicht nur Sex, sondern auch andere romantische Gefühle und Dimensionen der Beziehungsgestaltung umfasst.

Im Hinblick auf Beziehungsqualität und Wohlbefinden gelangen Rubel und Bogaert (2014) zu einem ähnlichen Ergebnis wie Hangen et al. (2019):

  • Personen in non-monogamen Beziehungen können eine vergleichbare Beziehungsqualität und ein ähnliches psychisches Wohlbefinden erreichen wie Personen, die in traditionell monogamen Beziehungen leben.

  • In den Bereichen Spannung und Aktivierung mögen non-monogame Beziehungen sogar zu einer höheren Zufriedenheit führen, wofür sich spezifisch bei Swinger-Beziehungen Anzeichen zeigten.

Das eigene Modell finden

Es ist also nicht notwendig, sich im eigenen Beziehungsmodell an traditionellen Vorstellungen zu orientieren, um eine glückliche und stabile Beziehung finden und aufrechterhalten zu können.

Vielmehr zeigen psychologische Studien, dass mit dem Modell der konsensuellen Nicht-Monogamie eine tragfähige und durchaus potenziell beziehungsförderliche Alternative zum Modell der monogamen Zweierbeziehung zur Verfügung steht.

Demgegenüber ist Fremdgehen ein Vertrauensbruch, der aus Vereinbarungen zur Monogamie entsteht, die nicht eingehalten werden.

Natürlich ist konsensuelle Nicht-Monogamie nicht für jeden das richtige Beziehungsmodell. Und der normative Druck zur Monogamie sollte nicht einfach durch einen normativen Druck zur Nicht-Monogamie ersetzt werden.

So haben manche Mitglieder der 68er-Generation und Teilnehmende diverser alternativer Lebensformen und Gemeinschaften tatsächlich bereits die bittere Erfahrung gemacht, dass non-monogame Beziehungsmodelle zu neuem Zwang und Einengung führen können, wenn sie durch Gruppendruck auferlegt werden.

Deshalb können nur Sie entscheiden, ob Sie lieber in einer konsensuell monogamen oder einer konsensuell nicht-monogamen Beziehung leben möchten, indem Sie sich Ihre sexuellen und romantischen Bedürfnisse bewusst machen und sich auf dieser Grundlage verschiedene Beziehungs-Konstellationen vorstellen.

Auf jeden Fall ist von einer Beziehungskonstellation abzuraten, in der die Monogamie nur als formaler Deckmantel dient und in Wirklichkeit Sie, die andere Person oder beide ein sexuelles Doppelleben führen. Hier zeigt der Forschungsstand deutlich, dass solch ein Leben nicht glücklich macht.

Damit ergeben sich eine Reihe von Fragen, die Sie sich selbst stellen können, um für sich das richtige Beziehungs-Modell zu finden:

  • Wie sehr können Sie sich persönlich ein Beziehungsglück in den verschiedenen Modellen einer konsensuellen monogamen oder nicht-monogamen Beziehung vorstellen?

  • Sind Ihre Präferenzen reflektiert und frei von gesellschaftlichem Druck?

  • Wie ehrlich können Sie mit sich selbst und der anderen Person in einer konsensuellen monogamen oder nicht-monogamen Beziehung sein? Sind Sie bereit und in der Lage, eine monogame Beziehung in Aufrichtigkeit und ohne Hintergehen zu leben?

  • Wie sexuell zufrieden werden Sie voraussichtlich werden in einer monogamen oder in einer nicht-monogamen Beziehung? In welcher Beziehungsform werden Sie sexuelle Erfüllung erreichen?

  • Wie steht es bei Ihnen mit der Eifersucht? Wie wird sich diese in monogamen und nicht-monogamen Beziehungen auswirken und wie gut können Sie sie regulieren?

  • Wie würden Sie eine sexuell offene Beziehung bewerten, in der die Übereinkunft besteht, dass Sexualität außerhalb der Beziehung auf sexuelle Abenteuer beschränkt bleibt?

  • Wie bewerten Sie im Vergleich die Optionen Sex nur monogam in der Beziehung, Sex mit anderen Personen nur gemeinsam, Sex mit anderen Personen nur getrennt, Sex mit anderen Personen je nach Situation gemeinsam oder getrennt?

  • Finden Sie das Modell einer polyamorösen Liebesbeziehung mit mehr als zwei Beteiligten für sich attraktiv?

  • Haben Sie bereits Erfahrungen aus der Vergangenheit, die die eine oder die andere Beziehungsform betreffen und die Ihnen etwas über Ihr eigenes Erleben in den verschiedenen Konstellationen sagen?

  • Vertreten Sie moralische oder religiöse Werte, die Sie nicht ändern oder erweitern möchten und die eine nicht-monogame Beziehung ausschließen?

  • Halten Sie in Abhängigkeit von der Konstellation und den beteiligten Personen für sich sowohl eine konsensuelle monogame als auch eine konsensuelle nicht-monogame Beziehung für möglich?

Definieren Sie jetzt Ihr Beziehungs-Modell für Ihre Partnersuche:

  • Ihre Antworten sprechen ausschließlich für monogame Beziehung? Suchen Sie bei der Partnersuche nach einer anderen Person, die ebenso Wert auf Monogamie legt wie Sie.

  • Sie präferieren eine nicht-monogame Beziehung? Suchen Sie bei Ihrer Partnersuche nach einer anderen Person, die dies ähnlich erlebt.

  • Monogamie und Nicht-Monogamie sind beide möglich? Halten Sie sich die Beziehungsform bei der Partnersuche in Abhängigkeit von der anderen Person offen.

  • Sie können nicht monogam sein? Versuchen Sie es gar nicht erst und suchen Sie von Anfang an nach einer sexuell nicht-monogamen Beziehung. Lernen Sie, ehrlich mit sich selbst und anderen zu sein und halten Sie Ausschau nach einem Beziehungsmodell, in dem Sie diese Ehrlichkeit leben können.

  • Sie präferieren nicht-monogam, fürchten aber Ihre Eifersucht? Lassen Sie in der Imagination die geliebte Person los. Lernen Sie, von Besitzdenken Abstand zu nehmen und der anderen Person und sich selbst sexuelle Erfahrungen zu gönnen. Wagen Sie den Versuch, seien Sie dabei aber von Anfang an offen und üben Sie gemeinsam, die Eifersucht zu zügeln.

Nicht-sexuelle partnerschaftliche Beziehungen

So wichtig Sexualität für die meisten Paare auch ist, so gibt es ebenso Menschen, die überhaupt keine sexuelle Interaktion wünschen.

Asexualität bezieht sich auf die Abwesenheit von sexuellem Verlangen, woraus sich der fehlende Wunsch nach Sexualität begründet. Asexualität ist ein wissenschaftlich noch wenig untersuchtes Phänomen, wobei eine Studie von Bogaert (2004) darauf hinweist, dass ungefähr ein Prozent der erwachsenen Bevölkerung asexuell ist.

Die Abwesenheit eines sexuellen Verlangens muss keineswegs einem Beziehungswunsch widersprechen. Auch der Wunsch nach körperlicher Zärtlichkeit und Nähe kann trotzdem vorhanden sein, wenn sexuelles Verlangen fehlt. Die Frage der Partnersuche stellt sich vor diesem Hintergrund für asexuelle Menschen grundsätzlich ebenso wie für andere Menschen.

Es kann auch andere Gründe außer Asexualität geben, warum Menschen nach einer Beziehung ohne Sexualität suchen:

  • So gibt es Menschen, die zwischen Sexualität und Liebe trennen. Während manche Menschen die enge Vertrautheit mit einem Menschen als sexuell erregend erleben, nimmt bei anderen die sexuelle Erregung mit der Vertrautheit ab und sie verlieren das Interesse an Sexualität mit vertrauten Personen.

  • Einige Menschen haben sehr starke sexuelle Präferenz-Fixierungen, für die das Finden von Beziehungspartner:innen schwierig oder sogar unmöglich erscheinen mag. Ein Beispiel hierfür wäre das ausschließliche Interesse an Sexualität mit Personen, die für sie sehr attraktiv sind, die sie aber schwer oder gar nicht als Beziehungspartner:innen erreichen können. Es mag trotzdem einen partnerschaftlichen Beziehungswunsch mit einer anderen Person geben, der von Sexualität abgekoppelt wird.

  • Manche Menschen mögen zwar nicht asexuell sein, ihr Interesse an Sexualität ist aber so niedrig oder hat so stark nachgelassen, dass sie sich sehr gut eine Beziehung ohne Sexualität vorstellen können oder diese sogar präferieren würden.

  • Schließlich gibt es Menschen mit sexuellen Funktionsstörungen oder auch sexuellen Traumata, die an einer Überwindung dieser Beeinträchtigungen aus verschiedenen möglichen Gründen nicht (mehr) arbeiten möchten und von daher eine Beziehung ohne Sexualität anstreben.

  • Genauso ist der Fall denkbar, dass zwei Menschen einfach sehr gut zueinander passen, aber wechselseitig das erotische Interesse aneinander fehlt. Dies mag bis zu besonderen Konstellationen gehen, wo Personen mit nicht aufeinander bezogenen oder gegenläufigen sexuellen Orientierungen Lebenspartnerschaften führen – beispielsweise eine Liebesbeziehung zwischen heterosexuellen und homosexuellen Personen.

Möchten Sie gerne eine Beziehung, aber keine Sexualität?

In diesem Fall sollten Sie dies bereits bei der Partnersuche sofort zum Thema machen. Sonst werden Kontakte in dem Moment, in dem Sie es ansprechen, abbrechen oder es wird eine ungünstige Beziehung entstehen, bei der die Sexualität im Wege steht.

Grundsätzlich können asexuelle Personen sowohl mit asexuellen wie auch mit nicht asexuellen Personen tragfähige Beziehungen führen, sofern ein Verzicht auf gemeinsame Sexualität vereinbart und von beiden angenommen werden kann.

Ist eine Person in solch einer Beziehung nicht asexuell, sollte besprochen werden, wie hiermit gegebenenfalls im Rahmen von sexuellen Kontakten zu dritten Personen umgegangen werden soll.

Oftmals wird bei asexuellen Personen aber das Bedürfnis bestehen, die asexuelle Orientierung mit Beziehungspartner:innen zu teilen. Wegen der geringen Anzahl asexueller Menschen wird dies freilich meistens bedeuten müssen, in anderen Merkmalen, wie bei der Entfernung, Kompromisse zu machen und sich zusätzlich auf eine längere Suchzeit einzustellen.

Sind Sie nicht asexuell, aber möchten keinen Sex wegen sexueller Funktionsstörungen oder Traumatisierungen?

Oft ist hier die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Hilfe hilfreich und indiziert. Aber auch mit oder nach psychotherapeutischer Behandlung mag der Wunsch nach einer sexfreien Beziehung fortbestehen und ist völlig legitim.

Es gibt zahlreiche langjährige Paare, die nicht mehr sexuell miteinander verkehren, bei denen die Liebe aber weiterhin vorhanden ist. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass eine Beziehung mit einem solchen Zustand nicht auch bereits beginnen könnte.

So wichtig Sexualität für die meisten Paare ist, so gibt es eine große Anzahl an Dimensionen und Funktionen der Liebe, die sich auch ohne Sexualität voll entfalten können. In Erinnerung an die 33 Dimensionen der Liebe nach Karandashev und Clapp seien genannt:

  • Akzeptanz, Bindung, Bewunderung, Dankbarkeit, Idealisierung, Einfühlungsvermögen, Einzigartigkeit, Gemeinsame Aktivitäten, Verbunden-Sein, Glaube, Hingabe, Hochgefühl, Intimität, Interesse, Selbst-Verbesserung, Kommunion, Kompatibilität, Reziprozität, Schützen wollen, Sehnsucht, Sorge für das Wohlergehen, Trost und Stärkung, Vergebung, Sich verlassen können, Verantwortungs-Übernahme, Vertrauen, Verstehen und Zuneigung.

Partnerschaftliche Beziehungen sind also ohne Sexualität möglich und können bei Aufbau einer tragenden und fürsorglichen Basis durchaus mit einer hohen Beziehungszufriedenheit einhergehen.

Dies vor Augen, mögen sich für Sie neue Perspektiven der Partnersuche und Beziehungsgestaltung ergeben, wenn Sie bei sich feststellen, dass ein Interesse an Sexualität in einer Partnerschaft bei Ihnen nicht besteht, nicht mehr besteht oder dessen Wichtigkeit für Sie so gering ist, dass Sex in einer Beziehung für Sie verzichtbar ist.

Je klarer Ihnen dies ist, desto besser können Sie Ihre Partnersuche gestalten und die passende Person finden.

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