Was wir sicherlich auch ohne wissenschaftliche Studien vermuten können, dass wir, unglücklich vor Einsamkeit, eher krank werden. Sozial eingebundene Menschen fühlen sich besser und können bei Schwierigkeiten auf ein soziales Netzwerk zurückgreifen. Dies ist sicherlich förderlich für die das allgemeine Wohlbefinden und einige Studien haben auch gezeigt, dass im Umgang mit Stress das Eingebundensein in ein Netzwerk sehr förderlich ist (im Überblick Wills & Fegan, 2001).
Das jedoch der Effekt von Einsamkeit vergleichbar gesundheitsgefährdend sein kann, wie etwa die Risikofaktoren von Übergewicht, Bewegungsmangel und Alkoholkonsum, kann dann doch schon als erstaunlich betrachtet werden:
In einer neueren US-amerikanischen Studie haben Hawkley und Kollegen (2006) zeigen können, dass einsame Menschen höhere systolische Blutdruckwerte haben (sie untersuchten hierzu 229 Personen im Alter von 50 bis 68 Jahren). Die Blutdruckwerte unterscheiden sich dabei vom unteren und oberen Drittel um 10 bis 30 Punkte (mmg Hg). Diesen Unterschied findet man für gewöhnlich im Vergleich zu Übergewichtigen oder Personen, die sich zu wenig bewegen. Hawkley und Kollegen vermuten auf diesem Hintergrund, dass dem sozialen Eingebundensein eine gleich große oder größere Gesundheitsvorsorge zukomme, als dies durch eine Veränderung des Lebensstils erreichbar wäre (Essgewohnheiten, Bewegung). Der Zusammenhang von Einsamkeit und Bluthochdruck nimmt dabei mit zunehmendem Alter zu. Die Unterschiede bleiben auch dann erhalten, wenn andere Faktoren, die den Blutdruck bestimmen, kontrolliert werden. Es scheint somit der Fall zu sein, dass einsame Menschen nicht alleine dadurch höhere Werte aufweisen, weil sie beispielsweise mehr Alkohol trinken oder sonstiges gesundheitsgefährdendes Verhalten zeigen. Der Effekt scheint vielmehr daran zu liegen, dass einsame Menschen vermehrt Stresshormone bilden. Vor allem scheinen einsame Menschen bei Belastungen weit gestresster zu sein. Sie können sich in solchen Situationen nicht auf den Beistand anderer Menschen verlassen.
Die erhöhte gesundheitliche Gefährdung zeigt sich dabei nicht nur in körperlichen Risiken. So haben einsame Menschen auch vermehrt depressive Symptome (Cacioppo und Kollegen, 2006). Cacioppo und Kollegen fanden dies in zwei Untersuchungen mit insgesamt 2422 Personen. Einsame Menschen weisen dabei auch selbst unter Kontrolle von anderen Einflussfaktoren höhere Werte bei den depressiven Symptomen auf. Zudem konnte anhand eines längsschnittlichen Untersuchungsansatzes gezeigt werden, dass Einsamkeit nicht nur mit depressiven Symptomen einhergeht, sondern dies auch vorhersagt. In diesen Untersuchungen hat sich zudem gezeigt (wie auch in vielen anderen Studien), dass Frauen vermehrt depressive Symptome aufweisen. Jedoch zeigte sich interessanter Weise, dass bei Frauen die Einsamkeit einen nicht ganz so starken Einfluss auf die depressiven Symptome hat. Dies passt zu dem in der Forschung gefunden Zusammenhang, dass Frauen nicht so stark unter einem Singledasein leiden.
Cacioppo, J. T., Hughes, M. E., Waite, L. J., Hawkley, L. C., & Thisted, R. A. (2006). Loneliness as a specific risk factor for depressive symptoms: Cross sectional and longitudinal analyses. Psychology and Aging, 21, 140-151.
Hawkley, L. C., Masi, C. M., Berry, J. D., & Cacioppo, J. T. (2006). Loneliness is a unique predictor of age-related differences in systolic blood pressure. Psychology and Aging, 21, 152-164.
Wills, A.W. & Fegan, M.F. (2001). Social networks and social support. In A. Baum, T.A. Revension & J. E. Singer (Eds.), Handbook of Health Psychology (pp. 209-234). Mahwah, NJ: Erlbau.