Jetzt Mitglied werden

← Zum Inhaltsverzeichnis des Buches

Schutz vor Love-Scammern, Liebes-Betrug und sexuellen Übergriffen

Es gibt unerfreuliche Themen, die in einem Buch über die Online-Partnersuche nicht verschwiegen werden dürfen:

  • Love-Scammer sind Betrüger:innen, die gezielt über Online-Dating-Plattformen und soziale Netzwerke agieren. Ihr Ziel ist die finanzielle Bereicherung. Zu diesem Zweck versuchen sie, bei ihrem Gegenüber positive Gefühle zu erzeugen, um diese im Anschluss ausnutzen zu können.

  • Sexuelle Übergriffe sind ein allgemeines gesellschaftliches Problem, welches auch beim Online-Dating auftritt. Mehrheitlich betroffen von solchen Übergriffen sind Frauen und non-binäre Personen, aber auch Männer können betroffen sein.

Es ist daher wichtig, wirksame Strategien zu ergreifen, um sich bei der Online-Partnersuche vor Love-Scammern und sexuellen Übergriffen zu schützen.

Liebes-Betrüger:innen im Internet

Wie gesagt, sind Love-Scammer Betrüger:innen, die gezielt über Online-Dating-Plattformen und soziale Netzwerke agieren. Ihr Ziel ist es, sich finanziell zu bereichern. Hierzu versuchen sie, bei ihrem Gegenüber positive Gefühle zu erzeugen, um diese im Anschluss ausnutzen zu können. Dabei kommt es im Regelfall nie zu direkten Begegnungen, die Kommunikation bleibt auf der Online-Ebene, es wird telefoniert und selten finden auch Video-Gespräche statt. Video-Gespräche sind selten, weil oft mit falschen Bildern operiert wird.

Ist eine emotionale Verbindung hergestellt, wird von Notlagen erzählt, die angeblich ein direktes Kennenlernen verhindern. Meistens halten sich die Betreffenden angeblich (und übrigens auch oft tatsächlich) im Ausland auf und es tritt angeblich eine Serie von Komplikationen auf, die eine finanzielle Unterstützung erforderlich machen.

Begonnen wird meistens mit relativ geringen Bitten um finanzielle Unterstützung, die sich nachfolgend so lange steigern, bis die Geschädigten über keine Mittel mehr verfügen oder den Betrug erkannt haben und aussteigen. Geschädigte werden ebenfalls gelegentlich für Geldwäsche (Überweisung von zu waschenden Geldbeträgen auf das eigene Konto) oder als Drogenkuriere eingesetzt.

Hinter Profilen von Love-Scammern verbergen sich in der Regel nicht Einzelpersonen, sondern mehrere Personen oder eine Organisation. Typischerweise werden falsche Fotos eingesetzt und es wird ein fiktives Profil erstellt, welches romantische Sehnsüchte anspricht.

Love-Scammer schleichen sich immer wieder bei Dating-Portalen ein, um so an neue Opfer heranzukommen. Sie versuchen dabei, Einsamkeit und das Bedürfnis nach Liebe auszunutzen.

Oft charakterisieren sich Profile von Love-Scammern durch einen englischen oder in gebrochener deutscher Sprache geschriebenen Text, wobei unmittelbar im freien Text – wenn die Dating-Plattformen dies zulassen – bereits auf eine E-Mail-Adresse, Facebook oder einen Messengerdienst hingewiesen wird. Dies tun Love-Scammer, weil sie mit der schnellen Löschung ihres Profils rechnen. So möchten sie rasche Kontaktmöglichkeiten schaffen.

Meistens melden sich Love-Scammer eigeninitiativ bei ihren potenziellen Opfern, wobei sie typischerweise gleich alle möglichen in Frage kommenden Personen anschreiben. In der Regel wird vorgeschlagen, die Kommunikation sofort über die erwähnte E-Mail-Adresse, Facebook oder einen Messenger-Dienst ablaufen zu lassen. Lässt sich ein Opfer hierauf ein, wird es bald romantische Texte und Liebesbeteuerungen erhalten, die die Sehnsüchte vieler Partnersuchenden ansprechen.

Mittlerweile gibt es aber auch bereits raffiniertere Vorgehensweisen mit professionelleren Texten. Weil Dating-Plattformen nach auffälligen Kommunikationsmustern suchen, schreiben manche Love-Scammer nur noch wenige Personen an oder warten sogar ab, bis sie selbst kontaktiert werden. Sie lassen sich in diesem Fall auch länger auf eine Kommunikation innerhalb der Dating-Plattform ein, um nicht vorschnell erkannt zu werden.

Oft geht der Kontakt irgendwann auf die telefonische Ebene über, die dann im Regelfall auf Englisch erfolgt. Love-Scammer achten darauf, die Sehnsüchte des Gegenübers zu erkennen und zu nutzen. Sie machen Hoffnung auf die große Liebe und eine dauerhafte Beziehung, betreiben Love-Bombing mit Liebesbotschaften und erzeugen so bei den Geschädigten ein Gefühl des Verliebtseins. Die Geschwindigkeit und Stärke, mit der eine solche vermeintliche Liebe entsteht, sind enorm.

Auf Vorschläge für persönliche Begegnungen wird oftmals zunächst ausweichend reagiert. Hindernisse werden benannt und Verabredungen werden mehrfach verschoben. Dafür wird fast immer ein aktueller Auslandsaufenthalt mit finanziellen, gesundheitlichen oder juristischen Problemen als Ursache genannt. Um Misstrauen zu zerstreuen, können gefälschte Ausweiskopien zugesandt werden. Es können auch Kontaktadressen von angeblichen Rechtsanwälten gegeben werden, hinter denen sich tatsächlich die kriminelle Organisation oder Freunde des Täters verbergen.

Geraten Sie in so eine Situation und wollen nicht glauben, dass Sie es mit Love-Scammern zu tun haben, lautet der dringende Rat, sich an die Botschaft des angeblichen Herkunftslandes der Person in ihrem angeblichen Aufenthaltsland zu wenden, anstatt mit irgendwelchen nicht zu identifizierenden Personen noch länger zu kommunizieren. Sinnvoller ist es aber, den Kontakt sofort abzubrechen, was leider viele nicht tun wollen.

Früher oder später werden alle Love-Scammer eine finanzielle Forderung stellen. Typischerweise wird eine besondere Lebenssituation geschildert, die plötzlich in einer akuten Finanznot resultiere – z. B. aufgrund von Passverlust, Erkrankung, Problemen von Familienangehörigen oder Schwierigkeiten mit den Behörden.

Die Opfer werden gebeten, kurzfristig zu helfen, wobei der zeitliche Druck hoch ist und zu einer sofortigen Entscheidung gedrängt wird. Auch eine baldige Begegnung wird in Aussicht gestellt. Lassen sich Opfer hierauf ein und tätigen einen Geldtransfer, gibt es kurze Zeit später meist schon neue Komplikationen und es wird um weitere Summen gebeten.

Die finanziellen Forderungen enden erst, wenn das Opfer den Kontakt beendet. Zudem werden die Adressen der Geschädigten aufgehoben und später für weitere Betrugszwecke verwandt. Adressen werden auch im Darknet verkauft.

Beim Love-Scamming handelt es sich um einen Teil der organisierten Kriminalität. Love-Scammer sind darauf spezialisiert, beim Opfer Gefühle und emotionale Abhängigkeiten zu erzeugen, um es finanziell auszunehmen. Opfer können alle Geschlechter sein, auch wenn Frauen am häufigsten betroffen sind.

Opfer von Love-Scammern werden nicht nur finanziell, sondern auch emotional geschädigt. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Traumatisierung mit fortbestehendem Misstrauen kommen, die der weiteren Partnersuche im Wege steht. Auch schwerwiegende Trauerprozesse können durch die Aufdeckung des Betrugs und den Wegfall der vermeintlichen Beziehung ausgelöst werden.

Sicherer Schutz vor Love-Scammern ist möglich

Die gute Nachricht in Anbetracht dieses bedrückenden Themas ist, dass Sie sich vor Love-Scammern sehr gut schützen können:

  • Schalten Sie Ihren Verstand ein und lassen Sie den Wunsch nicht Vater oder Mutter des Gedankens sein. Eine so schnelle innige Verbundenheit und tiefgreifende Liebe, wie sie Love-Scammer oftmals bereits ab der zweiten E-Mail-Nachricht vorgaukeln, sollte immer Anlass zur Skepsis sein. Ist die Basis für so starke Gefühle bei Ihrem Gegenüber wirklich bereits gegeben? Stellen Sie sich diese Frage und behalten Sie einen kühlen Kopf.

  • Auffällige Unstimmigkeiten sind Grund zur Vorsicht. Lassen Sie sich nicht durch schöne Worte besänftigen, wenn Sie im Profil oder in den Nachrichten Ihres Gegenübers Unstimmigkeiten oder Widersprüche entdecken. Nehmen Sie diese zum Anlass, um an der Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit der Person, mit der Sie kommunizieren, zu zweifeln.

  • Bestehen Sie auf einem Video-Gespräch, Telefon genügt nicht. Wegen der oftmals falschen Bilder wollen viele Love-Scammer Video-Gespräche vermeiden. Ganz sicher ist auch dieser Schutz freilich nicht, weil einige auch mit Bildern operieren mögen.

  • Werden Sie misstrauisch, wenn Verabredungen verzögert oder verschoben werden. Wird auf den Wunsch nach einer Verabredung ausweichend reagiert, werden Hindernisse benannt oder finden gar mehrfache Verschiebungen statt, ist dies Anlass genug für ernsthaften Zweifel. Dies gilt auch und gerade dann, wenn sich die Person im Ausland aufhält und einen Besuch in Aussicht stellt, der sich aufgrund diverser Komplikationen immer wieder verzögert.

  • Fragen Sie bei der Dating-Plattform nach, wenn Ihnen irgendetwas unstimmig vorkommt. Bleiben Sie mit Ihrem Verdacht nicht allein. Oftmals wird es hierdurch dem Dating-Anbieter erleichtert, auffällige Muster zu erkennen, Love-Scammer zu identifizieren und zu entfernen. Mit Ihrer Meldung helfen Sie anderen und sich selbst. Wird das Profil blockiert oder verschwindet plötzlich, halten Sie auf keinen Fall Kontakt über E-Mail, soziale Netzwerke oder Messenger-Systeme. Haben Sie bereits Ihre Telefonnummer ausgetauscht, legen Sie auf, wenn die betreffende Person sich meldet, oder wechseln Sie die Nummer.

  • Hilfreich ist es auch, wenn Sie Unstimmigkeiten mit Freunden oder Familienangehörigen besprechen und diesen hierfür den Nachrichtenaustausch zur Verfügung stellen. Bekämpfen Sie Ihre Impulse, gar nicht hinschauen zu wollen, weil die romantischen Gefühle und die Sehnsucht bereits zu groß sind. Ist es echte Liebe, wird ein genauer und prüfender Blick sicherlich keinen Schaden anrichten können. Laufen Sie aber Gefahr, Opfer von Love-Scammern zu werden, können Sie so das Schlimmste noch abwenden.

  • Finanzielle Bitten jeder Form sollten immer und ohne Ausnahme die sofortige Beendigung des Kontaktes bedeuten. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Liebe ist nicht käuflich. Versuchen Sie nicht, durch finanzielle Unterstützung Ihre Sehnsucht kurzfristig aufrechtzuerhalten oder zu befriedigen. Jedwede Bitte nach finanzieller Unterstützung ist im Prozess der Partnersuche unangemessen und weist in nahezu allen Fällen und mit nahezu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf das Treiben von Love-Scammern hin.

Wie gesagt, Zielstellung der Love-Scammer ist die finanzielle Bereicherung – deshalb sind ab einem bestimmten Punkt der Kommunikation Bitten um finanzielle Unterstützung für Love-Scammer nahezu unumgänglich. Damit geben sie sich aber als Love-Scammer zu erkennen.

Wenn Sie es sich zur eisernen Regel machen, jeden Kontakt ohne Umschweife abzubrechen, der mit einer finanziellen Bitte oder Forderung an Sie herantritt, sind Sie gegenüber den allermeisten Love-Scammern gefeit und somit auf der sicheren Seite.

Allerdings gibt es einige, wesentlich seltenere Methoden von Love-Scammern, um Partnersuchende auszunutzen oder zu kriminellen Handlungen zu verleiten.

Beenden Sie den Kontakt sofort, wenn folgende Ereignisse eintreten:

  • Die mit Ihnen scheinbar romantisch verbundene Person bittet Sie, ihr Ihre Bankdaten zu geben. Lassen Sie sich hierauf nicht ein, egal, welche Gründe der Betreffende benennt, warum er auf Ihr Konto Geldbeträge überweisen möchte. In aller Regel wird es sich um Geldwäsche handeln und Sie begeben sich in Gefahr, selbst Straftaten zu begehen.

  • Sie werden gebeten, irgendwelche Koffer oder andere Gegenstände über Mittelleute anzunehmen oder zu transportieren. Dies mag mit der Aussicht auf ein Treffen in einem anderen Land verbunden sein. In Wirklichkeit sollen Sie hier für Schmuggel, in der Regel Drogen-Schmuggel, eingesetzt werden.

Es mag vorkommen, dass Sie in ein anderes Land reisen sollen, damit Sie sich beide treffen können. Dies allein kann durchaus ein legitimer Kennenlernprozess sein. Stellen Sie aber sicher, dass Sie vorher über offizielle Wege die Identität der betreffenden Person abgeklärt haben, und treffen Sie sich nur an neutralen Orten. Informieren Sie auch Freunde oder Familienangehörige und suchen Sie vor Ort nach unabhängigen Kontakten (z. B. ausgewanderte Landsleute).

Ohnehin sollten Sie eine solche Auslandsreise nur nach guter Überlegung antreten und wenn tatsächlich keinerlei Unstimmigkeiten zu erkennen sind. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Botschaft vor Ort, ob diese eine Gefahr sieht.

Lehnen Sie selbst bei einem positiven Verlauf des Treffens unbedingt jeden Wunsch ab, irgendwelche Gepäckstücke für die betreffende Person zu transportieren. Es gibt Fälle, wo Love-Scammer sich tatsächlich im Ausland mit Ihren Opfern getroffen haben und auch intim geworden sind, um sie sodann als Drogenkuriere zu benutzen. Dagegen können Sie sich mit Vorsicht und Wachsamkeit schützen.

Geschädigte von Love-Scammern können sehr unterschiedlich reagieren:

  • Eine Übersichtsarbeit von Coluccia et al. (2020) beschreibt Schock, Wut, Trauer, aber auch die Leugnung des Betrugs, Selbstbeschuldigungen oder die Suche nach sozialer Unterstützung. Aus dem Übersichtsartikel wird deutlich, dass Frauen mittleren Alters häufiger betroffen sind als Männer und andere Altersgruppen. Opfer von Love-Scammern zeigen im Durchschnitt erhöhte Idealisierungstendenzen, Impulsivität, Neurotizimus, Einsamkeit, aber auch eine erhöhte Neigung zur Sucht.

Es geht hier keineswegs darum, den Geschädigten die Verantwortung zuzuweisen, sondern darum, persönliche Merkmale zu erkennen, die von Love-Scammern ausgenutzt werden können.

Sich die eigene Situation und die eigenen Merkmale bewusst zu machen, kann dazu beitragen, dass Sie sich bei Warnsignalen strikt an Ihrem Verstand orientieren und den obigen Empfehlungen folgen.

Einsamkeit und der Wunsch nach einer baldigen Partnerschaft sollten nicht dazu führen, dass Sie sich den Blick verstellen lassen und auf Love-Scamming mit Idealisierung oder Verleugnung reagieren.

Es kann eine Stärke sein, ein kurzentschlossener Mensch zu sein, dennoch sollte die Vorsicht bei der Partnersuche nicht außer Acht gelassen werden.

Geben Sie Love-Scammern keine Chance. Setzen Sie einen klaren Schlusspunkt, sobald Anzeichen von Love-Scamming erkennbar werden, und wenden Sie sich bei Unsicherheit sofort an die jeweilige Plattform.

Sind Sie Opfer von Love-Scammern geworden, sollten Sie Anzeige erstatten; auch können Sie sich an Selbsthilfeplattformen wenden.

Sexuelle Übergriffe

Sexuelle Gewalt ist ein endemisches Problem in allen Gesellschaften:

  • Nach einer repräsentativen Befragung des National Center for Injury Prevention and Control zu erlittener sexueller Gewalt in den USA (2018) erlebte fast jede zweite Frau (43,6 %) mindestens einmal in ihrem Leben sexuelle Gewalt, wobei fast jede fünfte Frau (21,3 %) Opfer einer Vergewaltigung oder einer versuchten Vergewaltigung wurde. Bei den Männern wurde fast jeder vierte Mann (24,8 %) Opfer sexueller Gewalt, wobei 7,1 % über eine erzwungene Penetration einer anderen Person und 2,6 % über eine erlittene eigene Vergewaltigung berichteten.

  • Ein früherer Report (2013) des National Center for Injury Prevention and Control zum Zusammenhang zwischen sexueller Gewalterfahrung und sexueller Orientierung zeigte wesentlich höhere Raten erlittener sexueller Gewalt bei bisexuellen Frauen im Vergleich zu heterosexuellen Frauen, sowie bei homosexuellen und bisexuellen Männern im Vergleich zu heterosexuellen Männern.

  • Eine Studie von Langenderfer-Magruder et a. (2016) weist auf ein erhöhtes Risiko für Transgender-Personen im Vergleich zu homosexuellen und bisexuellen Cis-Männern und Cis-Frauen hin. (Cis bezieht sich auf die Übereinstimmung zwischen der geschlechtlichen Identität und dem biologischen Geschlecht.)

Es liegen keine repräsentativen Daten zur Häufigkeit von sexueller Gewalt beim Online-Dating vor. Zu unterscheiden ist dabei zwischen sexueller Belästigung auf der Online-Ebene, Erpressung mit ausgetauschtem sexuellem Material sowie sexueller Gewalt und Übergriffigkeit bei Treffen mit Personen, die ursprünglich online kennengelernt wurden.

Einige Untersuchungen haben sich dem Thema bereits gewidmet:

  • In einer Studie von Choi et al. (2016) mit Studierenden aus Hongkong berichteten 12,4 % der Befragten, im zurückliegenden Jahr sexuelle Gewalt oder Übergriffigkeit außerhalb des Internets erlitten zu haben, wobei sich die Benutzung von Dating-Apps als ein Risikofaktor hierfür zeigte.

  • Echevarria (2021) untersuchte die Häufigkeit von erlittener sexueller Gewalt und Übergriffigkeit bei 144 Studierenden, die Dating-Apps verwendeten: 88,1 % der Befragten berichteten von sexueller Belästigung über das Internet, 37,8 % berichteten von ungewollter Zusendung sexueller Bilder, 42,0 % schilderten sexuelle Aggression oder Zwang und 49,7 % schilderten auf ihr Geschlecht oder ihre sexuelle Orientierung bezogene sexuelle Belästigung. Es zeigten sich zudem statistisch bedeutsame Zusammenhänge zwischen erlittenen sexuellen Übergriffen und psychischer Belastung in Form von Angst, Depression, Einsamkeit, verminderter Selbstkontrolle, geringem Selbstwert oder traumatischen Erinnerungen.

Manche Täter suchen gezielt auf Online-Dating-Plattformen nach Opfern für geplante sexuelle Übergriffe. Ebenso können sexuelle Übergriffe stattfinden, die vorher nicht geplant waren und die eher aus der Situation heraus impulsiv stattfinden, wobei Alkohol- und Substanzkonsum eine erleichternde Rolle spielen können.

Es ist wichtig, dass Sie diese Risiken kennen und Sie wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen, damit Ihre Online-Partnersuche zu positiven menschlichen Begegnungen und nicht zum Leid durch sexuelle Übergriffe führt.

Eine Garantie auf Sicherheit kann es nicht geben, aber mit folgenden Strategien können Sie das Risiko sexueller Übergriffe deutlich vermindern:

Strategien zur Risikominimierung

Eine Garantie auf Sicherheit kann es nicht geben, aber mit folgenden Strategien können Sie das Risiko sexueller Übergriffe deutlich vermindern:

Wählen Sie eine kostenpflichtige Partnervermittlung

Kostenlose Portale und Dating-Apps werden besonders oft von Personen genutzt, denen es nicht um eine echte Partnersuche geht. Einige dieser Personen wiederum zeichnen sich verstärkt durch Impulsivität, Substanzmissbrauch, Sexsucht oder die Bereitschaft zu sexuellen Übergriffen aus.

Bei Dating-Apps und Singlebörsen kann ein schnellerer Zugang zu einer größeren Anzahl von Personen erfolgen, die sich in räumlicher Nähe aufhalten, als bei Partnervermittlungen, wo Vorschläge durch den Algorithmus gesteuert sind und in der Regel länger ausschließlich anonym und über die Plattform kommuniziert wird.

Wer gezielt nach Opfern für sexuelle Übergriffe sucht, wird auch um der Anonymität willen meistens keine kostenpflichtigen Plattformen nutzen wollen. Natürlich ist dies keine absolute Schranke, zumal teilweise auch anonyme Zahlungen oder Zahlungen mit entwendeten Zahlungsdaten möglich sind.

Erstes Treffen an einem öffentlichen Ort

Es ist dringend davon abzuraten, sich in einer Privatwohnung oder draußen an einsamen Orten zu verabreden. Hier steigt die Gefahr, Opfer sexueller Übergriffe zu werden. Öffentliche Plätze der Innenstadt oder Cafés sind der geeignete Ort für die erste Begegnung.

Benachrichtigen Sie Freunde oder Bekannte

Erzählen Sie Freunden oder Bekannten von Ihrer Verabredung und sagen Sie Ihnen auch, an welchem Ort Sie sich treffen. Vereinbaren Sie unbedingt eine telefonische Sicherheitsrückmeldung. Das Telefonat können Sie offen vor der Person führen, mit der Sie sich treffen. Die andere Person darf und soll wissen, dass das Treffen kein Geheimnis ist. Sie signalisieren damit, dass Sie nicht allein stehen. Für Personen, die Übergriffe planen, ist dies oft eine Abschreckung, und das Wissen darum, dass auch andere einbezogen sind, mag jemanden von spontanen Übergriffen abhalten.

Achten Sie auf Ihr Bauchgefühl

Sie können es vielleicht nicht genau benennen, aber Ihr Gefühl sagt, dass irgendetwas nicht stimmt? Nehmen Sie dieses Signal ernst, denn oft bemerken wir Gefahren, noch bevor wir sie bewusst erfassen und begründen können. Da Sie sich an einem öffentlichen Ort befinden, können Sie dennoch ruhig und gelassen bleiben. Nehmen Sie sich die Zeit, um Ihr Gefühl zu überprüfen. Scheuen Sie sich nicht, eine Verabredung mit freundlichen Worten zu beenden, wenn das bedrohliche Gefühl bleibt. Sie können sich auch von Freunden abholen lassen, wenn Sie einen Ort allein nicht verlassen wollen.

Sprechen Sie offen über Sexualität und Ihre Grenzen

Sexuelle Übergriffe sind nicht immer geplant und sie sind auch nicht immer bösartig motiviert. Übergriffe können Ausdruck von Missverständnissen sein. Natürlich gilt dies nicht für strafbare Sexualdelikte, wohl aber für körperliche Annäherungen. Je offener Sie miteinander über die wechselseitigen Einstellungen zu Sexualität, Erotik, körperlicher Nähe und auch zur gewünschten Geschwindigkeit von körperlicher Nähe bei einem Partnersuchprozess sprechen, desto eher können solche Missverständnisse vermieden werden. Schließen Sie Sexualität beim ersten Treffen von vornherein aus, ist es sinnvoll, dies sogar noch vor dem Treffen klar zu vermitteln.

Das erste Mal nicht zu Hause

Möchten Sie und die andere Person beim ersten Treffen miteinander intim werden? Ein schneller Beginn von Sexualität schadet nicht, wenn er von beiden gewünscht wird, kann im Gegenteil sogar hilfreich sein. Gehen Sie für das erste Mal aber lieber in ein Hotel als zu der anderen Person oder sich selbst nach Hause, es sei denn, Sie leben in einer Wohngemeinschaft und andere Personen sind anwesend.

Machen Sie es sich zum Leitsatz:

  • Vorsicht und ein gesundes Risikobewusstsein sind für die Partnersuche erforderlich.

Nicht selbst übergriffig werden

Es gibt nicht nur diejenigen, die Übergriffe erleiden, sondern natürlich ebenso die, die Übergriffe verüben. Anders könnte es keine Übergriffe geben. Wie bereits dargestellt, sind nicht alle Übergriffe geplant und es mögen – wie ebenfalls bereits angesprochen – Missverständnisse zugrunde liegen.

Dies betrifft keine schweren Sexualdelikte, wohl aber beispielsweise eine Umarmung, Küssen oder andere Berührungen. Geschehen diese nicht in beiderseitigem Einverständnis, sind sie ebenfalls als Übergriffe zu bewerten.

In einer Umfrage von Gleichklang unter Mitgliedern berichteten 27 % aller Männer und 11 % aller Frauen, bereits mindestens einmal in ihrem Leben übergriffig geworden zu sein. Bei diesen Übergriffen handelte es sich vorwiegend um Berührungen außerhalb und innerhalb des Intimbereichs, Küssen und versuchte Entkleidungen. Mehrere Männer und Frauen, die von eigenen sexuellen Übergriffen berichteten, gaben an, die Wünsche der anderen Person fehlinterpretiert zu haben. Mehrfach wurde in der Befragung auch angegeben, dass über Sexualität nicht gesprochen worden sei.

Halten Sie sich daher unbedingt an die folgende Grundregel:

  • Fragen Sie die andere Person direkt, ob sie eine körperliche Annäherung oder Sexualität möchte oder nicht. Achten Sie darauf, dass Sie für jede körperliche Annäherung und sexuelle Handlung eine ausdrückliche verbale Zustimmung der anderen Person haben. Sie befinden sich erst im Prozess der Partnersuche und kennen sich womöglich noch nicht gut genug, um sich allein auf eine non-verbale Zustimmung zu verlassen.

Trotz aller sexuellen Liberalisierung sind Fertigkeiten und Mut zum offenen Gespräch über Sexualität und körperliche Nähe nach wie vor bei vielen Menschen nicht vorhanden. Missverständnisse lassen sich aber durch einfache Fragen vermeiden wie: »Darf ich Dich in den Arm nehmen?«, »Ich möchte Dich küssen, möchtest Du dies auch?«, »Wollen wir zusammen schlafen?«.

Sie sollten diese Fragen stellen, wenn Sie den Eindruck haben, dass auch die andere Person womöglich an einer körperlichen Annäherung oder Sexualität interessiert ist.

← Zurück: Effektive Online-Kommunikation bei der Partnersuche | Zum Inhaltsverzeichnis des Buches | Weiter zu: Das erste Treffen richtig angehen →