Auf der Grundlage von Interviews kam der englische Psychologe Lee (1976, 1980) zu der Schlussfolgerung, dass sich individuelle Unterschiede im Liebesverhalten auf 6 separierbare Stile der Liebe und deren Kombinationen zurückführen lassen: Leidenschaft, physische Anziehung und Intimität entsprechen dem Stil der romantischen Liebe (EROS). Affären, kurzfristiger Genuss und geringe Ernsthaftigkeit verweisen auf den Stil der spielerischen Liebe (LUDUS). Gemeinschaftlichkeit, geteilte GrundÜberzeugungen und innere Verbundenheit sind die Merkmale des Stils der freundschaftlichen Liebe (STORGE). Rationales Kosten-Nutzen-Kalkül und praktische Erwägungen bestimmen den Stil der pragmatischen Liebe (PRAGMA). Eifersucht und Gefühlsaufwallungen sind exemplarisch für den Stil der Besitz ergreifenden Liebe (MANIA). Selbstaufopferung und unbedingtes für den Anderen da sein entsprechen dem Stil der altruistischen Liebe (AGAPE).

In der Wirklichkeit werden sich in jeder Beziehung Aspekte mehrerer Stile zeigen, Unterschiede in der Partnerschaftsgestaltung gehen aber mit differierenden Tendenzen im Hinblick auf die Dominanz der einzelnen Stile zusammen. Gleichzeitig können zu starke Diskrepanzen in der Ausbildung der Liebesstile bei Partnern zu Belastungen und Konflikten in der Beziehung führen. Während Lee sich auf Interviews stützte, konnte sein Ansatz in der Folgezeit auch über Fragebogenerhebungen bestätigt werden.
Lee, J.A. (1973). The colors of love: An exploration of the ways of loving. Don Mills: New Press.

Lee, J.A. (1988). Love-styles. In R.J. Sternberg, M.L. Barnes (Eds.). The psychology of love (pp. 38-67). New Haven: Yale University Press.

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