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Die richtigen Einstellungen zur Online-Partnersuche
Sie sind bereits gut vorbereitet, um mit der Online-Partnersuche zu beginnen? Allerdings teilen Sie vielleicht (unbewusst) die häufiger vorkommenden negativen Einstellungen zum Online-Dating? Dann bleiben diese Einstellungen nicht ohne Folgen und können den Erfolg Ihrer Partnersuche zunichtemachen.
In diesem Kapitel werden Sie mehr darüber erfahren, von welchen negativen Einstellungen Sie sich distanzieren sollten und mit welchen richtigen Einstellungen zur Online-Partnersuche Sie stattdessen Ihrer Partnersuche auf die Sprünge helfen können.
Negative Einstellungen, Zynismus und Pessimismus können zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden. Denn wir beginnen uns oft so zu verhalten, dass wir unsere Befürchtungen zur Realität machen.
Aber auch positives Denken allein hilft bei der Partnersuche nicht weiter, wenn es nicht an Ziele und tatsächliche Handlungsoptionen gebunden ist.
Es geht also darum, negative Denkfehler und Vorurteile zu überwinden und zu optimistischen, aber gleichzeitig realitätsgerechten Einstellungen zur Online-Partnersuche zu gelangen.
Solche positiven und realitätsgerechten Einstellungen werden Ihnen eine aktive Handlungsorientierung, Gelassenheit, Frustrationstoleranz, Geduld und einen ausreichend langen Atem ermöglichen, um Ihre Partnersuche erfolgreich abzuschließen.
Vorurteile verstellen den Blick
In Online-Foren und auch Diskussionen außerhalb des Internets trifft man immer wieder auf die Behauptung, dass die Online-Partnersuche sowieso zwecklos sei.
Frauen interessierten sich angeblich nur für Wohlstand und Prestige. Männern gehe es nur um Sex und gutes Aussehen. Die meisten Profile seien sowieso gefälscht und hätten mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Partnerbörsen seien in Wirklichkeit reine Abzocke. Es sei ein Markt, der von der Anstachelung von Sehnsüchten lebe, die er nicht erfülle:
„Fakt ist, dass Sie mit den Sehnsüchten der Menschen Ihr Geld verdienen, und das wollen Sie gut und reichlich.”1
Auch verbitterte und frauenfeindliche Einstellungen kommen bei einem Teil der Männer nicht selten dazu.
Andere halten sich selbst für einen hoffnungslosen Fall oder meinen, in ihrem Alter sei die Online-Partnersuche zwecklos.
Das Problem bei all diesen durchaus weit verbreiteten Ansichten ist, dass sie auf die eigene Person zurückfallen:
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Wenn Sie so denken, wird Ihre Online-Partnersuche gar nicht erst beginnen, verfrüht enden oder dauerhaft erfolglos bleiben. Sie werden Ihre Misserfolgserwartungen nur bestätigen.
Eine selbsterfüllende Prophezeiung ist eine Annahme, die sich in der Zukunft dadurch erfüllt, dass sich Menschen in einer ganz bestimmten Art und Weise verhalten. Jedoch merken Menschen oft nicht, dass sie es selbst sind, die zur Bestätigung ihrer eigenen Prophezeiung führen.
Die Betroffenen erklären beim Online-Dating ihren Misserfolg damit, dass sie aufgrund der eigenen Person oder dem Verhalten anderer keine Chance hätten. Oft machen sie auch die Plattformen verantwortlich.
Doch wenn eigene Bedürfnisse dauerhaft nicht erfüllt werden, kann es, wenn man sich dies mit eigenen Defiziten erklärt, zu Hilflosigkeit, Resignation und Depression kommen. Und wenn man die Gründe dafür nach außen lagert, können Ärger, Wut, Verbitterung, Aggression oder sogar Hass entstehen.
Beim Online-Dating lassen sich solche Probleme manchmal bereits an Profiltexten erkennen, in denen sich Zynismus und Pessimismus niederschlagen. Sogar Erstnachrichten und Antworten können hiervon geprägt sein. Ergebnis ist, dass die anderen Menschen, die man eigentlich kennenlernen möchte, abgeschreckt werden. Ausbleibende Antworten oder Kontaktabbrüche sind die Folge.
Aus solchen Erfahrungen kann ein Teufelskreislauf resultieren, weil die nunmehr wirklich negativen Erfahrungen die eigenen Vorurteile bestätigen. Ergebnis kann ein noch negativeres eigenes Kommunikationsverhalten sein bis hin zu völliger Inaktivität oder beleidigend-aggressiven Verhaltensweisen.
1Vom Autor erhaltene E-Mail-Zuschrift.
Korrigieren Sie Ihre Denkfehler!
Denkfehler können die Online-Partnersuche also ernsthaft erschweren. Wer seine Denkfehler kennt und korrigiert, hat demgegenüber bessere Vermittlungschancen.
Im Folgenden werden einige typische Denkfehler aufgezählt. Erkennen Sie einen oder mehrere dieser Fehler bei sich? Umso besser, denn so haben Sie die Möglichkeit, Ihre Einstellungen zu korrigieren:
Partnerbörsen sind reine Abzocke
Tatsache ist, dass viele Menschen online eine Partnerschaft finden. Die meisten Menschen kennen daher auch irgendwo in ihrem Umfeld ein Paar, das über eine Online-Dating-Plattform zusammengefunden hat.
Rosenfeld et al. (2012) beobachteten in einer repräsentativen Studie darüber, wie sich Paare in den USA kennenlernten, dass die Rolle von Familie und Freunden als traditionelle Matchmaker über die Jahrzehnte abgenommen hat und die Rolle des Online-Datings als Matchmaker 2009 bei heterosexuellen Paaren bereits einen Anteil von 22 % erreicht hatte – im gleichgeschlechtlichen Bereich lag sie damals sogar bei über 60 %.
In einer Nachfolgestudie untersuchten Rosenfeld et al. (2019) anhand einer weiteren repräsentativen Stichprobe heterosexueller Paare, welche Veränderungen seit 2009 eingetreten waren. In diesen Daten, die bis zum Jahr 2017 reichen, zeigt sich, dass die Rolle der traditionellen Matchmaker Familie und Freunde seit 2009 immer weiter abgenommen hat und die Rolle des Online-Datings als Matchmaker weiter zugenommen hat. 2017 erreichte der Anteil des Online-Datings 40 % an allen entstandenen Paarbeziehungen.
Natürlich gibt es seriösere oder weniger seriöse Online-Dating-Plattformen. Wäre die Online-Partnersuche aber insgesamt nichts als Abzocke, hätten all diese Beziehungen nicht entstehen können.
Wie alle anderen Dienstleister in einer privatwirtschaftlich ausgelegten Gesellschaft sind auch Partnerbörsen in der Regel auf Gewinnerzielung ausgerichtet. Dies unterscheidet Dating-Plattformen aber nicht von anderen Internet-Portalen. Die Behauptung, alle Partnerbörsen seien Abzocke, ist daher ein Vorurteil.
Das Hauptproblem bei dieser Einstellung ist, dass Sie mit ihr eine Barriere errichten, die es Ihnen erschweren wird, die Möglichkeiten der Online-Partnersuche auszuschöpfen. Denn mit dieser Einstellung werden Sie vermutlich auf die Nutzung der Online-Partnersuche ganz verzichten oder diese nicht wirklich nachhaltig betreiben.
Damit berauben Sie sich aber der Nutzung einer der wirksamsten Möglichkeiten der Partnerfindung in der heutigen Zeit, wie die Befunde von Rosenfeld et al. (2019) eindrucksvoll belegen.
Dating-Profile sind voll von Lügen und Betrug
Ehrlichkeit beim Online-Dating ist ein viel diskutiertes Thema. Wie hoch die Ehrlichkeit ist oder wie viel umgekehrt in Profilen verzerrt, gelogen oder gefälscht wird, hängt maßgeblich mit der Wahl der Plattform zusammen und liegt damit zu einem guten Teil in Ihrer eigenen Kontrolle.
Fehlerhafte Angaben in Dating-Profilen sind eine Realität:
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So beobachtete eine Untersuchung von Toma et al. (2008), dass die Angaben von Frauen zu ihrer Figur beim Online-Dating häufiger fehlerhaft waren als die entsprechenden Angaben von Männern, die umgekehrt eher dazu neigten, falsche Angaben zur Körpergröße zu machen.
Fotos sind ebenfalls nicht immer akkurat:
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Hancock und Toma (2009) ließen 59 Fotos von Partnersuchenden beim Online-Dating durch unabhängige Bewerter und trainierte Experten auf ihren Realitätsgehalt beurteilen. Ungefähr ein Drittel der Fotos wurde als nicht akkurat bewertet. Fotos von Frauen wurden dabei als weniger akkurat bewertet als Fotos von Männern. Spezifisch wurden Fotos von Frauen durch professionelle Fotografen häufiger als nicht aktuell, retuschiert oder anderweitig bearbeitet eingeschätzt.
Neben Figur und Größe wird auch zum Alter gelegentlich geschummelt:
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Hancock et al. (2007) erfassten Größe, Gewicht und Alter von 80 Personen und verglichen diese mit den Angaben in ihren Dating-Profilen. Sie stellten in allen Bereichen Tendenzen zu falschen Angaben fest. Allerdings zeigte sich ebenfalls, dass das Ausmaß solch falscher Angaben in aller Regel nur gering war.
Das geringe Ausmaß von Falschangaben mag auf den ersten Blick verwundern. Aber warum sollten Partnersuchende lügen, wenn sie auf einer kostenpflichtigen Online-Dating-Plattform nach Beziehungspartner:innen suchen?
In offenen sozialen Netzwerken, bei Flirt- und Unterhaltungsplattformen mag eine solche Motivation schneller entstehen, zumal hier viele Menschen auch rein virtuelle Bedürfnisse ausagieren, ohne sich tatsächlich begegnen oder gar eine Beziehung miteinander führen zu wollen.
Bei ernsthaft Partnersuchenden ist eine solche Motivation dagegen unwahrscheinlich, weil das Interesse an einem Kennenlernen hoch ist und die Falschangaben spätestens beim ersten Treffen auffallen würden.
Psychologisch ist daher davon auszugehen, dass Falschangaben bei einem ernsthaften Interesse an der Partnerfindung abnehmen.
Hierfür sprechen auch Befunde von Guadagno et al. (2012), die untersuchten, inwiefern die Erwartungen über ein mögliches Treffen das Ausmaß unehrlicher Selbstangaben beeinflussen würden:
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Teilnehmer: innen wurde in einem Dating-Experiment ein Fragebogen zu ihrer Persönlichkeit vorgelegt. Einigen von ihnen wurde mitgeteilt, dass sie im Anschluss das Gegenüber tatsächlich treffen werden, anderen wurde gesagt, dass sie per E-Mail kommunizieren werden. Einer dritten Gruppe wurde mitgeteilt, dass kein Treffen stattfinden werde, während einer Kontrollgruppe keinerlei Informationen gegeben wurde. Die Ergebnisse zeigten, dass insbesondere die männlichen Teilnehmer positive persönliche Eigenschaften umso mehr übertrieben, je eher sie davon ausgingen, dass es zu keinem direkten Treffen kommen würde. Wenn die Teilnehmer:innen demgegenüber erwarteten, der anderen Person tatsächlich zu begegnen, neigten sie zu einer authentischeren Selbstdarstellung.
Es sollte also die Kirche im Dorf gelassen werden. Grobe Verfälschungen sind bei der Online-Partnersuche selten. Auch wenn bei Alter, Körpergröße, Gewicht und Bildaktualität durchaus ein bisschen gemogelt werden mag, bemühen sich die meisten ernsthaft Partnersuchenden, ein weitgehend authentisches Bild ihrer Person zu geben, sicherlich auch in dem Wissen, dass die Unehrlichkeit ansonsten spätestens beim ersten Treffen enden würde.
Gerade bei seriösen Partnervermittlungen im Internet können Sie daher davon ausgehen, dass die Mehrheit der Mitglieder korrekte Angaben macht. Die Befürchtung ist unbegründet, vor allem mit falschen Angaben und gefälschten Profilen konfrontiert zu werden.
Partnersuche ist nicht planbar
Sie können Glück haben, wenn Sie bei der Partnersuche allein auf den Zufall setzen. Ebenso gut kann es aber sein, dass Sie auf diese Weise dauerhaft Single bleiben. Auch früher wurde schon geplant. Nur haben damals andere geplant oder mitgewirkt, beispielsweise Eltern oder Freunde. Diese traditionellen Matchmaker sind aber mittlerweile stark in den Hintergrund getreten und das Online-Dating steht im Vordergrund.
Wenn Sie auf das Online-Dating verzichten, wird Ihnen eine Partnersuche also heute schwerer fallen, auch weil immer mehr Menschen den Hauptfokus ihrer Partnersuche auf die Online-Ebene legen und anderswo weniger sichtbar mit ihrer Partnersuche in Erscheinung treten.
Die Annahme, dass Partnersuche nicht planbar sei, ist übertrieben. Richtig ist natürlich, dass es keine Garantien gibt und eine genaue Terminierung eines Sucherfolgs in der Tat nicht möglich ist.
Bereits bei einer Online-Dating-Plattform teilzunehmen, bedarf jedoch eines mindestens minimalen Planes und auch die nachfolgenden Such- und Kommunikationsstrategien beruhen zu einem guten Anteil auf bewusstem und planbarem Verhalten.
Die Wahrscheinlichkeit, eine Partnerschaft zu finden, hängt entscheidend von der eigenen Aktivität ab, die wiederum in engem Zusammenhang zum Denken und Planen steht.
Natürlich mag die Liebe dennoch ganz woanders gefunden werden, aber mit der Nutzung der Online-Partnersuche erweitern Sie Ihren Suchraum und schaffen so neue Gelegenheiten und Chancen.
Online-Partnersuche ist unromantisch
Manche Paare, die sich online kennenlernten, verliebten sich bereits vor dem ersten Treffen, bei anderen entstanden tiefere Gefühle erst im Verlauf mehrerer Begegnungen außerhalb des Internets.
Die Möglichkeit, sich online zu verlieben, kann sogar zur Gefahr werden, wenn sie ausgenutzt wird:
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Skrupellose kriminelle Netzwerke schleichen sich in Online-Dating-Plattformen ein, spielen die große Liebe vor, um sodann mit Geldbitten an die Geschädigten heranzutreten. Manche der Geschädigten bezahlen hohe Geldsummen und blenden den Betrug lange Zeit aus, um das große Glück zu schützen, welches sie glauben, gefunden zu haben.
Auf dieses Thema komme ich auch noch in einem anderen Kapitel zurück. Glücklicherweise sind Liebes-Betrüger:innen aber die Ausnahme und alle seriösen Dating-Plattformen unternehmen Anstrengungen, um solche sogenannten Love-Scammer schnell zu erkennen und zu blockieren. Zudem können Sie sich selbst schützen, indem Sie sich bei aller Romantik nie Ihren klaren Blick verstellen lassen.
Unstreitig können Verliebtheit und Liebesgefühle also online bereits entstehen. Sie müssen es aber nicht. Der Online-Austausch kann ebenso nur der erste Schritt sein und die Gefühlsebene entwickelt sich später. Beide Verläufe sind möglich und können zu tragfähigen Liebesbeziehungen führen.
Letztlich ist die Frage der Romantik eine Frage der Erfolgsaussichten der Suche nach einer romantischen Beziehung: Können romantische Beziehung online entstehen?
Untersuchungen zeigen, dass sich Beziehungen, die online entstanden sind, nicht grundlegend von anderen Beziehungen unterscheiden:
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Anna Katrin Schwabeland-Tuschy (2017) gelangte in ihrer Doktorarbeit sogar zu dem Ergebnis, dass die Beziehungsqualität bei Paaren, die sich online kennengelernt hatten, höher ausfiel als bei anderen Paaren.
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Cacioppo et al. (2013) beobachteten ebenfalls eine etwas höhere Ehezufriedenheit und eine geringere Trennungs- und Scheidungsrate bei Ehepaaren, die sich online getroffen hatten.
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Paul (2014) gelangt allerdings zum gegenteiligen Ergebnis mit einer etwas höheren Trennungs- und Scheidungsrate bei verheirateten und unverheirateten Paaren, die sich online trafen.
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Auch Atkins (2019) fand bei Paaren, die sich außerhalb des Internets getroffen hatten, eine etwas höhere durchschnittliche Beziehungszufriedenheit sowie eine etwas höhere sichere Bindung als bei Paaren, die sich online getroffen hatten.
Die Widersprüchlichkeit der Zahlen macht bereits deutlich, dass es keine klare Richtung gibt. Auch waren alle Unterschiede in den Studien nur eher gering ausgeprägt. Insofern spricht der Forschungsstand insgesamt dafür, dass sich Beziehungen, die online oder außerhalb des Internets entstehen, höchstens marginal voneinander unterscheiden.
Online-Partnersuche ist demnach objektiv ein vielversprechender Weg, um eine auch dauerhaft glückliche romantische Beziehung zu finden.
Frauen suchen Geld und Status – Männer gutes Aussehen
Frauen legen bei der Partnersuche mehr Wert auf Einkommen, Bildungsstatus und die berufliche Position als Männer. Umgekehrt legen Männer bei ihrer Partnersuche mehr Wert auf das Aussehen.
Eine umfassende Meta-Studie von Abramova et al. (2016) fand klare Belege für alle diese Trends. Ebenfalls zeigte sich, dass Männer bei Dating-Apps eher nach kurzfristigen Kontakten und Frauen nach langfristigen Beziehungen suchen.
Eine großangelegte Studie von Schwarz und Hassebrauck (2012), bei der mehr als 21000 heterosexuelle Männer und Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren direkt zu ihren Partnerwahl-Präferenzen befragt wurden, konnte ebenfalls Geschlechtsunterschiede ausmachen. Die Studie gelangte unter anderem zu dem Ergebnis, dass Frauen vor allem wohlhabende, großzügige und intellektuelle Männer vorzogen, während Männer eine Präferenz für körperlich attraktive, kreative und häusliche Frauen zeigten.
Geschlechtsunterschiede bestehen, sie sollten jedoch nicht überbewertet werden, weil die berichteten Durchschnittsunterschiede noch gar nichts über eine einzelne Frau oder einen einzelnen Mann aussagen:
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Es gibt viele Frauen, die keinen oder einen geringen Wert auf Einkommen und Status bei der Partnerwahl legen. Umgekehrt gibt es Männer, die bei der Partnerwahl durchaus auf Einkommen und Status achten. Für manche Frauen ist das Aussehen der wichtigste Faktor, für manche Männer hat das Aussehen nur sekundären Charakter.
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Der Befund, dass Männer eher nach kurzfristigen und Frauen nach langfristigen Beziehungen suchen, macht ganz offensichtlich, dass es immer auf den einzelnen Menschen ankommt. Wenn alle Frauen und Männer so ausgerichtet wären, könnten nämlich weder kürzere Flirtbeziehungen noch langfristige Beziehungen zwischen Frauen und Männer entstehen, weil es für jede heterosexuelle Beziehung schließlich einen Mann und eine Frau geben muss, die an dieser Beziehung interessiert sind.
Dafür, dass Geschlechter-Unterschiede bei der Partnerwahl oft überschätzt werden, spricht zudem ein Speed-Dating Experiment von Eastwick und Finkel (2008) mit folgendem überraschendem Ergebnis:
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Auch wenn zu Beginn die männlichen Teilnehmer eine stärkere Präferenz für das Aussehen und die weiblichen Teilnehmerinnen für das Einkommen potenzieller Partner:innen angaben, prägten diese Geschlechts-Unterschiede in keiner Weise ihr eigentliches Dating-Verhalten. Die mit einem Kontakt verbundene Anziehung und der Wunsch, die Person erneut zu treffen, hingen in Wirklichkeit bei Frauen nicht stärker mit dem Einkommen zusammen als bei Männern und bei Männern nicht stärker mit dem Aussehen zusammen als bei Frauen.
Wenn Sie als Mann, der eine Frau sucht, von vornherein der Ansicht sind, dass Frauen bei der Partnerwahl nur auf Einkommen und Status achten, laufen Sie Gefahr, dass Sie sich, selbst wenn solche Statussymbole vorhanden sein sollten, entsprechend präsentieren und so eben auch vorwiegend für an Einkommen und Status interessierte Personen interessant sein werden.
Wenn Sie als Mann, der eine Frau sucht, nur über wenig Einkommen verfügen und keinen beruflichen Erfolg haben, sollten Sie nicht von vornherein glauben, Sie hätten bei der Partnersuche keine Aussichten. Stellen Sie sich offen und ehrlich dar und werfen Sie andere Werte in die Waagschale als Geld und Ansehen.
Umgekehrt sollten Sie als Frau, die einen Mann sucht, nicht die Bevorzugung des Äußeren beim Mann überschätzen: Zahlreiche Männer befinden sich auf der Suche nach einer stabilen partnerschaftlichen Beziehung und legen keineswegs nur Wert auf Aussehen und Sex.
Wenn Sie aber vornherein überzeugt sind, dass es allen Männern sowieso nur um Aussehen und Sex geht, werden Sie Schwierigkeiten haben, Vertrauen zu fassen und sich vom Gegenteil zu überzeugen.
Oder Sie stellen sich mit entsprechenden Fotos so in Ihrem Profil dar, dass tatsächlich vorwiegend diejenigen Männer an einem Kontakt interessiert sind, die dem Klischeé entsprechen.
Lassen Sie sich von daher bei Ihrer Partnersuche nicht durch Geschlechtsrollen-Stereotype verunsichern, sondern stellen Sie die Übereinstimmung der Werte in den Vordergrund.
Männer sind das unterdrückte Geschlecht
Erstaunlich oft finden sich Männer bei Dating-Plattformen, die sich als Opfer »feministischer Unterdrückung« erleben.
»Die antifeministische Männerrechtsbewegung – Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung« lautet eine lesenswerte Publikation der Heinrich-Böll-Stiftung und des Gunda-Werner-Instituts (2012) zu dieser Thematik.
Untersucht werden frauenfeindliche und antifeministische Ideologien, bei denen Männer sich als Opfer des Feminismus und der Gender-Theorie sehen. Dabei wird in der Publikation eine Ankoppelung an andere rechtsgerichtete politische Ideologien deutlich.
Diese sogenannten Maskulinisten gibt es auch auf Dating-Plattformen. Die betreffenden Männer sind oft verbittert, erleben sich als in der Liebe enttäuscht oder zurückgewiesen. Anstatt an eigenen Anteilen und möglichen Veränderungen zu arbeiten, sehen sie sich als von Frauen ihrer vermeintlichen Rechte auf Sex oder Beziehung Beraubte, wofür manche auch das Online-Dating mit verantwortlich machen:
»Dating ist für durchschnittliche Männer nahezu zwecklos und führt in die permanente Einsamkeit und Sex-Losigkeit! … Online Dating hat keine Zukunft, außer für eine gewisse Upper Class! Wir müssen wieder lernen im echten Leben aufeinander zuzugehen! Aber das verhindert ja grün/linke Politik durch Feminismus immer mehr!« (Vom Autor erhaltene Facebook-Zuschrift.)
In ihrer Verbitterung reflektieren diese Männer nicht den Widerspruch zwischen ihren frauenfeindlichen Grundeinstellungen und ihrem Wunsch nach einer Liebesbeziehung mit einer Frau, deren Möglichkeit sie sich tatsächlich durch eben diese frauenfeindlichen Einstellungen verbauen.
Erkennen Sie bei sich selbst Warnsignale frauenfeindlicher Einstellungen? Machen Sie Frauen für ein Scheitern Ihrer Partnersuche oder Ihrer vorherigen Beziehungen verantwortlich?
Halten Sie inne und korrigieren Sie sich selbst, um Ihre Verbitterung zu überwinden und beziehungsfähig zu werden.
In meinem Alter ist eine Partnersuche sinnlos
Neue Partnerschaften werden von Menschen aller Altersstufen geschlossen, vom Jugendlichen bis zum Greis. Das Online-Dating ist daher für Menschen aller Altersklassen geeignet.
Allerdings nimmt die Anzahl der Teilnehmenden beim Online-Dating im höheren Alter ab 65 Jahren stark ab. Ältere Singles sollten sich daher bei der Online-Partnersuche auf eine geringere Anzahl an Vorschlägen einstellen. Dies braucht jedoch die Erfolgsaussichten Ihrer Partnersuche nicht zu schmälern, da nicht die Anzahl der Vorschläge, sondern die Begegnung mit einer passenden Person entscheidend ist.
Umso wichtiger ist es aber, realistische Suchkriterien zu verwenden und in Merkmalen, die verhandelbar sind, Flexibilität zu zeigen.
McIntosh et. al. (2011) et. al. fanden beim Vergleich der Dating-Profile von jüngeren und älteren Frauen und Männern Hinweise für eine abnehmende, aber auch für eine zunehmende Flexibilität:
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Die Autor:innen stellten fest, dass ältere Singles bei der Online-Partnersuche bezüglich solcher Suchkriterien wie Religion, Körpergröße und Ethnizität selektiver an die ohnehin bereits geringere Anzahl an Vorschlägen herangingen. Ältere Frauen, nicht aber ältere Männer, wiesen zudem dem Einkommen eines Beziehungspartners eine größere Rolle zu, als dies jüngere Partnersuchende taten. Diesen Hinweisen auf eine höhere Inflexibilität älterer Partnersuchender stand jedoch eine höhere Bereitschaft der älteren Partnersuchenden gegenüber, sich auf weitere räumliche Entfernungen einzulassen oder sogar selbst umzuziehen.
Da die Größe des regionalen Suchraumes starken Einfluss auf die Verfügbarkeit potenzieller Beziehungspartner:innen ausübt, dürfte die größere räumliche Flexibilität von älteren Partnersuchenden die negativen Auswirkungen der mit dem Alter zunehmenden anderen Inflexibilität ausgleichen.
Allerdings beobachteten die Autor:innen auch eine andere, bereits in mehreren vorherigen Studien berichtete, Veränderung des Alterssuchbereichs, die sich gravierend auf die Anzahl möglicher Kontakte auswirken kann:
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Mit wachsendem Alter verlagerte sich bei den Männern und bei den Frauen das Interesse zunehmend auf jüngere Beziehungspartner:innen. Damit veränderte sich in der untersuchten Stichprobe mit wachsendem Alter ein in jüngeren Jahren noch teils komplementäres Suchverhältnis, bei dem Männer jüngere Frauen und Frauen ältere Männer suchen, zu einem Suchverhalten, bei dem beide Geschlechter ein wachsendes Interesse an jüngeren Beziehungspartner:innen hatten. Die Autor:innen vermuten als Grund für das verstärkte Interesse von älteren Frauen an jüngeren Partnern die Sorge, ansonsten in absehbarer Zeit eine Pflegerolle übernehmen zu müssen.
Dieser mehrfach beobachtete Trend kann, wie die Autor:innen ausführen, zu einer erheblichen Verknappung der Auswahl im höheren Lebensalter führen, die Frauen wegen ihrer höheren Lebenserwartung ungefähr dreimal so stark trifft wie Männer.
Es gibt also tatsächlich Faktoren, die die Partnersuche im Alter, und zwar insbesondere für ältere Frauen, erschweren können. Diese Erschwernis sollte Sie aber nicht dazu verleiten, die Online-Partnersuche im höheren Alter gar nicht erst anzugehen.
Vielmehr bietet die Online-Partnersuche die Chance, trotz dieser Erschwernisse auch im höheren Alter eine Partnerschaft zu finden. Wichtig ist eine ausreichende Flexibilität, ohne sich selbst zu verbiegen.
Einschränkungen der Suche sollten entsprechend nur dann erfolgen, wenn diese Einschränkungen Ihnen unverzichtbar erscheinen. Auf Kriterien wie Ethnizität sollten Sie beispielsweise ganz verzichten.
Wegen der quantitativ geringeren Kontaktmöglichkeiten ist es im wachsenden Alter außerdem besonders wichtig, jede Kontaktmöglichkeit ernst zu nehmen und die Möglichkeit einer Passung auszuloten, anstatt einen Kontakt vorschnell zu verwerfen.
Ebenso mag im höheren Alter und insbesondere bei weiblichem Geschlecht ein erhöhtes Ausmaß an Geduld erforderlich sein, um sich durch längere Zeiten ohne Kontaktmöglichkeiten nicht irritieren zu lassen und dennoch an der Online-Partnersuche festzuhalten. Gelingt Ihnen dies, sind die Chancen auf Partnerfindung hoch.
Beim Online-Dating sind nur die, die sonst keine Beziehungspartner:innen finden
Diese Ansicht sollte längst in der Mottenkiste der widerlegten Vorurteile verschwunden sein. Heute ist die gesellschaftliche Akzeptanz für die Online-Partnersuche weitaus höher als früher. Menschen aller Geschlechter, Altersstufen und Bildungsgrade suchen online nach einer Beziehung.
Online-Dating wird mittlerweile von einer breiten Schicht von Menschen als eine effektive Möglichkeit akzeptiert, der eigenen Partnersuche auf die Sprünge zu helfen.
Aretz et al. (2010) identifizierten in einer Clusteranalyse von 223 Nutzern von Dating-Portalen drei Gruppen von Nutzern, die sich in personalen Merkmalen und in ihrer Suchmotivation unterschieden:
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62 schüchtern, kompensatorisch Kontaktsuchende kennzeichneten sich durch Einsamkeit, geringen Selbstwert, Ängstlichkeit, Schamgefühle und einen großen Kontaktwunsch. Mitglieder dieser Gruppe nutzen dabei das Online-Dating nicht nur für die Suche nach Beziehungspartner:innen, sondern auch zur Kompensation von Einsamkeit und Schüchternheit.
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77 selbstbewusste Partnersuchende nutzten Online-Dating ausschließlich für die Partnersuche und wendeten insgesamt am wenigsten tägliche Zeit für das Online-Dating auf. Sie hielten sich selbst für eher attraktiv und wiesen deutlich geringere Werte in Neurotizismus und Schüchternheit auf als die schüchtern-kompensatorisch Kontaktsuchenden.
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83 Freizeitflirter nutzten Dating-Portale vorwiegend zum Zeitvertreib und meldeten sich meistens bei kostenlosen Portalen an. Es handelte sich vorwiegend um extravertierte, gesellige, junge Leute mit hohem Selbstbewusstsein und einer guten Integration in einen festen Freundeskreis.
Dating-Plattformen werden demnach von Menschen mit unterschiedlichen personalen Merkmalen genutzt. Es handelt sich um ein Vorurteil, dass sich bei Dating-Plattformen vorwiegend Menschen mit psychischen Problemen einfinden würden.
Gleichzeitig stellen Dating-Plattformen aber eben auch für Menschen mit Hemmungen und Schüchternheit Möglichkeiten der Kontaktsuche zur Verfügung. Dies ist kein Nachteil, sondern ein Vorteil.
Gehen Sie also selbstbewusst mit Ihrem Online-Dating um. Es gibt keinen Grund, sich für die eigene Online-Partnersuche zu schämen.
Ich bin ein hoffnungsloser Fall
Wer sich so negativ einschätzt, strahlt seine negative Einstellung aus und bleibt meistens allein. In Wirklichkeit ist die alte Volksweisheit wahr: »Auf jeden Topf passt ein Deckel«, auch wenn hier Menschen nicht mit Gegenständen verglichen werden sollen.
Durch einen einfachen Spaziergang auf der Straße können Sie sich davon überzeugen, dass Personen mit den verschiedensten mehr oder weniger sozial erwünschten oder weniger erwünschten Merkmalen oder Eigenarten eine Partnerschaft finden können.
Wichtig ist es, sich über die eigene Person und die eigenen Beziehungswünsche im Klaren zu sein, auf das Wesentliche zu achten, in anderen Aspekten flexibel zu sein und die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten, um aktiv nach einer Beziehung Ausschau zu halten.
Wenn Sie Ihre Chancen gegen Null einschätzen, werden Sie sich entsprechend verhalten, nicht ausreichend aktiv werden oder zu schnell aufgeben. Aus der Resignation herauszukommen und die Partnersuche anzugehen, kann eine wirksame Medizin sein.
Sie bleiben davon überzeugt, dass Sie kaum Ressourcen und Stärken haben, halten sich für nicht liebenswert und sehen keine Chancen für ein Partnerglück?
Bei einem so negativen Selbstbild sollten Sie vor dem Beginn der Partnersuche psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.
Ich brauche nur positiv zu denken
Negative Erwartungshaltungen sind für das Online-Dating in jedem Fall schädlich. Sie wirken als negative Prophezeiungen, weil sie das eigene Engagement mindern. Zusätzlich erzeugen Sie damit bei anderen Personen eher Ablehnung und senken damit die Resonanz weiter.
Manche Menschen haben genau den gegenteiligen Ansatz:
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Sie möchten über Probleme nicht einmal nachdenken, weil sie fürchten, diese dadurch zu erzeugen. Sie sind davon überzeugt, dass positive Wünsche sich geradezu magisch umsetzen.
Liegt die Lösung in einem positiven Denken, welches voraussetzt, dass alles eine gute Wendung nehmen und die richtige Person in das Leben treten werde, wenn nur stark genug daran geglaubt werde?
Zur Thematik der Auswirkungen positiver Fantasien haben Oettingen et al. (2016) eine hochinteressante Studie veröffentlicht, die zeigte, dass positive Fantasien und Wünsche zwar sofort die Stimmungslage verbessern. Langfristig wurden die Probanden aber umso depressiver, je mehr sie auf positives Denken gesetzt hatten.
Wie lässt sich dies erklären?
Die Erklärung liegt darin, dass die Dinge im Leben nicht magisch geschehen, sondern Konsequenzen aus unseren Handlungen sind. Rein positive Wünsche und Fantasien mögen uns zwar kurzfristig aufheitern, sie führen aber nicht dazu, dass wir aktiv werden, um unsere Ziele zu erreichen.
Sicherlich, der Erfolg der Partnersuche mag per reinem Zufall kommen, weil Menschen beispielsweise jemandem auf der Straße begegnen, mit dem sie eine Verbindung aufbauen. Würde sich die gleiche Person jedoch Partnerschaft nur in der Fantasie ausgemalt haben und zu Hause geblieben sein, wäre die Begegnung unterblieben.
Positive Gedanken und Wünsche, die keinen Anreiz geben, um zielbezogen zu handeln, werden Ihnen nicht helfen, Ihre Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen. Es gibt viele Faktoren, die wir nicht kontrollieren können und die scheinbar schicksalhaft eintreten, im Durchschnitt aber werden ohne zielbezogenes Handeln unsere Wünsche nicht wahr.
Positives Denken, dem der Handlungsbezug fehlt, könnte demnach Ihre Befindlichkeit sogar langfristig verschlechtern, weil es die Wahrscheinlichkeit, Ihre Ziele zu erreichen, reduziert. So vertrauen manche Menschen bei der Partnersuche nur auf das Schicksal und bleiben allein.
Es reicht also nicht, positiv zu denken, sondern erforderlich ist effektives Handeln. Effektiv handeln können Sie am besten, wenn Sie ein positiv besetztes Ziel haben, aber auch die Probleme und Barrieren analysieren, die Sie von diesem Ziel trennen, nach möglichen Handlungsstrategien suchen und diese anwenden.
Verlassen Sie sich nicht auf die Vorstellung oder den Wunsch, die passende Person werde einfach so eines Tages in Ihr Leben treten. Es wird Sie nur kurzfristig glücklich machen, sich an Illusionen zu orientieren. Langfristig ist dies dagegen der beste Weg, um partnerlos zu bleiben.
Die Lösung lautet, nicht negativ-resignativ und auch nicht positiv-illusionär, sondern positiv-realitätsgerecht zu denken:
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positiv, indem Sie die Möglichkeiten erkennen, eine Partnerschaft zu finden, und überzeugt sind, dass es irgendwo da draußen einen Menschen gibt, mit dem Sie glücklich werden können.
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realitätsgerecht, indem Sie nicht warten, bis ein Prinz oder eine Prinzessin vorbeikommt und Sie wachküsst, sondern selbst zielführende Schritte in die Wege leiten, um diese Person kennenzulernen.
Die Online-Partnersuche ist eine solche zielführende Handlungsstrategie, an die Sie mit den richtigen Erwartungen, Geduld und Engagement herangehen sollten.
