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Gleichklang, Beziehungsanarchie und Online-Dating 

Beziehungsanarchie ist ein alternatives Konzept, wie wir unsere Beziehungen führen und entwickeln können:

  • Anstatt fixierte Beziehungskategorien zu verwenden, betrachtet Beziehungsanarchie Beziehungen als ständig gemeinsam aushandelbar und entwickelbar. Arten, Formen und Gestaltungsweisen von Beziehungen sowie die Rollen, die wir in ihnen einnehmen, können sich demnach verschieben, wobei Konsens und gemeinsame Reflexion im Vordergrund stehen.

Das Konzept kommt aus queeren Bezügen, lässt sich aber auf alle Arten von Beziehungen anwenden.

Bei Gleichklang sind Mitglieder, die für das Konzept aufgeschlossen sind, nicht die Mehrheit, aber eine signifikante Minderheit. Auf jeden Fall deutlich mehr Menschen als auf Mainstream-Dating-Portalen.

Beziehungen im Zeitalter von Online-Dating, Dating-Apps und Marktlogik

Online-Dating, Dating-Apps und digitale Partnervermittlungen prägen heute in hohem Maße, wie Menschen Beziehungen anbahnen:

  • Das vorherrschende Modell des Online-Dating ist dabei marktförmig organisiert, wobei es in paradoxer Art und Weise zwar die monogame romantische Zweierbeziehung in den Vordergrund stellt, tatsächlich aber von seiner Struktur auf kurzfristige Kontakte, oberflächlichen Austausch, das Sammeln von Matches sowie die Absenkung von Bindungsbereitschaft ausgerichtet ist. So entstehen Beziehungen im Sinne von „Liquid Love“ des Soziologen Zygmunt Bauman, die sich durch ihren Charakter aus mangelnder Tiefe und Verlässlichkeit auszeichnen.

Was dem typischen Online-Dating gemeinsam ist, ist die klare Differenzierung zwischen romantischen Beziehungen und anderen Beziehungen wie Freundschaften, Bekanntschaften oder auch sexuellen Kontakten.

Bei Gleichklang handhaben wir dies anders:

  • Mit Gleichklang stellen wir seit 2006 ein psychologisch fundiertes Gegenmodell zu dem mittlerweile weitgehend dominierenden Online-Dating dar. Bei Gleichklang suchen und finden Mitglieder romantische Beziehungen, darunter Zweierbeziehungen wie auch polyamore Beziehungen, Freundschaften, Projekte und Gemeinschaften. Der Übergang zwischen diesen verschiedenen Beziehungstypen ist dabei jederzeit möglich, Veränderungen in alle Richtungen sind möglich und treten auch tatsächlich ein.

Mitglieder von Gleichklang entsprechen meistens nicht dem stromlinienförmigen Mainstream, sondern denken gesellschaftlich kritisch und reflektiert. Politisch sind die meisten links orientiert, wobei sich diese nicht selten – in einem dynamischen Verhältnis – ebenfalls mit Interesse an Spiritualität oder auch nicht-spiritueller Selbsterweiterung verbunden zeigen.

Unsere Aufgabe als Dating-Plattform, Partnervermittlung und Freundschaftsvermittlung ist dabei, aus diesem weiten und heterogenen Feld diejenigen Menschen zu finden, die miteinander glückliche Beziehungen führen können. In diesem gesellschaftlichen Spannungsfeld gewinnen Konzepte wie Beziehungsanarchie zunehmend an Bedeutung.

Gleichklang als Dating-Plattform und Partnervermittlung im erweiterten Sinn

Gleichklang ist eine Dating-Plattform, Kennenlernplattform und Partnervermittlung, die sich ausdrücklich nicht auf das klassische Modell der monogamen Paarbeziehung beschränk:

  • Die meisten Menschen suchen bei uns nach romantischen Zweierbeziehungen. Aber ein signifikanter Anteil ist aufgeschlossen für offene Beziehungen, polyamore Beziehungen oder Freundschaftskontakte. Anderen geht es um das Beziehungsleben an sich, und sie wollen ohne hierarchische Festlegungen und Einschränkungen die anarchische, gemeinsame Entwicklung von Beziehungen in den Vordergrund stellen.

Nach der Beziehungshierarchie entwickeln sich Beziehungen permanent im Prozess von Reflexion und Aushandlung:

  • Bei Gleichklang kommen wir diesem Ansatz entgegen, weil wir uns nicht auf romantische Zweierbeziehungen einschränken, sondern unseren Mitgliedern einen breiten Raum geben, ob nach Partnerschaften, Freundschaften, Projekten oder Gemeinschaften zu suchen ist.

Obgleich wir uns in der marktliberalen Gesellschaft reproduzieren müssen, um zu überleben und tätig sein zu können, verstehen wir uns im Unterschied zu den meisten Dating-Apps, anderen Dating-Systemen und auch Singlebörsen nicht als marktorientiertes Matching-System, sondern als eine wertebasierte, psychologisch fundierte Kennenlernstruktur:

  • Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen, die in grundlegenden Wertfragen, Lebensstilen und Beziehungsvorstellungen kompatibel sind. Kompatibilität ist dabei aber wiederum kein statischer Zustand, sondern für uns nur ein Potenzial, das die Mitglieder selbst im Verlauf ihrer Beziehungen entstehen lassen und kontinuierlich weiterentwickeln.

Partnersuche, Beziehungssuche und Beziehungsanarchie

Beziehungsanarchie ist ein Ansatz der Beziehungsgestaltung, der feste Hierarchien, normative Rollenzuweisungen und vorgegebene statische Beziehungsskripte ablehnt:

  • Beziehungen werden nicht nach festen Kategorien wie Partnerschaft, Freundschaft, Affäre, sexueller Beziehung, Bekanntschaft oder Projekt bewertet, sondern nach der realen innerpsychischen und materiellen Bedeutung, die sie für die beteiligten Personen haben.

Beziehungen werden nicht priorisiert, gelten nicht als höherwertig oder minderwertig, sondern entstehen permanent aus weiterlaufenden individuellen Vereinbarungen und Lebenserfahrungen der beteiligten Personen.

Der Begriff der Anarchie bedeutet hier also nicht Regellosigkeit, sondern die bewusste Abkehr von normativen Erwartungen und dem zwangsläufigen Einfügen in gesellschaftlich enge Schablonen.

Im Vordergrund stehen die Individuen, die sich miteinander verbinden möchten und diese Verbindung als einen Prozess des fortdauernden gemeinsamen Erlebens und Aushandelns betrachten.

Freie Liebe, Kommunen und frühe Experimente

Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert formulierten anarchistische, feministische und sozialrevolutionäre Strömungen ihre Kritik an Ehe, Besitzdenken und staatlicher Kontrolle über intime Beziehungen.

Die Idee der freien Liebe zielte auf die Befreiung von Ehezwang, sexueller Doppelmoral und patriarchaler Ordnung, war dabei aber vielfach auf den Bereich der Sexualität beschränkt, ohne die Möglichkeiten romantischer Beziehungen, Freundschaften oder die Interaktion zwischen diesen Formen der freien Liebe und romantischen Beziehungen oder Freundschaften zu reflektieren.

Aus der Befreiung entstand in manchen Kommunen sogar eine neue Unfreiheit, weil wiederum feste Vorgaben gemacht wurden, die lediglich die vorherigen Normen ersetzten, anstatt in einen Prozess des ergebnisoffenen und nicht endenden Auslotens einzutreten.

Nach der Oktoberrevolution 1917 kam es in der frühen Sowjetunion übrigens zu einer kurzen Phase experimenteller Offenheit. Ehegesetze wurden liberalisiert, Scheidungen erleichtert, traditionelle Familienmodelle infrage gestellt. In diesen kurzen Momenten der radikalen Öffnung im Beziehungsbereich entstanden Kommunen, Dreier- und Viererbeziehungen sowie Formen geteilter Sexualität. Mit der stalinistischen Wende ab den 1930er-Jahren wurden all diese befreienden Ansätze beendet und erneut ein konservatives Familienmodell aufgezwungen.

Die Idee endete jedoch niemals:

  • In den 1960er- und 1970er-Jahren griffen die westlichen Gegen- und Protestkulturen alternative Beziehungen erneut auf und stellten sie in das Zentrum experimenteller Praktiken. Kommunen, freie Liebe und kollektive Lebensformen mit Mehrfachbeziehungen, rotierenden Beziehungskonstellationen oder offenen sexuellen Strukturen wurden praktiziert. Die meisten scheiterten jedoch an neuem Autoritarismus und fehlender Reflexion, Neuaushandlung und Verantwortungsübernahme. Machtverhältnisse wurden nicht aufgehoben, sondern unreflektiert fortgesetzt, oder neue Machtverhältnisse entstanden.

Gerade aus diesen Erfahrungen entwickelten sich jedoch Impulse, alternative Beziehungen erneut in den Vordergrund zu stellen, sie aber an Individualität, Reflexion und Aushandlung zu koppeln, ohne Vorgaben zu machen.

Moderne Beziehungsanarchie

Die moderne Beziehungsanarchie entwickelte sich in Skandinavien und entstammt queeren Zusammenschlüssen und Lebensweisen. In dem maßgeblichen und den Begriff prägenden Text von Andie NordgrenThe Short Instructional Manifesto for Relationship Anarchy aus dem Jahr 2006 sind die zentralen Aspekte der Beziehungsanarchie folgendermaßen dargelegt:

  • Alle Beziehungen sind gleichwertig und können bewusst, individuell und ohne vorgegebene Hierarchisierung gestaltet werden. Alle Formen von Beziehungen sind hier eingeschlossen.
  • Ziel von Beziehungen ist ein Konsens miteinander, der durch Kommunikation und Respekt vor der wechselseitigen Autonomie erreicht wird. Solche beziehungsanarchischen Konstellationen treten aus institutionellen Vorgaben und kollektiver Normierung heraus und lassen alle Individuen miteinander ihre Beziehungen aushandeln, gestalten und entwickeln.

Beziehungsanarchie weist in der Praxis und auch in der Theorie Überschneidungen mit polyamoren Beziehungen auf, legt den Schwerpunkt jedoch auf Enthierarchisierung und strukturelle Individualisierung.

Beziehungsanarchie ist keine politische Ideologie, sondern ein Konzept von Beziehungsgestaltung. Aufgrund ihres radikalen und kritischen Zugangs ist sie jedoch bezüglich der beteiligten Personen oftmals verbunden mit antikapitalistischen, antiautoritären, anarchistischen und queer-feministischen Strömungen. Zentrale Grundannahme ist dabei auch, dass Bindung nicht durch Besitz, sondern aufgrund fortlaufender freiwilliger Entscheidungen entsteht.

Beziehungsanarchie nimmt keine dezidierte Haltung zu Spiritualität oder Religion ein, steht aber allen autoritären Strukturen ablehnend gegenüber. In einzelnen beziehungsanarchischen Einheiten können sich jedoch Bezüge zu Spiritualität ergeben, beispielsweise als eine Praxis bewusster Achtsamkeit.

Wie Beziehungsanarchie konkret gelebt wird

Menschen, die in einer beziehungsanarchischen Verbindung miteinanderstehen, orientieren sich an folgenden Prozessen:

  • Romantische oder sexuelle Beziehungen haben keinen strukturellen Vorrang vor Freundschaften, Wahlfamilien, Projektbeziehungen oder politischen Gemeinschaften. Bedeutung entsteht aus der gelebten Beziehung selbst, nicht aus ihrer Kategorie. Entsprechende Kategorisierungen, die die Beteiligten ihren Beziehungen zuschreiben, können sich daher auch verändern.
  • Es gibt keine Hauptbeziehungen oder Nebenbeziehungen, sondern zwischenmenschliche Beziehungen sind ein dynamisches Feld vielfältiger Interaktionen. Beziehungen werden nicht hineingerutscht und auch nicht passiv beibehalten, sondern bewusst gestaltet auf der Basis expliziter Vereinbarungen, Gespräche und authentischer Kommunikation. Die Beteiligten entscheiden, was für sie relevant ist; festgelegte und vorgegebene Formen gibt es nicht.
  • Unbedingtes Fundament ist neben der Reflexion die Freiwilligkeit als Voraussetzung für Nähe jeder Form. Der Fokus auf freiwillige Entscheidungen ersetzt Besitzdenken, Angst und soziale Erwartungen. Beziehungsformen bleiben dabei so lange bestehen, wie sie von allen Beteiligten getragen werden, können sich dabei jederzeit verändern.
  • Autonomie der Einzelnen ist entscheidend. In Beziehungen bleiben wir eigenständige und selbstverantwortliche Personen, die freiwillig miteinander in Verbindung treten. Explizite Gespräche sind wichtig. Individuelle Vereinbarungen sind dabei niemals endgültig und können jederzeit veränderten Lebenssituationen und Bedürfnissen angepasst werden.
  • Zweierbeziehungen sind möglich, aber sie werden nicht selbstverständlich vorausgesetzt. Konflikte oder Eifersucht werden nicht in die Verdrängung geschoben, sondern ihnen wird eine zentrale Funktion als Hinweisgeber für Bedürfnisse, Verletzlichkeiten oder Handlungsoptionen zugeschrieben.

Beziehungsanarchie, Partnersuche und Beziehungssuche bei Gleichklang 

Beziehungsanarchie selbst setzt eine hohe Reflexionsbereitschaft der Beteiligten und das wechselseitige Interesse an expliziten, immer wieder neu ausgehandelten Vereinbarungen voraus. Beziehungsanarchie ist in diesem Sinn ein fortwährender Prozess des geistig-emotionalen Austausches, der jedoch nicht durch normative Dauerstatus begrenzt wird.

Als eine alternative Form der Partnersuche und des Kennenlernens haben wir bei Gleichklang eine Community aufgebaut, in der sich durch den Gedanken der Beziehungsanarchie motivierte Menschen begegnen und ein beziehungsanarchisches Leben miteinander umsetzen können.

Auch wenn die Mehrheit unserer Mitglieder Beziehungsanarchie nicht als ihr Leitkonzept ansieht, gibt es vielfache Annäherungen und deutlich mehr als bei anderen Dating-Seiten und Kennenlernplattformen Einzelne, die sich in ihren Beziehungsmodellen und ihrem Beziehungserleben an der Beziehungsanarchie orientieren.

Vor diesem Hintergrund bestehen bei Gleichklang gute Aussichten, beziehungsanarchische Beziehungen begründen und entwickeln zu können:

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