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Beziehungsarbeit: So bleibt die Liebe bestehen

Die Partnersuche ist erfolgreich beendet. Nun geht es darum, die Liebe zu erhalten und zu entwickeln. Denn Stillstand gibt es im Liebesleben ebenso wenig wie in allen anderen Bereichen menschlichen Verhaltens und Erlebens.

Warum bestehen einige Beziehungen lebenslang, während bei anderen die Liebe irgendwann zu Ende geht? In diesem Kapitel erfahren Sie, was Beziehungspartner:innen tun können, um ihre Liebe zu erhalten.

Das, was wir Beziehungsarbeit nennen, entscheidet maßgeblich darüber, ob eine Beziehung dauerhaft stabil und glücklich bleibt, oder nicht:

  • In einer Beziehung geht es darum, sich fortwährend miteinander darum zu bemühen, dass beide Seiten in einer Beziehung glücklich werden und glücklich bleiben. In diesem Sinne ist Beziehung auch immer Beziehungsarbeit.

Die folgenden achtzehn Tipps, die teilweise auch zusammenhängen, sollen Ihnen helfen, diese Beziehungsarbeit gemeinsam zu leisten.

Beziehung ist lernen und wir lernen lebenslang. Sprechen Sie in der Beziehung miteinander und lesen Sie beispielsweise zusammen dieses Kapitel. Machen Sie es sich gemeinsam zur Gewohnheit, immer wieder zu üben, liebevoll und zugewandt miteinander umzugehen, bestehende Konflikte und Probleme zu klären und zu lösen, Perfektionsansprüche zu reduzieren, einander Fehler zu verzeihen, Kompromisse zu finden, den Fokus auf das Positive zu legen, Ziele herauszuarbeiten und Veränderungen anzugehen. Gelingt Ihnen dies, werden Sie mit einer zufriedenen und dauerhaften Beziehung belohnt werden.

Dies sind die 18 Strategien, mit der Sie die Liebe erhalten können:

Liebe zeigen

Liebe will in einer Partnerschaft ausgesprochen und gezeigt werden. Je stärker die Liebe gezeigt wird, desto mehr wird sie gestärkt. Sagen Sie einander, dass Sie sich lieben, miteinander glücklich sind und zusammenbleiben möchten. Je deutlicher Beziehungspartner:innen dies machen, desto eher wird die Beziehung tatsächlich Bestand haben. Romantische Gefühle zum Ausdruck zu bringen, ist insofern einer der besten Beziehungsstabilisatoren.

Gemeinsame Aktivitäten

»Gemeinsame Freude ist doppelte Freude» – richten Sie Ihre Beziehung nach diesem Motto aus. Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten im Alltag, von denen Sie sich gemeinsam anregen lassen und die Sie beide genießen können.

Aktivitäten in der Partnerschaft wirken Einsamkeit und Langeweile entgegen. Gemeinsames positives Erleben verstärkt Sympathie, Liebe und Zusammenhalt. Gleichzeitig wird es Ihnen so auch leichter fallen, von so manchen weniger schönen Kleinigkeiten abzusehen.

Entdecken Sie Hobbys und Interessen, die Sie gerne gemeinsam durchführen möchten. Bauen Sie sich einen gemeinsamen Freundeskreis auf, pflegen Sie gemeinsam Familienbeziehungen und wagen Sie es, gemeinsam Neues auszuprobieren und so immer wieder aufs Neue gemeinsame Erlebensressourcen zu erschließen.

Tauschen Sie sich darüber aus, was Ihnen gefällt und was Sie interessieren würde. Lassen Sie sich anregen durch Listen von Hobbys oder die Berichte aus Freundeskreis, Familie, Büchern oder dem Internet. Wer sucht, der findet. Wenn Sie beide Ihren Teil einbringen, wird es Ihnen gelingen, gemeinsame Aktivitäten in Ihren Alltag zu bringen, die Ihre Alltagszufriedenheit, Lebenszufriedenheit und Beziehungszufriedenheit stärken.

Zärtlichkeit und erfüllte Sexualität

Zärtlichkeit, körperliche Nähe und Erotik fördern die Beziehungsqualität. Je zärtlicher Beziehungspartner:innen miteinander umgehen und je aktiver sie ihr Sexualleben gestalten, desto seltener trennen sie sich. Sich in den Arm nehmen, küssen, streicheln, über sexuelle Interessen offen sprechen und diese gemeinsam, experimentierfreudig auszuleben, fördert die Beziehungstiefe sowie die wechselseitige Beziehungszufriedenheit und Lebenszufriedenheit.

Je besser Beziehungspartner:innen es schaffen, körperliche Nähe, Zärtlichkeit, Leidenschaft und Erotik in der Beziehung zu entwickeln und zu erhalten, desto zufriedener werden sie mit ihrer Beziehung werden. Phasen abnehmender Leidenschaft sind normal, aber Leidenschaft will und kann immer wieder entflammt werden.

Auch der Wechsel von Orten und Praktiken kann hilfreich sein. Und wenn dies von beiden gewünscht wird, spricht auch nichts dagegen, Dritte in die gemeinsame Sexualität mit einzubeziehen, z.B. durch den Besuch eines Swinger-Clubs oder andere Formen konsensueller Nicht-Monogamie.

Bei beidseitig gewünschten asexuellen Beziehungen kann Zärtlichkeit Sexualität übrigens vollauf ersetzen.

Effektiv kommunizieren

Kommunikation endet nicht, wenn die Beziehung bereits gefunden wurde, sondern sich fortdauernd um eine offene Kommunikation zu bemühen, ist für eine partnerschaftliche Beziehung das A und O.

Kommunikation darf keine Einbahnstraße sein. Es geht nicht um Mitteilungen, Forderungen oder Durchsagen, sondern um Wechselseitigkeit, Reden, Zuhören und Klären.

Wie bereits bei Kennenlernen und Beziehungsaufbau geht es also weiterhin darum, sich über die gegenseitigen Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse und Wahrnehmungen in einer angstfreien Atmosphäre offen austauschen zu können, wo nicht mit Vorwürfen, Druck oder Beschimpfungen auf eine Selbstöffnung reagiert wird.

Achten Sie darauf, nicht nur über sich selbst zu sprechen, sondern weiterhin Interesse an den Gefühlen, Wünschen, Bedürfnissen und Wahrnehmungen Ihres Beziehungspartners zu zeigen.

Eine der wichtigsten Lernaufgaben für Paare ist es, selbst bei Enttäuschungen und unangenehmen Botschaften von Vorwürfen, Abwertungen und Schuldzuweisungen Abstand zu nehmen. Fangen Beziehungspartner:innen erst an, sich gegenseitig für unerwünschte Äußerungen zu bestrafen, kann sich dies schnell zu einem Teufelskreis steigern. Vor allem aber hören Beziehungspartner:innen auf, offen und authentisch miteinander zu reden, wenn sie Angst vor der Reaktion der anderen Person haben müssen.

Nehmen beide Seiten eine Grundhaltung ein, in der es nicht um Vorwürfe und Abwertung, sondern um Verstehen und Klärung geht, können Beziehungen gedeihen und selbst schwierige Situationen bestehen.

Natürlich geht es beim Kommunizieren nicht nur um den sprachlich-logischen Austausch von Informationen: Kommunikationsprozesse haben auch eine emotionale Komponente. Arbeiten Sie beide daran, selbst bei schweren Themen eine liebevoll-zugewandte Haltung einzunehmen und diese auch nonverbal zu zeigen. Treffen Sie hierzu Vereinbarungen und erinnern Sie einander freundlich, wenn einmal der einen oder anderen Seite die Umsetzung nicht ganz gelingt.

Konflikte klären und lösen

Es hilft nichts, bei Problemen oder Konflikten den Kopf in den Sand zu stecken. Konfliktvermeidung führt dazu, dass unbefriedigende Situationen fortbestehen, woraus eine dauerhafte Frustration, Hilflosigkeit und Verbitterung entstehen kann.

Konfliktklärung muss oft über reine Kommunikation hinausgehen. Es geht nicht nur um eine offene Aussprache, sondern darum, den Konflikt zu erkennen, sich widersprechende Bedürfnisse oder Ansichten herauszuarbeiten und auf dieser Basis zu einer Lösung zu gelangen.

Lösungen können darin bestehen, dass eine Seite vom Standpunkt der anderen Person ehrlich überzeugt wird. Achten Sie aber darauf, dass weder Sie noch die andere Person grundsätzlich eine Haltung der Nachgiebigkeit und der Zurückstellung eigener Bedürfnisse einnimmt. Nur wenn wirklich die Überzeugung besteht, dass die Position des Beziehungspartners oder der Beziehungspartnerin korrekt beziehungsweise besser geeignet ist als die eigene Position, macht es Sinn, diese Position an die Position der Beziehungspartner:innen anzupassen.

Oftmals werden Lösungen die Form eines Kompromisses haben. Beide treffen sich in der Mitte oder entscheiden sich für ein „sowohl als auch“, was bedeutet, dass manchmal die eine Seite und manchmal die andere Seite zum Zuge kommt. Wichtig ist, solche Kompromisse ernst zu nehmen und durch freundliche Erinnerung und liebevolle Zuwendung an ihrer Einhaltung zu arbeiten.

Konflikte können ebenfalls ein Hinweis auf Unzufriedenheit mit der Alltagsgestaltung sein. Viel wichtiger als der konkrete Anlass kann es hier sein, an gemeinsamen Aktivitäten oder Lebenszielen und einer interessanteren Gestaltung des Alltags zu arbeiten. In diesem Sinne können Konflikte auch Signale für Umdenken, Veränderung und eine aktualisierte Lebensplanung sein.

Manchmal mag es sinnvoll sein, die Klärung des Konflikts bewusst aufzuschieben. Eine Aufschiebung ist dann sinnvoll, wenn die Bedingungen für eine Veränderung noch nicht gegeben sind oder eine oder beide Seiten Bedenkzeit brauchen. Vielleicht wird eine grundlegende Veränderung angestrebt, beispielsweise ein Umzug, ein Arbeitsplatzwechsel oder eine Auswanderung. Vielleicht liegt eine Erkrankung vor. In diesen Fällen kann es hilfreich sein, zunächst abzuwarten.

Allerdings sollten Abwarten und Aufschieben außerhalb dieser besonderen Situationen keineswegs zur Gewohnheit werden, da sich sonst eine dysfunktionale Konfliktvermeidung im Gewand des Abwartens tarnen mag und sich so tatsächlich Frustration und Verbitterung akkumulieren können.

Keinen Sinn machen Schreien, Schimpfen, permanente Vorwürfe, dauernde Trennungsdrohungen oder gar körperliche Gewalt. Je mehr zu solchen schädlichen Konfliktstrategien gegriffen wird, desto unglücklicher wird die Beziehung werden.

Allerdings ist auch hier zwischen einzelnen Vorfällen angesichts von Überforderung, Hilflosigkeit und Verzweiflung und einem dauerhaften Muster zu unterscheiden. Kommt es zu einem destruktiven Konflikt, ist es die entscheidende Aufgabe, diesen durch Mitgefühl und die Einnahme der Perspektive des anderen einer konstruktiven Konfliktklärung zuzuführen.

Lösungsorientiert denken und handeln

Es hilft nichts, nur allgemein zu klagen, Probleme brauchen Lösungen.

Partnerschaftskonflikte sind spezifische Arten von Problemen. Zudem können jedoch noch viele weitere Probleme auftreten, die in einer Beziehung letztlich immer alle Seiten betreffen:

  • Finanzielle Probleme, berufliche Probleme, gesundheitliche Probleme, Probleme mit der Herkunftsfamilie – die Liste ließe sich umfassend fortsetzen.

Es ist richtig, sich über Probleme auszutauschen. Wichtig ist aber, hier nicht stehenzubleiben. Bei der Besprechung von Problemen sollte der Fokus auf der Lösung liegen. Überlegen Sie gemeinsam, was getan werden kann, um eine unschöne Situation zu verändern. Hierzu gehört auch, eine Grundhaltung zu entwickeln, bei der Probleme und Krisen nicht als Katastrophen, sondern als Herausforderungen angenommen und gemeistert werden können.

Hilfreich ist ein Problemlösungsansatz, bei dem Sie gemeinsam den unerwünschten Ist-Zustand und den gewünschten Zielzustand herausarbeiten und so die Barrieren identifizieren, die es erschweren oder unmöglich machen, zum Ziel zu gelangen. Haben Sie die Barrieren erst identifiziert, wird es Ihnen leichter fallen, über mögliche Lösungsstrategien nachzudenken. Oft kann ein Brainstorming Wunder wirken, bei dem Sie gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Aus diesen Lösungsstrategien können Sie die am besten passende Strategie auswählen. Ist diese erkannt, geht es darum, sich an die Umsetzung zu machen und, wenn der Erfolg möglicherweise weiterhin ausbleibt, die Lösungsstrategie zu wechseln.

Schließlich gibt es Probleme, die tatsächlich nicht zu ändern sind. Ist dies der Fall, liegt die Lösung in der Akzeptanz. Viele Probleme verlieren ihren Druck erzeugenden Charakter, wenn Akzeptanz an die Stelle von Widerstand tritt.

Hüten sollten Sie sich allerdings davor, Probleme zu akzeptieren, die in Wirklichkeit veränderbar sind. Hieraus kann nämlich wieder schnell ein Muster werden, welches es Ihnen erschwert, echte Zufriedenheit zu entwickeln.

Partnerschaft bedeutet »gemeinsames Leben«, egal, ob Sie zusammengezogen sind oder in getrennten Wohnungen oder in einer Fernbeziehung leben. Paare, die das gemeinsame Leben auch als einen Problemlösungsprozess begreifen, haben die besten Aussichten, dieses gemeinsame Leben aufrechtzuerhalten und positiv weiterzuentwickeln.

Das Positive in den Mittelpunkt stellen

Ein Glas mag halb voll oder halb leer sein, das kommt auf die Perspektive der Betrachter an. Wenn Sie und Ihre Beziehungspartner:innen den Fokus auf das Positive in Ihrer Beziehung lenken, werden Sie das Glück in der Partnerschaft besser erhalten können.

Es geht nicht darum, Konflikte oder Probleme zu verdrängen. Dies ist im Gegenteil schädlich. Ebenso schädlich ist es jedoch, das Augenmerk vorwiegend auf das Negative zu richten und das Positive zu übersehen.

Dies ist eine schlechte Angewohnheit, die wir als Menschen schnell entwickeln:

Wir ärgern uns darüber, wenn ein Zug zu spät kommt, freuen uns aber nicht, wenn er pünktlich kommt. Im Alltag nehmen wir viel zu oft vorwiegend die Ärgernisse und Irritationen wahr, übersehen aber die unzähligen Abläufe, die gut laufen. Bei manchen Menschen kann dies so weit gehen, dass es ihnen schwerfällt, überhaupt positive Sinneswahrnehmungen zu machen.

Helfen können hier Genussübungen, bei denen völlig unabhängig von möglichen Problemen ganz bewusst auf positive Sinneswahrnehmungen wie Geschmack, Geruch oder Berührung geachtet wird. Solch ein Training können Beziehungspartner:innen übrigens auch gemeinsam durchführen und es kann sexuell-taktile Aspekte beinhalten.

Entscheidend für die Beziehungszufriedenheit ist es, eine Grundhaltung einzunehmen, die die positiven Aspekte des Alltags und der Beziehung ausreichend wertschätzt. Machen Sie sich klar, was Ihnen an der Beziehung und der anderen Person gefällt und bringen Sie dies zum Ausdruck. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, nicht nur Gespräche über Probleme und Konflikte zu führen, sondern auch über Ihre Zufriedenheit mit der Beziehung, Ihre Erfolge und Errungenschaften. Dies wird es Ihnen auch leichter machen, tatsächlich bestehende Konflikte und Probleme anzusprechen und zu klären, ohne die Beziehung in Frage zu stellen und sich gegenseitig zu verletzen.

Kompromisse sind notwendig

Es wurde schon mehrfach angesprochen, dass es die perfekte Passung nicht gibt. So hoch auch die Kompatibilität zwischen Beziehungspartner:innen sein mag, keine Beziehung wird dauerhaft in allen Aspekten in Balance sein.

Kompromisse im Rahmen der Problem- und Konfliktklärung sind nicht nur das kleinere Übel, sondern sie können Ihnen sogar dabei helfen, eigene Vorstellungen und Muster zu hinterfragen und zu flexibilisieren und dadurch Ihre Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Wären alle Perspektiven in einer Beziehung immer gleich, würden Sie sich nur gegenseitig bestätigen und es fände keine Entwicklung statt.

In diesem Sinne können, so wichtig eine gute Grundübereinstimmung auch ist, Unterschiede eine positive, vorantreibende Funktion ausüben, die es beiden Beziehungspartner:innen ermöglicht, eigene Positionen zu überdenken und durch emotional bejahte und akzeptierte Kompromisse zu verändern.

Die Bereitschaft und Fähigkeit, in einer Beziehung Kompromisse einzugehen, verbessert die Beziehungszufriedenheit und erhöht die Aussichten, dass die Beziehung dauerhaft bestehen bleiben wird.

Für die Kompromissbereitschaft ist es notwendig, eigene Perfektionsansprüche zu reduzieren und zu erkennen, dass Unvollständigkeit zum menschlichen Dasein und Miteinander gehört. Perfektionismus führt zu Rigidität, Unzufriedenheit und Unverträglichkeit, wodurch eine Partnerschaft belastet wird. Fehlertoleranz ermöglicht Gelassenheit, Loslassen und Toleranz. So können Kompromisse leichter geschlossen werden.

Auch wenn die romantische Liebe meistens glücklicher ist als die pragmatische Liebe, haben pragmatische Überlegungen in einer Beziehung ihren Wert. Zu diesen gehört auch die Akzeptanz. Wenn eine Beziehung insgesamt zufriedenstellend ist, mag es sinnvoll sein, die eine oder andere Marotte eines Beziehungspartners in Kauf zu nehmen oder von dem einen oder anderen Wunschbild etwas Abstand zu nehmen.

Toleranz für die Fehler und Schwächen des anderen fördert die Verbundenheit.

Veränderungsbereit bleiben

Nicht oft genug kann die Bedeutung der wechselseitigen Veränderungsbereitschaft betont werden. Denn mit ihrer Hilfe können Paare Monotonie, langweilige Routine und das Einschlafen ihrer Beziehung verhindern.

Eine Beziehung bleibt niemals gleich. Suchen Sie daher nach Veränderungsmöglichkeiten, bringen Sie immer wieder Spannung in das gemeinsame Leben. Starten Sie neue private oder berufliche Projekte und halten Sie Ausschau danach, was für eine weitere Verbesserung der Beziehung und Ihrer gemeinsamen Lebenszufriedenheit getan werden kann.

Tauschen Sie sich in der Beziehung darüber aus, womit Sie zufrieden sind und was Sie beibehalten wollen, aber auch darüber, was Sie anders gestalten wollen. Manchmal kann es auch darum gehen, bereits eingetretene Veränderungen zu akzeptieren, anstatt durch Festhalten an alten Mustern und Erwartungen Frustration, Enttäuschung oder gar Verärgerung zu entwickeln.

Der Charakter einer Beziehung mag sich ebenfalls ändern. So beginnen viele Beziehungen hochgradig romantisch, entwickeln sich im Verlauf aber zunehmend freundschaftlich. Auch wenn Romantik und Leidenschaft immer wieder entflammbar sind, ist die tiefe Verbundenheit der freundschaftlich-kameradschaftlichen Liebe fraglos nichts, was dem Beziehungsglück im Wege steht. Die freundschaftliche Verbundenheit annehmen und wertschätzen zu können und gleichzeitig gemeinsam neue Ideen zu entwickeln, wird Ihre Beziehung am Laufen halten.

Arbeit an Lebenszielen

Ziele sind ein wichtiger Anreiz, um Verhaltensweisen beizubehalten oder sie zu verändern. Wer Ziele hat, ist meistens glücklicher als jemand, der keine Lebensziele benennen kann. Paare, die gemeinsame Ziele haben, werden glücklicher als Paare, die ihre Partnerschaft im Wesentlichen ziellos führen.

Sprechen Sie darüber, wie Sie kurzfristig, mittelfristig und langfristig gerne leben wollen. Scheuen Sie nicht vor anspruchsvollen Zielen zurück, die Ihrem Leben den Glanz von Abenteuer und Verwegenheit verleihen können – wobei ein Realitätsbezug dennoch bestehen sollte.

Ziele werden nicht nur einmal definiert, sondern sind immer wieder zu klären, zu ergänzen und zu verändern. Wer gemeinsame Lebensziele hat, für den lohnt es sich, zusammenzubleiben und nicht bereits bei dem ersten Hindernis die Flinte ins Korn zu werfen und aus einer Beziehung zu fliehen.

Gemeinsame moralische Werte leben

Paare, die durch feste ethische Prinzipien miteinander verbunden sind, sind zufriedener als Paare, die keinerlei ethischer Werte miteinander teilen. Die entscheidende Herausforderung ist nicht nur, Werte verbal zu vertreten, sondern gemeinsam in die Praxis umzusetzen.

Eine Partnerschaft auf Grundlage einer gemeinsam praktizierten Ethik wird zu einem Lebensprojekt, welches nicht bei kleineren Stürmen oder Wogen ins Trudeln gerät und sich selbst bei großen Verwerfungen eher behaupten kann als eine Beziehung, die abseits moralischer Werte gelebt wird.

Aus gemeinsamen Werten ergibt sich Sinn. Sinnerleben gibt uns wiederum die Fähigkeit zur Resilienz, wenn wir mit Problemen, Krisen und Herausforderungen konfrontiert werden.

Moralische Werte können sich auf viele Bereiche beziehen. Sie können politisch-gesellschaftliche, religiöse oder auf den einzelnen Menschen und seine Handlungsprinzipien ausgerichtete Aspekte beinhalten.

Wir leben in Zeiten des menschengemachten Klimawandels, der rücksichtslosen Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen sowie des ebenso rücksichtslosen Umganges mit der Tierwelt, mit der wir Lebenswillen und Leidensfähigkeit teilen. In solchen Zeiten mit all ihren Verwerfungen sowie denen, die noch kommen werden, kann eine Ethik der Nachhaltigkeit maßgeblich dazu beitragen, Beziehungen in Lebensprojekte zu transformieren und sie so zu erhalten.

Entdecken Sie in einer Beziehung immer wieder aufs Neue, was Sie ethisch-moralisch verbindet, und entwickeln Sie auf dieser Basis eine gemeinsame Lebensführung, die diesen Werten entspricht. So wird nicht nur Ihre Partnerschaft glücklich und sinnerfüllt, sondern Ihr ganzes Leben.

Füreinander einstehen

Liebe ist nicht nur für die guten Zeiten, sondern zeigt sich gerade dann, wenn es Beziehungspartner:innen schlecht geht. Setzen Sie nicht auf eine Schönwetterbeziehung, sondern seien Sie da, wenn Sie gebraucht werden.

Liebe ist weitaus mehr als Leidenschaft, Sex oder Begehren. Erinnern wir uns an die 30 Komponenten der Liebe nach Karandashev und Clapp (2014, 2016).

Die wirkliche, kameradschaftlich-romantische, vollständige Liebe schließt es ein, für den anderen sorgen zu wollen, sich gegenseitig schützen zu wollen und sich als Beziehungspartner:innen in der Not beizustehen .

Haben Sie keine Angst vor Agape, dem aufopferungsvollen Stil der Liebe, sondern nehmen Sie diese Komponente der Liebe als wichtigen Teil an, der mit zu einer vollständigen, wechselseitigen Liebe gehört. Ist die Liebe balanciert, kann füreinander einzustehen die Liebe nur vertiefen.

Stehen Sie sich also in Ihrer Beziehung bei Problemen und Belastungen bei, helfen Sie sich gegenseitig und seien Sie füreinander da.

Spielerische Liebe aktiv halten

»Ich verliebe mich öfter für kurze Zeit«, lautet eine Abfrage aus dem Marburger Einstellungs-Inventar für Liebesstile (Bierhoff et al., 1993). So verwundert es nicht, dass diese spielerische Form der Liebe meistens nicht lange hält.

Aber auch wenn eine solche Form der spielerischen Liebe kurzlebig ist, lässt sich doch einiges von ihr lernen. Sich in gemeinsamen Momenten immer wieder auf das Positive in der Gegenwart auszurichten und miteinander zu flirten, selbst wenn die Beziehung schon lange besteht, hat eine belebende Wirkung. Solche spielerischen Elemente in einer verbindlichen Beziehung können zu mehr Leichtigkeit beitragen.

Liebe im vollständigen Sinn ist ein tiefes und manchmal – wenn Probleme auftreten – auch schweres Gefühl. Dies muss Sie jedoch nicht davon abhalten, in Ihrer Beziehung auch die spielerischen, genussorientierten und flirtenden Komponenten zu aktivieren.

Humor, Witz, Verrücktheit, Komplimente und Flirten gehören nicht nur an den Beziehungsanfang, sondern können eine Partnerschaft lebenslang begleiten. Achten Sie darauf, diesen spielerischen Charakter der Liebe bei aller Ernsthaftigkeit des Lebens in Ihrer Beziehung zu erhalten oder immer wieder aufs Neue aufflackern zu lassen.

Beziehungstage und Partnertage einlegen

In der Routine des Alltags vergessen Beziehungspartner:innen oft, den wechselseitigen Bedürfnissen genügend gerecht zu werden. Die Anforderungen des Alltags können nicht gänzlich außer Kraft gesetzt werden. Aber wenn Sie darauf achten, werden Sie in jeder Lebenskonstellation Freiräume für Ihre Beziehung entdecken und schaffen können.

Planen Sie feste Beziehungstage ein, bei denen allein Ihre Beziehung den Fokus des Alltages bildet. Tun Sie an diesen Tagen etwas, was Ihnen beiden gefällt. Städtetouren oder Kurzurlaube in der Natur seien nur als zwei Beispiele genannt. Genau so können sich Beziehungstage zu Hause abspielen. Gartenarbeit, Waldspaziergänge, Schwimmbad und Sauna – die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Auch bei kleinem Geldbeutel lassen sich ohne Weiteres gemeinsame Aktivitäten finden, schließlich ist beispielsweise die Natur nach wie vor kostenlos.

Nicht immer sind alle Wünsche und Bedürfnisse von Beziehungspartner:innen gleich. Manchmal geht die Achtsamkeit füreinander im Alltag verloren. Hier können Partnertage helfen, bei denen jeweils eine Seite ganz im Vordergrund steht. Natürlich sollten solche Partnertage abwechselnd eingeplant werden.

Beziehungstage oder Partnertage können feste wiederkehrende Tage sein – zum Beispiel der Sonntag – oder auch irregulärer festgelegt werden. Die Logik des Beziehungstages ist es, gemeinsam Positives zu unternehmen und sich von nichts anderem ablenken oder runterziehen zu lassen. Die Logik des Partnertages ist es, sich auf die Bedürfnisse von Beziehungspartner:innen zu konzentrieren und diese an diesem Tag soweit als möglich zur Geltung bringen. Da die Tage abwechseln, kommen alle Seiten zum Zuge und die notwendige Wechselseitigkeit wird gewährleistet.

Je nach Beziehungstyp und Alltag mögen Beziehungstage oder Partnertage gewählt werden. Selbstverständlich können auch beide Arten von Tagen eingerichtet werden.

Der Vorteil solcher besonderen Tage ist es, dass mit dieser einfachen Methode Unzufriedenheit und eingefahrene Muster durchbrochen werden und Beziehungen zu neuer Frische finden können.

Lässt sich ein ganzer Tag nicht einrichten, können selbstverständlich auch – je nach Ihrer Lebenssituation – Abende oder Vormittage gewählt werden.

Freiheit geben

Ihre Beziehung besteht, weil Sie sich wechselseitig einander verbunden fühlen und Ihre Partnerschaft ein gemeinsames Lebensprojekt ist. Gemeinsame Aktivitäten und eine geteilte Lebensplanung sind für eine Beziehung zentral.

Dennoch brauchen Menschen ihre Freiräume. Das Ausmaß, in dem in Beziehungen Wert auf Unabhängigkeit oder Gemeinsamkeit gelegt wird, unterscheidet sich zwischen Menschen. Bei der Partnerwahl sollten Sie bereits darauf geachtet haben, dass keine unvereinbaren Gegensätze zueinanderfinden. Gelegentliche Freiräume braucht jedoch jeder.

Die Bedürfnisse nach Freiheit und Unabhängigkeit können sich im Verlauf einer Beziehung verändern oder temporär schwanken. Es kann ein verstärktes Bedürfnis nach Zusammensein oder ein vermehrtes Bedürfnis nach eigenen Aktivitäten, die getrennt von Beziehungspartner:innen unternommen werden, entstehen.

Die Veränderungen oder Schwankungen der Bedürfnisse nach Nähe oder Eigenständigkeit mögen bei Beziehungspartner:innen in gleicher Weise ablaufen oder auch gegenläufig sein. Sprechen Sie diese Situation an und treffen Sie Vereinbarungen, die allen Seiten gerecht werden. Auch gegenläufige Bedürfnisse können umgesetzt werden, beispielsweise indem an einem Tag die räumliche Nähe erhöht und an einem anderen Tag mehr Raum für eigenständige Aktivitäten gegeben wird.

Sich genügend Freiheit zu geben, ist in gewisser Weise das Pendant zu gemeinsamen Aktivitäten und es ist von gleicher Wichtigkeit. Achten Sie darauf, sich wechselseitig ausreichende Möglichkeiten für Ihre Eigenständigkeiten einzuräumen. Unterlassen Sie vor allem jede Form von Besitzergreifung und Freiheitsbeschränkung in Form von Kontrollen und Verboten. Kontrolle signalisiert Misstrauen und Freiheitsbeschränkung löst oft Widerstand aus.

Bei Kontrolle und Reglementierung kommt es zur Reaktanz, unter der die Psychologie den frustrationsbedingten Wunsch versteht, das Gegenteil dessen zu tun, was der andere verlangt. Im Ergebnis mag daraus auch ein Verlust an Offenheit und Transparenz resultieren. So können sogar Doppelleben entstehen, an denen Beziehungen später zerbrechen.

Begehen Sie nicht den Irrtum zu glauben, dass Vertrauen gut, aber Kontrolle besser sei. Wenn Sie den Weg von Kontrolle und Reglementierung beschreiten, verschlechtern Sie die Beziehungsqualität und haben vielleicht gar den Weg zum Beziehungs-Aus eingeschlagen.

Eigene Grenzen achten

Bei aller Kompromissbereitschaft gibt es Grenzen, die Sie auch in einer und für eine Partnerschaft nicht überschreiten sollten. Keine Beziehung darf Ihre seelische oder körperliche Integrität und Gesundheit gefährden.

Machen Sie sich Ihre Grenzen bewusst und sprechen Sie es deutlich an, was für Sie unverzichtbar ist und was Sie nicht bereit sind, hinzunehmen.

Wer seine eigenen Grenzen kennt und sie mit dem Anderen bespricht, wird am ehesten gemeinsam glücklich werden.

Hilfe annehmen

Bekannte, Freunde und Familienangehörige können Sie als Paar dabei unterstützen, wenn die Beziehung in eine Krise gerät. Wichtig ist, dass diese positiv zur Beziehung eingestellt sind und eine ausgeglichene Position einnehmen.

Wenn dies nicht mehr hilft, kann oft noch professionelle Unterstützung helfen. Viele Paare in Krisen können mithilfe von Paarberatung oder Partnertherapie ihre Schwierigkeiten überwinden und ihre Partnerschaft auf ein neues Fundament stellen.

Sprechen Sie miteinander, wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie es nicht mehr allein aus einer Krise herausschaffen und eine professionelle Unterstützung hilfreich sein könnte.

Verzeihen gehört zur Liebe

Jeder Mensch macht Fehler. Auch in einer Beziehung wird jeder Mensch manchmal mehr oder weniger gegen Absprachen und Vereinbarungen verstoßen. Mithilfe einer verzeihenden Grundhaltung können Beziehungspartner:innen verhindern, dass ihre Beziehung an solchen Fehlern und Verstößen zerbricht.

Belasten Sie sich und Ihre Beziehung nicht mit Verbitterung oder Vorwürfen, die sich auf vergangenes Verhalten beziehen. Verzeihen Sie stattdessen Übertritte und Fehler und zeigen Sie gerade damit Beziehungspartner:innen Ihre Liebe.

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