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Alte Beziehungsmuster und neues Liebesglück

Aus der Vergangenheit lernen

Sie haben vorherige Verluste durch Tod oder Trauer verarbeitet und möchten sich nun auf die Zukunft und Ihren Wunsch nach einer neuen Beziehung ausrichten?

Was aber, wenn Sie in Ihrer künftigen Beziehung in alte Beziehungsmuster zurückfallen, die Sie bereits früher unglücklich gemacht haben?

Bevor Sie mit Ihrer Partnersuche starten, sollten Sie bereits wissen, was Sie künftig gerne anders machen möchten. Deshalb sollen Sie in diesem Kapitel lernen, eigene Anteile am Scheitern früherer Beziehungen zu erkennen, sich auf diese Weise selbst zu verändern und dadurch einer künftigen Beziehung zu einer besseren Basis zu verhelfen.

Als Menschen neigen wir dazu, die gleichen Muster zu wiederholen. So haben die Psychologen Park und MacDonald (2019) herausgefunden, dass Menschen sich nach dem Ende von Beziehungen häufiger neue Beziehungspartner:innen suchen, die Ähnlichkeiten mit ihren Ex-Partnern aufweisen.

War die Beziehung erfüllt und glücklich, ist dies kein Problem. Die Autor:innen vermuten aber, dass diese Tendenz bei vorher unerfüllten Beziehungen zur Wiederholung von Beziehungsproblemen führen kann. Dann laufen Menschen Gefahr, sich durch die Partnerwahl immer wieder in den gleichen belastenden Beziehungskonstellationen wiederzufinden.

Partnersuche ist jedoch mehr, als einen Menschen für eine neue Beziehung zu finden. Meistens tragen an partnerschaftlichen Problemen alle Beteiligten Mitverantwortung. Es genügt daher nicht, eine ungünstige Partnerwahl zu vermeiden.

Wenn eigene Anteile zu partnerschaftlichen Konflikten oder Verwerfungen in der Vergangenheit beigetragen haben, besteht vielmehr das Risiko, dass diese sich in einer neuen Beziehung bald wieder zeigen. Schließlich ergibt sich die Zukunft zu einem guten Anteil aus der Vergangenheit. Nicht umsonst heißt es, der Mensch sei ein Gewohnheitstier.

Jedoch können wir unsere Gewohnheiten auch verändern. Gelingt es uns, problematische Verhaltensmuster aus der Vergangenheit zu erkennen, können wir uns Strategien zurechtlegen, um ihre Wiederholung zu verhindern. Dies gilt auch für unsere Liebesbeziehungen.

Werfen Sie daher nun noch einmal vor dem Beginn Ihrer Partnersuche einen Blick zurück auf Ihre vergangenen Beziehungen. Erkennen Sie Fehler, Schwächen und problematische Muster, die Sie künftig gerne vermeiden wollen.

Erinnern Sie sich bei der folgenden Übung an das, was in vergangenen Beziehungen gut und schlecht gelaufen ist. Richten Sie aber bei dieser Übung Ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf die tatsächlichen oder möglichen Fehler und Versäumnisse Ihrer ehemaligen Beziehungspartner:innen, sondern vor allem auch auf sich selbst. Ex-Partner:innen können Sie nicht mehr ändern, sich selbst jedoch schon.

Versuchen Sie Antworten auf folgende Fragen zu finden:

  • Was haben Sie selbst dazu beigetragen, dass vorherige Beziehungen sich ungünstig entwickelten?

  • Wo sind Sie kompromisslos gewesen oder wo haben Sie vielleicht Ihre Grenzen nicht rechtzeitig gezeigt?

  • Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch einmal von Neuem beginnen könnten?

  • Haben Sie eine falsche Partnerwahl getroffen – wenn ja, in welcher Weise?

Die Antworten auf diese Fragen sind nicht nur rein theoretischer Natur, sondern sie weisen in die Zukunft.

Je klarer Sie sich darüber werden, was Sie künftig anders handhaben möchten, desto eher wird es Ihnen gelingen, dies auch umzusetzen.

Übung: Extreme erkennen und ändern

Häufig sind es die Extreme, in welche Richtung auch immer, die das Glück in einer vergangenen Partnerschaft minderten oder diese gar ins Unglück stürzten.

Der Grundsatz für diese Übung lautet:

  • Die Vergangenheit annehmen, aber aus den eigenen Fehlern lernen.

Im Folgenden finden Sie eine Auflistung möglicher Extreme. Der positive Begriff steht jeweils in der Mitte, ungünstige Übersteigerungen sind jeweils links und rechts eingetragen.

Nehmen Sie sich jetzt Ihre letzte wichtige partnerschaftliche Beziehung vor und schätzen Sie sich selbst ein:

  • Wo lagen Sie im grünen Bereich, wo waren Sie in das eine oder andere Extrem verfallen?

Führen Sie sich Ihre letzte bedeutsame Beziehung vor Augen und kreuzen Sie an, wo Sie sich ungünstig verhalten haben.

Übrigens ist es durchaus möglich, dass auch scheinbar gegensätzliche Problembereiche aufgetreten sind. So könnten Sie in einer Beziehung zwischen Distanziertheit, Rückzug und Klammern geschwankt haben. Menschen in Beziehungen mögen auch zwischen Unterwürfigkeit und Angriff wechseln. Kreuzen Sie in solchen Fällen beide Gegensätze an.

Ergänzen Sie die Liste um weitere Aspekte, die Ihnen einfallen:

  • Egoismus – Hilfsbereitschaft – Selbstaufopferung
  • Rückzug – Eigenständigkeit – Abhängigkeit
  • Konfliktvermeidung – Konfliktbereitschaft – Aggressivität
  • Ausblendung – Problemlösung – Katastrophisieren
  • Distanziertheit – Nähe – Klammern
  • Desinteresse – Freiheit – Kontrolle
  • Selbstvergessen – Selbstfürsorge – Egozentrik
  • Selbstaufgabe – Selbstbehauptung – Dominanz
  • Getrennte Wege – Gemeinsamkeit – Einengung (Symbiose)
  • Sexualvermeidung – Sexualität – Sexsucht
  • Nachgiebigkeit – Lösungsfindung – Kompromisslosigkeit
  • Anschweigen – Gespräche – Vorträge halten
  • Zurechtweisung – Klärung – Anhimmeln
  • Festhalten – Gemeinsamkeit – Wegstoßen
  • Einseitig – Wechselseitigkeit – Auge um Auge
  • Gefühlsarm – Gefühlsausdruck – Überbordend
  • Um jeden Preis – Bindung – Vielleicht nur heute
  • Einfrieren – Veränderung – Sprunghaftigkeit
  • Unterwerfung – Gleichberechtigung – Beherrschen
  • Sich aufgeben – Rücksichtnahme – Rücksichtslosigkeit
  • Prüderie – Experimentierfreude- Grenzüberschreitung
  • Bindungslosigkeit – Eigenständigkeit – Abhängigkeit
  • Ausgrenzung – Familienbezug – Familienzwang
  • Nur Partner:in zählt – Freundschaften – Freunde sind wichtiger
  • Langeweile – Aktivität – Hyperaktivität
  • Vorwürfe – Verzeihen – Alles hinnehmen
  • Pessimismus – Positiv denken – Rosa Brille
  • Naiv – Realitätsgerecht – Argwöhnisch

Alles Zutreffende angekreuzt?

Schauen Sie sich Ihre Kreuze noch einmal genau an und erschließen Sie daraus ein eigenes Profil. Machen Sie sich bewusst, wo Ihre Schwächen lagen. Denn so tun Sie den ersten Schritt, um sie zu überwinden.

Machen Sie sich jetzt einen Plan, damit Sie künftig nicht in diese ungünstigen alten Muster zurückfallen.

Schreiben Sie hierzu auf der Grundlage Ihrer Kreuze zwei kurze Texte, die festhalten, was Sie früher falsch gemacht haben und worauf Sie künftig achten möchten.

Heben Sie diese Texte gut auf und schauen Sie sie sich immer wieder in Situationen an, in denen sie bedeutsam werden – ob bei einer sich anbahnenden partnerschaftlichen Beziehung oder bei Konflikten oder Unzufriedenheit in einer solchen Beziehung.

Beispieltexte:

Das war schiefgelaufen

  • In der Beziehung mit Jan habe ich mich zu sehr aufgeopfert und dabei meine eigenen Bedürfnisse vernachlässigt. Dadurch bin ich in eine abhängige Position gekommen. Ich habe auch ganz am Anfang nicht klar genug gemacht, dass mir ausgeglichene Rollen wichtig sind und habe nicht sehen wollen, dass Jan hierzu womöglich von Anfang an nicht bereit war. Anstatt eine offene Klärung zu versuchen, habe ich geklammert, habe gleichzeitig aus Angst aus Mücken Elefanten gemacht (Katastrophisierung). Lange habe ich zu Konflikten geschwiegen und meinen Kopf in den Sand gesteckt, wenn mir dann aber alles zu viel wurde, bin ich ausgerastet (Konfliktvermeidung und Aggressivität). Ich habe auch versucht, alles einzufrieren und keine Veränderungen zuzulassen, gleichzeitig habe ich mir die Sache schöngeredet und bin naiv gewesen. Dadurch habe ich meine eigenen Grenzen nicht rechtzeitig erkannt und zum Ausdruck gebracht. Dies hat mir wiederum Möglichkeiten genommen, die bestehenden Probleme zu klären und zu einer Lösung zu gelangen.

Hierauf werde ich künftig achten

  • Künftig möchte ich in einer Partnerschaft mich nicht mehr selbst nur aufopfern, sondern auch meine eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrnehmen und zum Ausdruck bringen. Ich möchte von Anfang an auf Wechselseitigkeit achten und bestehende Probleme und Konflikte ansprechen, um zu einer Lösung zu gelangen. Vorwürfigkeit und Aggressivität möchte ich dabei vermeiden. Stelle ich bereits kurz nach dem Kennenlernen fest, dass es nicht passt und die andere Person sich nicht einlassen will, grenze ich mich rechtzeitig ab. Ich möchte ein gemeinsames Leben aufbauen, jedoch soll jeder auch seine eigenen Freiräume haben und ich werde auf Eigenständigkeit achten. Ich werde nicht mehr den Kopf in den Sand stecken und auch nicht mehr aus Mücken Elefanten machen, sondern Schwierigkeiten aktiv angehen, um zu einer gemeinsamen Lösung zu gelangen. Dabei muss nicht immer alles so bleiben, wie es war und ist, sondern Veränderungsmöglichkeiten können erkannt, zugelassen und gemeinsam umgesetzt werden.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt?

Ganz so einfach ist es nicht. Trotzdem haben Sie mit Ihrem Veränderungsplan jetzt deutlich bessere Aussichten, vergleichbare Probleme künftig zu umschiffen.

Kein Mensch ist vollständig konsequent und es gelingt uns nicht immer, unsere Vorsätze einzuhalten. Seien Sie daher wachsam und beobachten Sie sich selbst. Wenn Sie feststellen, dass Sie wieder in ungünstige Muster zurückfallen, rufen Sie sich Ihre Vorsätze erneut ins Gedächtnis und werfen Sie rechtzeitig das Steuer herum.

Die eigenen Vorsätze umsetzen

Was aber tun, wenn die Umsetzung der guten Vorsätze partout nicht gelingen will?

Bei einem gutem Selbstmanagement wird dies seltener, bei Defiziten in der Selbststeuerung aber häufiger der Fall sein.

Bestehen bei Ihnen Defizite in der Selbststeuerung?

In diesem Fall macht es Sinn, die Partnersuche zum Anlass zu nehmen, um an der Optimierung der eigenen Selbststeuerung zu arbeiten. In diesem Kapitel wird Ihnen gezeigt, wie dies geht.

Nur wenige Menschen sind gänzlich mit sich zufrieden. Oft tun wir Dinge, die wir eigentlich nicht tun wollen oder sollen. Oder wir unterlassen Dinge, die wir tun möchten oder sollten.

Es handelt sich hier um zwei Arten von Selbstmanagement-Defiziten, für die es unzählige Beispiele im Alltag gibt.

Wir tun, was wir nicht wollen …

  • Menschen rauchen, trinken, essen zu viel oder das Falsche, leiden unter Internetsucht, Sexsucht oder Spielsucht, kaufen mehr ein, als sie sollten, gehen fremd oder hintergehen ihre Beziehungspartner:innen in anderer Art und Weise.

Bei all diesen Verhaltensweisen – und vielen weiteren – liegt ein Selbstregulationsdefizit zugrunde, welches darin besteht, dass Menschen für kurzfristige Belohnungen (beispielsweise Geschmackserlebnisse, Glückserleben durch Gewinne beim Spielen usw.) auf langfristige Belohnungen (beispielsweise Selbstzufriedenheit) verzichten oder sogar dauerhafte Schäden (beispielsweise Nikotinabhängigkeit, Adipositas) erleiden.

Gehen wir fremd oder hintergehen unsere Beziehungspartner:innen in anderer Weise, werden wir oft kurzfristig belohnt (Durchsetzung eigener Bedürfnisse), langfristig sind die Folgen aber ungünstig (Verminderung der Beziehungsqualität).

Wir tun nicht, was wir eigentlich sollten …

  • Menschen treiben keinen Sport, schieben notwendige, aber unangenehme Tätigkeiten gerne auf, vernachlässigen beispielsweise Ordnung, Lernen oder die Arbeit, unterlassen es, unangenehme Besuche durchzuführen oder Termine wahrzunehmen, vermeiden es manchmal gar, erforderliche medizinische Untersuchungen oder Behandlungen durchführen zu lassen.

Anstatt bestehende Probleme aktiv anzugehen und zu lösen, warten wir oft lieber ab. All diesen und vielen weiteren Verhaltensweisen liegt ebenfalls ein Selbstregulationsdefizit zugrunde, welches sich darin äußert, dass Menschen nicht die Anstrengung oder Selbstdisziplin aufbringen, um Notwendiges rechtzeitig zu tun oder nicht vermeidbare Belastungen auszuhalten.

So mögen wir in einer Beziehung wegschauen und Konflikte um jeden Preis vermeiden. Kurzfristig entgehen wir so einer womöglich stressreichen Auseinandersetzung. Langfristig werden die Probleme in der Beziehung fortbestehen und die Beziehungsqualität leiden.

Sympathie und Selbststeuerung

Typischerweise sind uns Menschen sympathischer und werden als attraktiver erlebt, die eine gute Selbstregulation aufweisen. Entsprechend sind Selbstkontrolldefizite also sozial unerwünscht und reduzieren auch bei der Partnersuche die Chancen. Es macht insofern wirklich Sinn, den Beginn der Partnersuche mit einer Verbesserung der Selbststeuerung zu verbinden.

Beim Online-Dating gelten im Durchschnitt Menschen als die besseren Matches, die nicht rauchen, nicht übermäßig trinken oder essen, nicht sexsüchtig, internetsüchtig oder spielsüchtig sind, sondern Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen aufweisen, Sport treiben, auf ihre Gesundheit achten und sich notwendigen Anforderungen stellen, auch wenn diese unangenehm oder anstrengend sind.

Personen mit höherer Selbststeuerung können mit Belastungen besser umgehen, Konflikte eher klären, haben mehr Erfolgserlebnisse und sind mit sich selbst zufriedener. Sie können Probleme in Beziehungen besser managen und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Deshalb werden sie als verlässlicher und vertrauenswürdiger erlebt.

Mit einer Verbesserung Ihrer Selbststeuerung erhöhen Sie Ihre eigene Attraktivität beim Online-Dating. Sie erhöhen aber auch Ihre Beziehungsfertigkeiten, wodurch sich die Aussichten für eine glückliche und stabile partnerschaftliche Beziehung ebenfalls verbessern. Letztlich erhöhen Sie mit einer guten Selbststeuerung die Zufriedenheit mit sich selbst.

Beginnen Sie jetzt mit der Veränderung

Sie wollten schon lange mit dem Rauchen aufhören oder Ihren Alkoholkonsum reduzieren? Sie möchten regelmäßig Sport treiben, gesünder essen oder das Chaos in Ihrem Leben beseitigen?

Wenn große Dinge anstehen, relativieren sich so manche Schwierigkeiten. Die Liebe ist eines der wichtigsten Dinge im Leben. Wenn Sie sich auf dieses Ziel konzentrieren, wird es Ihnen leichter fallen, einiges in Ihrem Alltag zum Positiven zu verändern, selbst wenn es sich bereits um langjährige Gewohnheiten handelt.

Schieben Sie Ihre Veränderungsziele nicht mehr auf, sondern gehen Sie sie nun an.

Bei der Selbstoptimierung geht es nicht darum, sich zu verbiegen, um die Chancen auf dem sogenannten »Partnermarkt« erhöhen. Es geht darum, mit dem zu beginnen, was Sie eigentlich schon immer wollten, und dadurch konsistenter mit sich selbst, zufriedener und beziehungsfähiger zu werden.

Strategien für eine bessere Selbststeuerung

Selbstkontrolle kommt nicht von allein, sondern bedarf des Trainings. Glücklicherweise gibt es Strategien, die Sie anwenden können und die hier gute Arbeit leisten:

Problem und Ziel identifizieren

Machen Sie sich klar, was das Problem ist und was Sie ändern möchten. Definieren Sie die gewünschte Veränderung so genau wie möglich.

Beispiele:

  • Aufhören zu rauchen

  • Kein Fleisch mehr essen

  • Den Alkoholkonsum um die Hälfte reduzieren

  • Jeden Tag eine halbe Stunde joggen

Den Startzeitpunkt festlegen

Setzen Sie sich einen konkreten und zeitnahen Startpunkt, ab dem Sie mit dem gewünschten Verhalten beginnen werden. Schieben Sie den Startpunkt nicht zu weit auf, sondern beginnen Sie zeitnah, beispielsweise nächsten Montag oder schon in einer Stunde.

Erkennen Sie Barrieren und Risikosituationen

Machen Sie sich vorab Gedanken, welche Risikosituationen oder Komplikationen auftreten und Sie von Ihrem Zielverhalten abhalten oder Sie in Versuchung bringen könnten.

Beispiele:

  • ein gemeinsames Essen mit Freunden

  • abendliche Kneipenbesuche

  • mangelnder Schlaf

  • eigene Entschuldigungen (heute darf ich einmal …)

Machen Sie sich Notfallpläne

Planen Sie, wie Sie Risikosituationen und Komplikationen widerstehen werden. Formulieren Sie für sich eine genaue Handlungsanweisung, welche die Dinge beinhaltet, die Sie tun, sagen oder denken werden, um bei Versuchungen stark zu bleiben.

Sehr hilfreich kann es auch sein, den eigenen Freunden klar mitzuteilen, dass Sie nicht mehr rauchen, kein Fleisch essen oder nicht mehr trinken möchten, um einige mögliche Ziele zu benennen.

Je stärker Sie Verbindlichkeit schaffen und um die Respektierung Ihres Wunsches bitten, desto weniger werden Freunde und Bekannte zu negativen Einflüssen werden und Sie von Ihrem Ziel abhalten.

Planen Sie auch, mit welchen Worten Sie sich selbst zur Ordnung rufen und erneut auf Zielkurs bringen werden. Das Zurufen eines inneren »Stopp, ich gebe dieser Versuchung jetzt nicht nach« kann hilfreich sein.

Damit Sie nicht vergessen, was Sie sich vorgenommen haben, mag auch eine Erinnerungsfunktion über Ihr Handy helfen.

Nutzen Sie Selbststeuerungstechniken

Mithilfe von Selbststeuerungstechniken können Sie auf Optimierungskurs bleiben:

  • Selbstbeobachtung: Beobachten Sie sich selbst, damit Sie rechtzeitig erkennen, wenn Sie drohen, schwach zu werden.

  • Selbstinstruierung: Rufen Sie sich zur Ordnung und wenden Sie Selbstinstruktionen an. Üben Sie, Ihren eigenen Instruktionen zu folgen.

  • Selbstbelohnung: Belohnen Sie sich selbst, wenn Sie erfolgreich sind, ob mit Worten (»Mensch, bin ich gut«) oder mit Taten (»heute gönne ich mir einen Kinoabend«).

  • Selbstbestrafung: Scheuen Sie nicht vor Selbstbestrafung zurück, wenn Sie Ihren Vorsätzen nicht folgen. Es geht hier natürlich nicht um schwere Bestrafungen, sondern darum, sich selbst zu kritisieren oder sich eine Vergünstigung zu streichen, die Sie ansonsten in Anspruch genommen hätten.

  • Situationsgestaltung (Stimuluskontrolle): In verschiedenen Situationen verhalten sich die gleichen Menschen unterschiedlich. Bei der Situationsgestaltung als Selbststeuerungstechnik geht es darum, gezielt solche Alltagssituationen herzustellen, die positives Verhalten fördern und negatives Verhalten hemmen. Wenn Sie gerne sportlicher werden wollen, mag es beispielsweise hilfreicher sein, sich mit der joggenden Freundin zu verabreden, anstatt mit dem Freund, der nur gemeinsam Kuchen essen will. Um den Alkoholkonsum zu reduzieren, sind Spaziergänge im Wald sinnvoller als Kneipenbesuche. Eine wirksame Strategie gegen das Verlangen nach Süßigkeiten ist es, diese erst gar nicht mehr einzukaufen, sondern stattdessen im Supermarktregal zu gesundem Obst und Nüssen zu greifen.

Schaffen Sie Motivationsanreize

Ohne konstante Selbstmotivierung gehen viele Vorsätze verloren. Um ein Zielverhalten zu erreichen und aufrechtzuerhalten, ist es daher wichtig, sich immer wieder selbst zu motivieren.

Hilfreich ist hier Zeitprojektion: Stellen Sie sich vor, wie schön es für Sie sein wird, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben. Je lebendiger Sie sich dies vorstellen, desto besser.

Wichtig ist aber auch, an sich selbst zu glauben.

Es reicht nicht, ein Ziel zu haben. Wir müssen uns auch zutrauen, das Ziel zu erreichen. In der Psychologie werden die Überzeugungen, Ziele erreichen zu können, Selbstwirksamkeitsüberzeugungen genannt.

Sind die Selbstwirksamkeitsüberzeugungen gering, werden wir für unsere Ziele nicht aktiv, selbst wenn wir sie uns noch so sehr wünschen. Wenn wir also an uns selbst nicht glauben, beginnen wir gar nicht erst, Veränderungen umzusetzen. Trauen wir uns aber Dinge zu, gehen wir sie an.

Machen Sie sich daher klar, dass jeder die eigene Selbstregulation verbessern kann, auch Sie!

Vorbereitung auf das Online-Dating

Treffen uns Dinge überraschend, sind wir oft hilflos und fühlen uns ihnen ausgeliefert. Haben wir uns aber vorbereitet, können wir auf bereits vorliegende Ideen und Skripte zurückgreifen, sodass die Bewältigung meistens besser gelingt.

Temporärer Misserfolg beim Online-Dating kann durch eine Reihe von Faktoren hervorgerufen werden. Bereiten Sie sich von Anfang an gut auf diese und mögliche weitere Faktoren vor, sodass der Erfolg Ihrer Partnersuche ihnen nicht zum Opfer fällt – auf viele dieser Faktoren werden wir an späteren Stellen noch einmal zu sprechen kommen:

  • Bequemlichkeit: Die Suche nach einer geeigneten Plattform, das Anlegen eines aussagekräftigen Profils, die Pflege eines entstehenden Kontaktes. All dies verlangt Zeit und Bemühen. Erkennen Sie bei sich Impulse zu Bequemlichkeit und Aufschieben? Legen Sie sich klare Vorsätze zurecht und wenden Sie die erworbenen Selbststeuerungstechniken an. Machen Sie sich Ihr Ziel immer wieder bewusst und glauben Sie an Ihre Chancen, über Online-Dating eine Beziehung zu finden.

  • Mangel an Geduld: Dies ist einer der häufigsten Misserfolgsfaktoren beim Online-Dating. Denken Sie langfristig. Eine Partnerschaft soll möglichst für ein ganzes Leben halten. Da darf die Partnersuche durchaus länger dauern, auch 2 – 3 Jahre sind völlig in Ordnung. Rechnen Sie mit einem langen Zeithorizont und freuen Sie sich, wenn es schneller geht.

  • Furcht vor Ablehnung: Gerade Menschen mit Hemmungen und einem fragilen Selbstwert reagieren oft mit innerer Verletztheit auf Absagen und Zurückweisungen. Partnerfindung geht aber meistens nicht über einen geraden Weg, sondern es kommt zu Barrieren und Umwegen. Machen Sie sich vorher die hohe Wahrscheinlichkeit von Ablehnungen bewusst und arbeiten Sie daran, sich eine etwas dickere Haut zurechtzulegen. Betrachten Sie das Online-Dating als Möglichkeit, an mehr Selbstsicherheit zu arbeiten.

  • Angst vor Bindung: Plötzlich verlässt Sie die Courage, wenn es ernst wird? Partnerschaft verlangt eine Bindungsentscheidung. Das Leben ändert sich mit einer Partnerschaft. Es wird nicht nur zu positiven Erfahrungen und Gewinnen, sondern auch zu negativen Erfahrungen und Verlusten kommen. Bei guter Passung und gemeinsamen Zielen werden aber die positiven Seiten überwiegen. Seien Sie sich bewusst, dass es Ambivalenzen gibt und immer geben wird und stellen Sie sich vorab darauf ein, bei guter Gesamtpassung »Ja« zu sagen.

  • Dating-Sucht: Manche Menschen werden regelrecht süchtig vom Dating, weshalb sie keine Entscheidung für eine Beziehung treffen können. Beobachten Sie sich selbst und achten Sie darauf, dass Ihr eigentliches Ziel einer dauerhaften Beziehung nicht durch kurzfristige Vergnügungen und Unterhaltung ersetzt wird. Wird das Dating zum Drang, ist es an der Zeit, die Reißleine zu ziehen. Wechseln Sie spätestens jetzt die Plattform und suchen Sie nur noch dort nach Partnerschaft, wo nicht Unterhaltung und Lebendigkeit, sondern das Kennenlernen eines Menschen im Vordergrund stehen.

Welche weiteren Komplikationen befürchten Sie?

Menschen sind unterschiedlich und bei unterschiedlichen Menschen können daher unterschiedliche Komplikationen auftreten. Die genannten fünf möglichen Komplikationen bei der Online-Partnersuche treten besonders häufig auf, aber die Auflistung ist keineswegs vollständig.

Machen Sie ein Brainstorming und schreiben Sie in Stichworten alle möglichen Komplikationen auf, die Sie sich in Ihrem Fall vorstellen können.

Überlegen Sie nun, wie Sie diesen Komplikationen am besten begegnen können.

Schreiben Sie Ihre Lösungsansätze in Stichpunkten zu den Komplikationen hinzu und bewahren Sie den Zettel auf, um gegebenenfalls später auf ihn zurückzugreifen.

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