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Allgemeine Qualitätskriterien von Dating-Angeboten
Anhand einer relativ kleinen Anzahl von Kriterien können Sie schnell bewerten, wie hoch die Qualität eines Dating-Angebotes ist. Als Qualität ist dabei die Wahrscheinlichkeit definiert, dass Sie Menschen mit ernsthaftem Beziehungsinteresse begegnen, um mit diesen eine partnerschaftliche Beziehung aufzubauen, ohne durch Anbieter oder andere Nutzer:innen ausgenutzt, hintergangen oder betrogen zu werden.
Diese Kriterien gelten übergreifend für alle verschiedenen Dating-Angebote, also für Dating-Apps, Partnervermittlungen und Singlebörsen.
Allerdings werden am ehesten Partnervermittlungen alle oder die meisten Qualitätskriterien erfüllen, da bei den Partnervermittlungen die Suche nach langfristigen Beziehungen im Fokus steht und meistens mehr Anstrengungen unternommen werden, um nur solche Personen als Mitglieder zu gewinnen, die tatsächlich ernsthaft nach einer langfristigen Beziehung suchen. Dennoch gibt es auch zwischen unterschiedlichen Dating-Apps und Singlebörsen Qualitätsunterschiede, auf die es sich zu achten lohnt.
Kostenpflicht als Qualitätsmerkmal
Wer nutzt nicht schon einmal gerne ein kostenloses Angebot?
Von vielen Vergleichs-Portalen wird es als positiv bewertet, wenn eine Dating-Plattform auch einen kostenlosen Test- oder Schnupperzugang ermöglicht.
Bei genauerer Betrachtung ist diese Bewertung aber kurzsichtig. Denn gerade im Internet, wo alles schnell zur Verfügung steht, anonym und unverbindlich ist, kann eine Kostenpflicht die »Spreu vom Weizen« trennen. Dies gilt für Online-Dating in besonders hohem Ausmaß:
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Ist die Schwelle zur Anmeldung gering, wird diese gerne wahrgenommen. So melden sich unzählige unseriöse Personen an, viele gleich mit mehreren Profilen. Männer werden zu Frauen und Verheiratete zu Singles. Manchen geht es nur um Voyeurismus und Spielerei. Das Phänomen ist so weitverbreitet, dass sich der Begriff des Fake-Profils eingebürgert hat.
Hintergrund ist, dass Menschen dazu neigen, ein kostenloses Angebot auszuprobieren, selbst wenn ihr Interesse an dem entsprechenden Angebot nicht ernsthaft ist. Beim Online-Dating kommen die vielfachen anderen Motive hinzu, die zu einer Anmeldung führen können, wie der Wunsch nach Ablenkung von Langeweile, Unterhaltung, die eigene Selbstbestätigung oder auch die virtuelle Befriedigung von sexuellen Bedürfnissen. Ebenfalls mag es die Neugierde sein, wer so alles bei der Plattform angemeldet ist.
Selbstverständlich kann dies bei allen Plattformen passieren und niemand ist davor gefeit. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Personen ohne tatsächliches Partnerschafts-Interesse anmelden, umso höher, je leichter die Anmeldung ist. Die Gebühr ist dabei eine Schwelle, die vor allem diejenigen zu überschreiten bereit sind, deren Wunsch nach Beziehung und Partnerschaft echt ist.
Je nach Kontrolle und Management der Plattform kann dies so weit gehen, dass kostenlose Portale zu einem guten Anteil zu einer Ansammlung von Fake-Profilen werden:
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Profile mit fehlerhaften Angaben, Mehrfachprofile der gleichen Person, längst nicht mehr aktuelle Profile, die nicht abgemeldet wurden, Voyeure und Bildersammler, denen es ausschließlich darum geht, sich die Profile der anderen Teilnehmer:innen anzuschauen.
Auch für Stalker, Betrüger:innen und sogenannte Love-Scammer sind kostenlose Portale ein besonders einladendes Einfallstor, wobei bei diesen Gruppen allerdings die Kostenpflicht durch die Möglichkeit, mit gestohlenen Kreditkarten-Daten zu zahlen, auch kein sicherer Schutz ist. Auf das Thema, wie Sie sich vor Love-Scammern bei der Online-Partnersuche schützen können, wird später noch ausführlich eingegangen.
Jedoch sollte Nutzer:innen von kostenlosen Portalen nicht pauschal unterstellt werden, falsche Angaben zu machen oder gar betrügerisch zu agieren. Gerade bei den Dating-Apps bewegen sich Millionen Menschen mit durchaus echtem Kennenlerninteresse. Nur bezieht sich dies eher selten auf eine feste Beziehung beziehungsweise dieser Wunsch steht mindestens nicht im Vordergrund. Entsprechend sind viele Profile durchaus echt, es bewegen sich in den kostenlosen Portalen aber eben besonders oft Personen, denen es nicht um eine dauerhafte Beziehung, sondern eher um Online-Unterhaltung, chatten, flirten oder virtuellen Sex geht. Ebenso gibt es natürlich Nutzer:innen, die nach sexuellen Begegnungen in der nicht-virtuellen Welt oder auch tatsächlich nach einer partnerschaftlichen Beziehung suchen.
Grundsätzlich spricht nichts dagegen, im Internet virtuelle Kontakte zu pflegen und Fantasien zu befriedigen, auch wenn hierdurch Gefahren von Suchtverhalten und eine Entfremdung von der realen Umgebung entstehen können.
Bitter sind solche rein virtuellen Chats aber für diejenigen, denen es tatsächlich um eine ernsthafte Partnersuche geht. Sie investieren Energie und manchmal bereits Gefühle in eine von vornherein zwecklose Angelegenheit. Ghosting ist die Bezeichnung für das plötzliche und komplette Verschwinden einer Person aus einem (entstehenden) Beziehungszusammenhang. Alle Kontaktmöglichkeiten werden gelöscht. Betroffene reagieren mit Irritation und Erstaunen, manchmal auch mit Entsetzen, Verzweiflung, Trauer oder Kränkung.
Das Grundproblem besteht darin, dass es schwierig ist, innerhalb der kostenlosen Kennenlern-Plattformen zwischen denen zu unterscheiden, denen es um virtuelle Fantasiebefriedigung, Flirten oder auch Sex geht, und denen, die nach einer dauerhaft ausgerichteten partnerschaftlichen Beziehung suchen. Es ist ein herausforderndes Unterfangen, in einem Meer von heterogenen Motiven, unseriösen Profilen und Fakes die geeigneten Menschen zu finden, auch wenn sie tatsächlich durchaus da sein mögen.
Die Lösung des Problems besteht in der Wahl eines kostenpflichtigen Anbieters. Nur wenige der Fakes und virtuellen Chatter sind nämlich bereit, für die Teilnahme an einer Partnerbörse Gebühren zu bezahlen. Warum auch? Es gibt hierfür genug kostenlose Plattformen.
Übrigens schenkt Ihnen ohnehin kein Portal irgendetwas:
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Rein kostenlose Portale leben im Regelfall von der Großzahl der unseriösen Mitglieder, um durch die Anzahl der Seitenbesucher Werbeeinnahmen zu erzielen. Manche Portale mögen auch Daten verkaufen.
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Viele Singlebörsen und Partnervermittlungen bieten Ihnen eine in Wirklichkeit weitgehend nutzlose kostenlose Basismitgliedschaft an, um Sie zu einem späteren Zeitpunkt für eine dann wesentlich teurere Premium-Mitgliedschaft zu gewinnen.
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Bei den Partnervermittlungen haben Sie in aller Regel nur mit einer Premium-Mitgliedschaft ernsthafte Vermittlungsaussichten. Der kostenlose Teil ist hier in Wirklichkeit ein reines Lockangebot, um Sie für eine kostenpflichtige Premiummitgliedschaft zu gewinnen.
Anders ist dies bei den Dating-Apps, deren Funktionen Sie tatsächlich zu einem großen Teil kostenlos nutzen können.
Kein Einsatz von Chatmoderatoren
Eine Masche im Graubereich des Betruges beim Online-Dating sind die sogenannten Chatmoderatoren:
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Chatmoderatoren sind bezahlte Mitarbeiter:innen, die mit den Mitgliedern einer Plattform flirten, aber für echte Begegnungen oder Beziehungen nicht zur Verfügung stehen. Dabei wird mit attraktiven Scheinprofilen gearbeitet, die im Schichtdienst von verschiedenen Mitarbeiter:innen bedient werden.
Wer mit einem solchen Profil in Kontakt tritt, chattet also in Wirklichkeit mit unterschiedlichen Personen, deren einziges Interesse darin besteht, den Chat aufrechtzuerhalten, um dadurch Gebühren einzunehmen. Denn bei solchen Portalen wird in der Regel von Nutzer:innen pro geschriebener Nachricht bezahlt, sodass das Interesse der Betreiber darauf gerichtet ist, die Mitglieder ständig in Chats zu verwickeln und zum Schreiben weiterer Nachrichten zu motivieren.
Die entsprechenden Chatmoderatoren werden dabei oft erfolgsabhängig bezahlt. Deshalb ist das Interesse der Chatmoderatoren selbst ebenfalls darauf gerichtet, die Chatpartner zu weiteren Nachrichten anzuregen.
Die Chancen bei solchen Portalen mit Chatmoderatoren sind selbstverständlich gleich null. Vielen Nutzer:innen ist dies jedoch nicht bewusst und sie lassen sich teilweise monatelang in Chats mit (scheinbar) den gleichen Personen verwickeln. Nadia Kailouli und David Diwiak haben hierzu einen eindrucksvollen Film gedreht mit dem Titel »Undercover als Chatschreiberin: Falsche Flirts auf Dating-Plattformen«, den Sie sich auf Youtube anschauen können.
Erkennen können Sie Portale mit Chatmoderatoren meistens, wenn Sie sich die AGB genau durchlesen. Die Betreiber:innen erwähnen nämlich in der Regel in den AGB den Einsatz von Chatmoderatoren, um sich vor Betrugsvorwürfen zu schützen. Tatsächlich bewegen sie sich damit in einem Graubereich, da ihnen natürlich vollauf bewusst ist, dass die meisten ihrer Nutzer:innen eine Sichtung der AGB unterlassen und glauben, auf diesen Plattformen echte Kontakte schließen zu können.
Übrigens lautet die Empfehlung grundsätzlich, sich die Zeit zu nehmen, um die AGB zu lesen, wenn Sie sich für eine Dating-Plattform interessieren. So erfahren Sie auch, was mit Ihren Daten geschieht und ob diese gegebenenfalls für Werbezwecke benutzt oder weitergegeben werden.
Einen sicheren Schutz kann freilich auch ein Studium der AGB nicht geben. In der Vergangenheit sind bereits Portale bekannt geworden, die Chatmoderatoren einsetzten, ohne dies in den AGB mitzuteilen. Die Grenze zum Betrug ist damit fraglos überschritten.
Glücklicherweise können Ihnen die Bezahlmodalitäten helfen, potenziell unseriöse Plattformen zu erkennen:
Nehmen Sie Abstand von Plattformen, wo eine Bezahlung für gelesene oder geschriebene Nachrichten erfolgt. Bei solchen Plattformen haben die Betreiber:innen ein offensichtliches Interesse, die Anzahl der Nachrichten zu erhöhen, womit die Wahrscheinlichkeit ansteigt, dass hierfür zu unseriösen Methoden gegriffen wird.
Nehmen Sie ebenfalls Abstand von Plattformen, wo sich direkt nach der kostenlosen Registrierung angeblich sofort andere Mitglieder für Sie interessieren oder Ihnen Nachrichten senden, die Sie aber wiederum nur einsehen oder nur beantworten können, wenn Sie sich für die Premium-Teilnahme entscheiden. Es ist unwahrscheinlich, dass Interessenten Ihnen bereits innerhalb so kurzer Zeit schreiben. Offensichtlich will die Betreiber-Plattform nur Druck ausüben, damit Sie die kostenpflichtige Variante buchen.
Erhalten Sie in den nächsten Tagen weitere Benachrichtigungen über immer mehr Interessenten und Nachrichten oder wird gar gedroht, dass die Nachrichten bald gelöscht werden, wenn Sie nicht zahlen, sollten Sie von so einer Plattform umso mehr die Finger lassen.
Faire Gebührenmodelle
Faire Gebührenmodelle beruhen auf einer festen Teilnahmegebühr für eine gebuchte Zeitspanne. Innerhalb dieser Zeitspanne können Sie die Plattform uneingeschränkt nutzen, ohne dass irgendwo weitere Extrakosten anfallen.
Solche zeitbasierten Pauschalmodelle sind vertrauenswürdiger, weil die Plattform-Betreiber:innen nicht bereits durch das Bezahlmodell motiviert werden, Ihnen etwas vorzugaukeln. Rechnen Sie aber bitte nicht mit einer anteiligen Rückzahlung der Gebühren, wenn Sie vorzeitig kündigen. Die allermeisten Anbieter werden Ihnen eine solche anteilige Rückzahlung verweigern.
Juristisch ist dies strittig und aktuell versuchen die Verbraucherzentralen, solch einen Rückzahlungs-Anspruch durchzusetzen. Inhaltlich ist dies jedoch fragwürdig und könnte sogar unseriöse Zahlungsmodelle, werbebasierte Modelle oder den Weiterverkauf von Daten als Geschäftsmodell im Dating-Bereich weiter vorantreiben.
Die Betreiber:innen von Dating-Plattformen investieren nämlich hohe Geldmittel in die Erstellung der Plattform, ihre kontinuierliche Weiterentwicklung sowie in die Werbung von Mitgliedern. Ohne diese Mittel wäre ein Betreiben der Plattform nicht möglich.
In dem Moment, in dem jemand Mitglied bei so einer Plattform wird, haben die Betreiber:innen bereits sehr viel Vorarbeit geleistet, die pauschal durch die Gebühr für eine zeitliche Mindestdauer der Nutzungsberechtigung abgegolten wird.
Wenn es nun möglich wäre, sich anteilmäßig Gebühren rückerstatten zu lassen – beispielsweise nach erfolgreicher Vermittlung -, würden die Anbieter gezwungen werden, ihre Gebühren drastisch zu erhöhen, zu alternativen Gebührenmodellen zu greifen, wie der Bezahlung pro Nachricht, oder aber auf anderen Wegen Einnahmen zu erzielen, wie über Werbung und Datenweitergabe.
Die Möglichkeit der anteilmäßigen Rückzahlung würde außerdem die Gefahr steigern, dass sich verstärkt Personen ohne Beziehungsinteresse anmelden und sich einige Zeit auf den Plattformen aufhalten, um sich Profile anzuschauen, zu flirten, massenweise Kontakt zu anderen Mitgliedern aufzunehmen, um sodann nach kurzer Zeit zu kündigen und sich im Anschluss fast die gesamte Gebühr zurückzahlen zu lassen.
Problematisch und juristisch umkämpft ist in diesem Zusammenhang auch die Rückzahlung der Teilnahmegebühr innerhalb der Widerrufsfrist von 14 Tagen. Die Verbraucherzentralen beziehen hier ebenfalls eine klare Position und wollen für Nutzer:innen von Partnervermittlungen eine zeitanteilig berechnete Rückzahlung der Gebühr mit höchstens minimalen Abschlägen erstreiten; eine Position, die mittlerweile auch durch den Europäischen Gerichtshof gestärkt wurde.
Hintergrund ist, dass einige Partnervermittlungen einen sogenannten Wertersatz berechnen, der sich beispielsweise auf die Anzahl von wechselseitigen Zuschriften beziehen kann, die im Nutzungszeitraum bereits erfolgt sind. Im Ergebnis erhalten eine Reihe von Nutzer:innen selbst bei Kündigung innerhalb der 14-tägigen Widerrufsfrist nur einen kleinen Anteil der verausgabten Gebühren zurück.
Auf den ersten Blick dient das Vorgehen der Verbraucherzentralen klar dem Verbraucherschutz. Eine inhaltliche Betrachtung ergibt jedoch ein anderes Bild:
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Partnervermittlungen wollen ihre Mitglieder vor unseriösen Absichten schützen und legen Wert darauf, dass sich bei ihnen möglichst nur Personen befinden, die tatsächlich nach Partnerschaft suchen. Demgegenüber wollen Partnervermittlungen nicht die Interessen von Personen bedienen, die sich lediglich fürs Bildersammeln oder unverbindliche Chats interessieren. Ebenfalls bemühen sich Partnervermittlungen, Personen herauszuhalten, die andere Mitglieder belästigen oder gar betrügerische Absichten haben.
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Die Gebühr ist hierfür kein sicherer Schutz. Trotzdem werden es sich Personen mit unseriösen Absichten überlegen, ob sie Mitglied bei einer Plattform werden, für die sie Gebühren bezahlen müssen, die sie nicht zurückerhalten werden.
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Würde es nun – wie die Verbraucherschutzzentralen es wünschen – zum Standard, dass jeder eine Partnervermittlung 14 Tage voll nutzen und danach seine Gebühr im Wesentlichen vollständig zurückerhalten könnte, bestünde die Gefahr einer Überflutung von Online-Partnervermittlungen durch Personen mit nicht beziehungsbezogenen Absichten.
Achten Sie daher bei der Wahl des Anbieters auf faire Gebührenmodelle, bei denen Sie für eine festgelegte Mindestzeit einen Beitrag zahlen, und gehen Sie nicht davon aus, bei vorzeitiger Kündigung einen Beitrag zurückerstattet zu bekommen.
Seriosität der Plattform
Der Aspekt der Seriosität hängt mit dem soeben besprochenen Kriterium der Qualität eng zusammen, aber es gibt darüber hinaus weitere Aspekte, weshalb er trotz der Überschneidung als ein separates Kriterium betrachtet werden kann.
Bei einem seriösen Anbieter für die Partnersuche steht die Vermittlung ernsthafter partnerschaftlicher Beziehungen im Fokus. Die Plattform achtet auf echte und authentische Profile. Sie trifft klare Aussagen zu Mitglieder-Anzahl, Zielgruppen, Vermittlungsprinzipien und Gebühren.
Wenn eine Plattform kostenlose und kostenpflichtige Angebote hat, sollte dies sofort zu sehen sein, einschließlich der Preise, Laufzeiten und der Unterschiede zwischen den kostenlosen und kostenpflichtigen Funktionen. Interessierte sollten nicht erst auf ein kostenloses Angebot gelockt werden, um sodann feststellen zu müssen, dass mit diesen kostenlosen Funktionen quasi nichts zu machen ist.
Seriöse Plattformen verzichten selbstverständlich ausnahmslos auf den Einsatz von bezahlten Moderatoren, die mit Mitgliedern als scheinbaren Interessenten in Kontakt treten.
Eine seriöse Plattform wird zudem nicht nur die Vermittlungs-Prinzipien nachvollziehbar darlegen, sondern auch Ratschläge für eine effektive Nutzung der Plattform geben. Übertreibungen und überzogene Versprechungen (Kontaktgarantien etc.) sollten auf den Seiten seriöser Anbieter nicht gegeben werden.
Die Internet-Seite einer Dating-Plattform sollte zudem deutlich mehr tun, als Sie zur sofortigen Registrierung gewinnen zu wollen. Die Seite sollte Ihnen umfassende Informationen zu allen wichtigen Aspekten der Partnersuche zur Verfügung stellen.
Es lohnt sich, bei Google nach einem Anbieter zu suchen, um die Seriosität besser beurteilen zu können. Ebenfalls können es Ihnen Bewertungen, beispielsweise bei Google-Maps oder Trustpilot, erleichtern, die Plattform und ihre Seriosität besser einschätzen zu können.
Hilfreich mag es ebenfalls sein, sich die Einschätzungen spezieller Vergleichsseiten für Dating-Plattformen anzuschauen. Hierbei sollten Sie aber berücksichtigen, dass die Betreiber an den Umsätzen der Plattformen beteiligt werden und insofern sicherlich nicht vollständig unabhängig sind. Eine positive Bewertung auf solchen Vergleichsseiten ist vermutlich am ehesten als ein Hinweis für den ökonomischen Erfolg der Plattform zu betrachten. Dennoch bekommen Sie auf solchen Vergleichsseiten durchaus eine Reihe inhaltlicher Informationen.
Allerdings sollten Sie die oftmals hohe Subjektivität und Unterschiedlichkeit von Verbraucher-Einschätzungen nicht außer Acht lassen, Restaurant-Kritiken sind dafür ein gutes Beispiel. Denn so wichtig und aufschlussreich das Studium von Bewertungen einer Dating-Plattform durch ehemalige und aktuelle Nutzer:innen sein mag, sollten solche Bewertungen doch mit Vorsicht interpretiert und nicht überschätzt werden.
Bei der Partnersuche verschärft sich diese Situation, weil viele Menschen mit zu hohen Erwartungen an die Online-Partnersuche herangehen und von den Dating-Plattformen manchmal Wunder erwarten. Zudem werden die Verbraucher-Erwartungen auch durch die Dating-Angebote selbst geprägt. So haben die Dating-Apps mit ihren sofortigen und vielfältigen Kontaktmöglichkeiten neue Standards gesetzt, was Nutzer:innen von Dating-Plattformen erwarten. Unterhaltung, Lebendigkeit, viele Vorschläge oder auch Kostenfreiheit mögen so zu Bewertungskriterien werden, obwohl diese sich auf die Aussichten der Partnersuche nicht günstig oder sogar ungünstig auswirken können.
Schließlich gibt es auch die menschliche Tendenz, vor allem in dem Fall Bewertungen abzugeben, wenn ein Angebot als enttäuschend erlebt wurde. Aussagen in solchen negativen Bewertungen mögen dann durchaus übertrieben sein. Gerade bei Dating-Angeboten mag es dabei außerdem eine Tendenz geben, die Plattform für den mangelnden Erfolg der eigenen Partnersuche verantwortlich zu machen und dabei eigene Anteile auszublenden.
Trotz aller dieser Schwächen von Verbraucher-Bewertungen können sie dennoch Hinweise geben, beispielsweise wenn sich negative Bewertungen auf der Basis nachvollziehbarer Gründe häufen oder sogar betrügerische Praktiken erkennbar werden.
Bei manchen Bewertungsseiten, wie Trustpilot oder Google-Maps, können die Plattformen zudem auf Bewertungen antworten. Machen Sie sich ein Bild davon, ob diese Antworten individuell und nachvollziehbar sind oder ob lediglich allgemeine Pauschalsätze verwandt werden, um bestehende Probleme zu überdecken oder abzubügeln.
Wählen Sie daher nicht die erstbeste Dating-Plattform aus, sondern stellen Sie sicher, dass Sie für Ihre Partnersuche nur seriöse Plattformen nutzen. Informieren Sie sich zunächst über eine Plattform, bevor Sie sich für oder gegen eine Teilnahme entscheiden.
Bewährt lohnt sich
Das Internet ist schnelllebig. Die Halbwertzeit vieler Online-Dienstleistungen ist gering. Die meisten neuen Online-Angebote gehen bald wieder offline. Manchmal sind Angebote sogar kurzzeitig Trend und morgen schon wieder vergessen. Dies gilt auch für das Online-Dating. Es gibt unzählige gescheiterte Projekte und nur wenige Anbieter, die über viele Jahre bestehen und nachweisbar ausreichende Resonanz und Vermittlungserfolge haben.
Neues ist sicherlich oft spannend und interessant und natürlich spricht auch nichts dagegen, es auch auf einer neuen Plattform zu versuchen. Aber wenn es um eine ernsthafte Partnersuche geht, ist es ratsam, es zunächst oder mindestens auch bei den bewährten Anbietern zu versuchen. Dies gilt umso mehr, als dass neue Angebote häufig entweder noch gar keine Nutzer:innen haben oder aber durch kostenlose Testzugänge ihre Datenbank mit viel Spam und unseriösen Profilen füllen.
Um dauerhaft im Internet als Dating-Anbieter bestehen zu können, sind tragfähige Konzepte und viel Arbeit erforderlich. Zudem verschwinden gerade betrügerische Anbieter schnell vom Markt oder wechseln zumindest den Namen. Die Chancen der Partnersuche dürften daher meistens bei einem Anbieter höher sein, der sich schon seit Jahren im Internet bewährt hat, als bei einem Anbieter, der gerade erst versucht, in den Markt einzusteigen.
Informieren Sie sich daher, wie lange es eine bestimmte Plattform bereits gibt.
Allerdings ist diese Empfehlung nicht in Stein gemeißelt. Sofern eine neue Plattform inhaltlich in besonders hohem Ausmaß Ihren Vorstellungen entspricht, mag sie durchaus einen Versuch wert sein.
Ist die Plattform-Größe ein Qualitätsmerkmal?
Viele denken, dass ihre Vermittlungschancen umso besser sind, je mehr Mitglieder ein Anbieter hat. Dies ist jedoch in dieser Pauschalität ein Irrtum.
Tatsächlich werden die Vermittlungschancen vor allem dadurch beeinflusst, wie wahrscheinlich es ist, bei einem Anbieter einen passenden Menschen zu finden und mit diesem in eine weiterführende Kommunikation einzutreten.
Je besser es beispielsweise einer Partnervermittlung gelingt, passende Menschen einander vorzuschlagen und sie zu einem echten Kennenlernen zu motivieren, desto höher sind die Vermittlungschancen.
Die Fähigkeit, passende Beziehungspartner:innen vorschlagen zu können, hängt vor allem von der Seriosität der Plattform und ihrer Nutzer:innen, der Passung der Teilnehmenden zueinander und gegebenenfalls auch von dem Matching-Algorithmus ab.
Die Mitglieder-Anzahl spielt allerdings natürlich dennoch insofern eine Rolle, als dass Vorschläge nur erbracht werden können, wenn auch passende Personen vorhanden sind.
Da es jedoch in der Regel nur um das Kennenlernen einer Person geht und es genügt, wenn diese im Verlauf tatsächlich kennengelernt wird, können auch Plattformen mit wenigen Mitgliedern hohe Erfolgsaussichten haben.
Umgekehrt können Plattformen mit vielen Mitgliedern geringe Erfolgsaussichten haben, wenn diese nicht zur eigenen Person passen oder die Passung aufgrund oberflächlicher Profil-Darstellungen oder der Überflutung mit Vorschlägen nicht erkannt werden kann.
Zudem sinkt die Chance, von der anderen Person zur Kenntnis genommen zu werden, je mehr Kontaktmöglichkeiten es zu verschiedenen Personen gibt. Im Durchschnitt wird mit der Größe der Plattform aber auch die Anzahl der Kontaktmöglichkeiten ansteigen. Deshalb kann es eine unerwünschte Nebenfolge sein, dass die Vorschläge in großer Konkurrenz zueinander stehen und auf diese Weise der Wert eines einzelnen Vorschlages stark absinkt.
Ein einfaches Gedankenexperiment verdeutlicht diese Überlegung:
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Nehmen wir an, Sie erhalten 500 Vorschläge und alle diese 500 Vorschläge erhalten ebenfalls 500 Vorschläge. Nehmen wir ebenfalls an, dass Sie mit fünf dieser Personen womöglich tatsächlich eine tragfähige Partnerschaft führen könnten. Wie wahrscheinlich ist es nun, dass Sie diesen Personen begegnen? Weil Sie nicht wissen können, wer die fünf geeigneten Personen sind, und weil diese das gleiche Problem haben, ähnelt das der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen und die Wahrscheinlichkeit eines wechselseitigen Kennenlernens ist auf diese Weise sehr gering.
Wäre die Anzahl der Nutzer:innen ein wesentlicher Faktor, müsste bereits fast jeder eine Partnerschaft gefunden haben. Schließlich sind so viele Menschen bei den Dating-Apps und den großen Partnervermittlungen angemeldet, dass im Falle einer reinen Abhängigkeit von der Mitglieder-Anzahl dem Erfolg nichts mehr im Wege stehen dürfte.
Das entscheidende Kriterium ist letztlich aber eben nicht die Anzahl der Teilnehmenden, sondern die Frage, ob sich bei einer Plattform Menschen befinden oder im Verlauf noch eintreffen werden, die zur eigenen Person passen und an einer langfristigen Beziehung interessiert sind.
Schauen Sie daher bei der Auswahl des geeigneten Anbieters nicht vorwiegend auf die Größe, sondern auf die Seriosität der Plattform und ihrer Mitglieder, die Passung der dortigen Klientel zu Ihrer Person und den Umgang miteinander auf einer Plattform.
Die Qualität der Kontakte und nicht die Quantität ist der entscheidende Faktor, der darüber bestimmen wird, ob Sie passende Menschen treffen oder nicht.
Resümee zu den Qualitätskriterien
Kurz zusammengefasst, können Sie sich bei der Auswahl der Dating-Plattform an folgenden Hinweisen orientieren:
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Wählen Sie eine Plattform mit einem fairen und transparenten Gebührenmodell ohne versteckte Kosten. Bedenken Sie, dass kostenlos oft bedeutet, dass viele weniger ernstgemeinte Anmeldungen erfolgen.
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Lesen Sie die AGB und nehmen Sie von jeder Plattform Abstand, wo Chat-Moderatoren eingesetzt werden (rote Flagge!).
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Schauen Sie sich die Internetseite der Anbieter gut an und recherchieren Sie bei Google und auf Bewertungsportalen. Wählen Sie Anbieter, wo der Schwerpunkt nicht auf der Anzahl der Mitglieder, sondern der Ernsthaftigkeit der Partnersuche liegt. Überzeugen Sie sich von der Seriosität eines Anbieters, wobei bewährte Plattformen potenziell seriöser sind als Plattformen, die soeben erst eröffnet haben.
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Schauen Sie sich auch die Werbung einer Plattform an. Wirbt eine Plattform mit platten Sprüchen, unseriösen Versprechungen, sexistischen Bildern, der Größe der eigenen Teilnehmer-Datenbank oder einer kostenlosen Teilnahme? Wirbt eine Plattform in Boulevard-Medien oder im Fernsehen bei wenig anspruchsvollen Sendern oder während Unterhaltungs- und Realityserien, die voller Plattitüden und Stereotype stecken? Oder betont eine Plattform in ihrer Werbung die Ernsthaftigkeit der Partnersuche, die Notwendigkeit von Geduld, die Suche nach einem wirklich passenden Menschen? Enthält sich die Werbung aller sexistischen Sprüche und Plattitüden, vermittelt ein realistisches Bild einer Partnersuche und wird in anspruchsvollen Medien platziert?
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Prüfen Sie, ob Sie sich selbst mit Ihren Besonderheiten, Einstellungen und Überzeugungen bei einer Plattform gut repräsentiert fühlen. Je stärker eine Plattform in ihrer Außendarstellung von Ihnen als zur eigenen Person passend wahrgenommen wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie hier auf zu Ihnen passende Menschen treffen werden. Achten Sie auch darauf, dass Themen der geschlechtlichen und sexuellen Diversität Ihrer Situation entsprechend angemessen repräsentiert sind. Gleiches gilt für Akzeptanz und Inklusivität gegenüber möglichen Behinderungen, Erkrankungen oder anderen besonderen körperlichen oder seelischen Merkmalen.
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